Frostschäden

Tolérance au froid (franz.); cold injury (engl.)

Auswinterungsschäden werden von Raps in der Regel sehr gut ausgeglichen. Trotzdem müssen einige Grundsätze eingehalten werden. Die Schäden sind am kleinsten, wenn die Rapspflanzen beim Einwintern das Rosettenstadium mit 8-10 Blättern erreichen. Die Pflanzen sollten im Herbst eine kräftige, dicke Wurzel entwickelt und noch keine Stängel gebildet haben. Die Bestandesdichte sollte 35 bis 45 Pflanzen pro m2 betragen. Saatzeitpunkt, Saatmenge, Düngung und der Einsatz von Pflanzenschutzmittel sind auf diese Ziele auszurichten.

Schadbild

Auswinterung zeigt sich an Fehlstellen im Bestand. Rapspflanzen sind braun oder rötlich verfärbt (Abb. 1). Die Blätter sind vergilbt und liegen am Boden. Bei stark betroffenen Pflanzen sind die Sprossspitzen oder sogar die Wurzeln abgestorben. Raps hat ein hohes Regenerationsvermögen. Solange noch Seitentriebknospen intakt sind, kann der Raps aus diesen Knospen Nebentriebe mit neuen Blättern bilden (Abb. 2).

Auswinterung Raps

Auswinterung Raps

Auswinterung Raps
Abb. 1. Auswinterungsschäden: Sprossspitzen sind abgestorben; Rapspflanzen sind braun oder rötlich verfärbt.

Auswinterung Raps
Abb. 2. Raps hat ein hohes Regenerationsvermögen. Mit Hilfe von Seitentriebknospen kann der Raps Nebentriebe mit neuen Blättern bilden.

Ursachen von Auswinterungsschäden

Bei tiefen Temperaturen bilden sich Eiskristalle in den Pflanzenzellen und bringen diese zum Platzen. Solange dies auf Blattverluste beschränkt bleibt, kann sich die Pflanze regenerieren. Ist aber der Vegetationskegel betroffen, so ist der Haupttrieb endgültig zerstört. Dank Seitentriebknospen kann der Raps aber Nebentriebe bilden.
Besonders gross können die Schäden sein, wenn bei fehlender Schneedecke ein sehr schneller Kälteeinbruch erfolgt. Die Rapspflanzen sind dann schlecht an die Kälte angepasst und dementsprechend empfindlich.
Eine frühe Saat führt zu einem dichten Blattwerk, was den Befall durch Fäulnis sowie Stängelverletzungen durch Schneedruck fördert (Häni et al. 2008). Spät gesäter Raps kann sich bis zum Winter nicht genügend entwickeln und ist besonders gefährdet.
Rapserdflöhe können ebenfalls zu erheblichen Auswinterungsschäden führen. Die Larven fressen Bohrgänge im Inneren der Blattstiele und Stängeln. In diese Frassgänge kann Wasser eindringen, gefrieren und die Pflanzenteile sprengen.

Spätfrostschaden

Sobald im Frühjahr die Rapstriebe anfangen zu wachsen, nimmt das Risiko des Erfrierens zu. Für das Längenwachstum sind Pflanzenhormone, sogenannte Gibberelline, verantwortlich, die ab einer vegetativen Mindestentwicklung (8-Blatt Stadium) und ab einer bestimmten Tageslänge das Schossen einleiten. Ältere Sorten benötigen zum Schossen mindestens einen 14-Stunden Tag, neuere Sorten nur 12 bis 13 Stunden.
Spätfrost führt zu einer vorübergehenden Verkrümmung der Triebe, die Wasserzufuhr wird behindert und die Spitzen der Rapspflanzen welken. Die Pflanzen erholen sich und richten sich auf, sobald die Frostperiode vorbei ist. Zur Zeit der Rapsblüte kann ein Frost die Rapsstängel zum Aufplatzen bringen.

Vorbeugende Massnahmen und Bekämpfung

  • Gut entwickelte Pflanze mit 8-10 Blättern, mit tiefsitzendem Vegetationskegel sowie mit mindestens 1 cm Wurzelhalsdurchmesser im Herbst haben gute Chancen den Winter zu überleben. Saatzeitpunkt, Saatmenge und die N-Düngung ist auf dieses Ziel auszurichten. Kalium und Bor verbessern die Winterhärte.
  • Viel Wurzelmasse mit grossem Wurzelhalsdurchmesser bewirken einen raschen Wachstumsstart im Frühjahr.
  • Die Entwicklung des Rapserdflohs im Auge behalten, vor allem wenn der Beizschutz nachlässt. Bekämpfungsschwelle für Insektizidspritzungen einhalten.
  • Pflanzenschutz: Einige Fungizide (Wirkstoffe: Tebuconazol, Metconazole und Mepiquatchlorid), die im Herbst oder Frühling zur Bekämpfung der Wurzelhals und Stängelfäule (Phoma lingam) eingesetzt werden, wirken auch als Wachstumsregler. Sie hemmen das Längenwachstum, reduzieren das Schossen im Herbst und fördern das Wurzelwachstum. Das Überwachsen der Rapsbestände kann somit verhindert werden. Frühe Behandlungstermine (4. Laubblattstadium des Rapses) sind anzustreben.
  • Die kritische Grenze für einen Umbruch im Frühling liegt bei 25-30 Pflanzen pro m2 oder bei mindestens 15 vollständig gesunden Pflanzen pro m2 (Häni et al. 2008).

Literatur

Häni FJ, Popow G, Reinhard H, Schwarz A und Voegeli U, 2008. Pflanzenschutz im nachhaltigen Ackerbau. Edition LMZ, 7. Auflage. 466 S.

Paul V, 1992. Krankheiten und Schädlinge des Rapses. Verlag Th. Mann 2. Auflage: 132 S.