Gelbverzwergungsvirus der Gerste (BYDV)

Gelbverzwergungsvirus der Gerste, jaunisse nanisante de l'orge (fr.), Barley yellow dwarf virus (BYDV) (engl.)

Synonyme: Cereal yellow dwarf virus, Hordeumvirus nanescens, Oat red leaf virus
Virusfamilie: Luteoviridae, Gattung: Luteovirus

Gräser werden von zahlreichen Viren befallen. Frank Rabenstein (mündliche Mitteilung) schätzt, dass allein in Deutschland 21 verschiedene Viren an den Gräsern vorkommen. Die beiden wichtigsten Viren, welche Raigräser befallen können, sind das Raigrasmosaikvirus (RGMV) und das Gelbverzwergungsvirus der Gerste (Barley yellow dwarf virus: BYDV).
Das BYDV ist weltweit verbreitet, befällt vorwiegend das Getreide (Anfälligkeit: Hafer > Gerste > Weizen > Triticale und Roggen), kann aber auch Raigräser befallen. Befallener Hafer zeigt orange bis rote Flecken auf den Blättern, man spricht hier auch von Rotblättrigkeit. Das BYDV wird von verschiedenen Blattläusen übertragen.
Eine Bestimmung des Virus anhand der Symptome ist oft nicht möglich, da häufig Mischinfektionen von verschiedenen Viren vorkommen und die meisten Viren ähnliche Symptome auf den Pflanzen verursachen. Zur Identifizierung der Viren wurden früher (zum Teil auch noch heute) Indikatorpflanzen künstlich inokuliert (mechanisch oder mit Überträgerorganismen) um das Wirtspflanzenspektrum zu bestimmen. Heute untersucht man verdächtige Pflanzenproben mit einem Elektronenmikroskop oder mit immunologischen (z.B. ELISA) Tests und versucht, die Art zu bestimmen. Neuerdings werden auch PCR Methoden angewandt, vorausgesetzt passende Primer sind vorhanden.

Schadbild

Die Blätter der befallenen Raigräser/Weidelgräser werden gelb oder rot, zuerst die älteren, dann die jüngeren. Oft sieht man allerdings, trotz Befall, keine Symptome auf den Blättern. Infizierte Gräser sind im Wuchs gehemmt (verzwergt) und stark bestockt. Das Schossen und die Bildung von Ähren sind reduziert oder können ganz entfallen. Im Bestand wird meist eine nesterweise Ausbreitung der Symptome beobachtet.

Pathogen

Das BYMV ist ein Luteovirus. Das Virus besteht aus einer einzelsträngigen RNA und hat keine Virushülle. Sein Durchmesser beträgt 28 nm. Das Virus wird ausschliesslich im Phloem vermehrt. Das Gelbverzwergungsvirus der Gerste wird meist durch die Blattlausarten Rhopalosiphum padi, R. maidis, Sitobion avenae und zum geringeren Teil Metopolophium dirhodum übertragen. Das Virus wird in 6 Virusstämme unterteilt, abhängig vom jeweiligen Überträger, von denen nur 4 in Europa vorkommen. Es sind dies: PAV, MAV, RMV und RPV.

Lebenszyklus und Epidemiologie

BYDV sind nicht frei beweglich. Sie sind auf Blattläuse angewiesen, welche die Viren von kranken Pflanzen auf gesunde übertragen. Die Zeitspanne, die der Vektor von der Aufnahme von Viren aus der Pflanzenzelle bis zur erfolgreichen Abgabe infektiöser Viruspartikel braucht, beträgt nach Huth (1995) etwa 12 bis 24 Stunden. Nach längeren Saugzeiten zur Virusaufnahme sind die Blattläuse mehr als 20 Tage oder zeitlebens infektiös, wobei interessanterweise die Infektiosität der Blattläuse mehrere Tage unterbrochen sein kann. Die BYDV vermehren sich im Phloem.

Wirtsspektrum

BYDV befällt den Hafer, die Gerste, den Weizen, den Triticale und den Roggen. Es kann aber auch auf Raigräsern einen nennenswerten Schaden verursachen.

Bekämpfung

Kontrolle der Vektoren (Blattläuse)

Literatur

Huth W. 1995. Zur Epidemiologie der wichtigsten Getreide befallenden Viren in Mitteleuropa. 46. Arbeitstagung der Arbeitsgemeinschaft der Saatzuchtleiter, BAL Gumpenstein: 1-14.

Raynal G., Gondran J., Bournoville R. und Courtillot M., 1989. Ennemis et maladies des prairies. INRA Paris: 249 S.