Viren an Knaulgras (Dactylis glomerata)

  • Marmor Fleckenvirus des Knaulgrases, Marbrure du dactyle (fr.), Cocksfoot mottle virus (engl.)
  • Mildes Mosaik des Knaulgrases (Huth et al. 1970), mosaïque modérée du dactyle (fr.), cocksfoot mild mosaic virus (engl.)
  • Strichelvirus des Knaulgrases, striure du dactyle (fr.), Cocksfoot streak virus (engl.)

Das cocksfoot mottle virus (CfMV), das cocksfoot mild mosaic virus (CMMV) und das cocksfoot streak virus (CSV) sind drei typische Viren an Knaulgras. Daneben findet man auf Knaulgräsern auch das Raigrasmosaikvirus (RGMV) und das brome mosaic virus.
Alle diese Viren verursachen auf den Knaulgraspflanzen ähnliche Symptome und sind anhand des Schadbildes nicht voneinander zu unterscheiden. Im Allgemeinen verursachen die Viren auf jüngeren Blättern chlorotische hellgrüne Flecken oder Streifen, die sich auf älteren Blättern vergrößern. Im späteren Krankheitsverlauf stirbt das befallene Gewebe ab und es bilden sich Nekrosen. Die Verfärbungen sehen mosaikartig aus.
Zur Identifizierung der Viren werden gelegentlich Indikatorpflanzen künstlich inokuliert (mechanisch oder mit Überträgerorganismen) um das Wirtspflanzenspektrum zu bestimmen. Heute untersucht man verdächtige Pflanzenproben mit einem Elektronenmikroskop oder mit immunologischen (z.B. ELISA) Tests und versucht die Art zu bestimmen. Neuerdings werden auch PCR Methoden angewandt, vorausgesetzt passende Primer sind vorhanden.

Viren an Knaulgras (Dactylis glomerata)
Abb. 1. Mischinfektion von Cocksfoot mottle virus (CfMV) und Raigrasmosaikvirus an Knaulgras (Dactylis glomerata); vorne: kranke, hinten: gesunde Pflanzen (Virusart bestimmt von F. Rabenstein, Julius Kühn Institut (JKI), Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen D-06484 Quedlinburg)

 

Cocksfoot mottle virus (CfMV)

Familie: noch keiner Familie zugeordnet; Genus: Sobemovirus

Marmor Fleckenvirus des Knaulgrases, Marbrure du dactyle (fr.), Cocksfoot mottle virus (engl.)

Das CfMV kommt überall dort vor, wo Knaulgras (Dactylis glomerata) wächst. Es verursacht in der Futterproduktion wie auch in der Saatgutproduktion gelegentlich Schäden. CfMV ist in Japan die wichtigste Krankheit des Knaulgrases.

Symptome: Auf den Blättern erscheinen hellgelbe Flecken, die sich zu einem mosaikartigen Fleckenmuster entwickeln. In fortgeschrittenem Stadium können alle Blätter einer Pflanze betroffen sein. Diese sind nur noch blass gelb gefärbt. Die Pflanzen bleiben im Wachstum zurück und bestocken schlecht. Anfällige Pflanzen sterben frühzeitig ab.

Pathogen: Das Virus ist ein kugeliges Partikel mit einem Durchmesser von 28 nm.

Übertragung / Vektor: Das Cocksfoot mottle Virus wird vom rothalsigen und vom blauen Getreidehähnchen (Oulema malanopus, O. lichenis) übertragen. Diese Käfer können die Viren sowohl im Larvenstadium als auch im adulten Stadium übertragen. Einmal infiziert bleibt das Getreidehähnchen 2 Wochen infektiös.

Literatur
Raynal G, Gondran J, Bournoville R und Courtillot M, 1989. Ennemis et maladies des prairies. INRA Paris: 249 S.

Viren an Knaulgras (Dactylis glomerata)

Viren an Knaulgras (Dactylis glomerata)
Abb. 2. Knaulgrasblätter (Dactylis glomerata): Mischinfektion von Cocksfoot mottle virus (CfMV) und Raigrasmosaikvirus (RGMV)

Viren an Knaulgras (Dactylis glomerata)
Abb. 3. Knaulgras (Dactylis glomerata): Mischinfektion von Cocksfoot mottle virus (CfMV) und Raigrasmosaikvirus (RGMV). Die Pflanzen bleiben im Wachstum zurück und bestocken schlecht.

Cocksfoot mild mosaic virus (CMMV)

Familie: noch keiner Familie zugeordnet; Genus: Sobemovirus

Mildes Mosaik des Knaulgrases (Huth et al. 1970), mosaïque modérée du dactyle (fr.), cocksfoot mild mosaic virus (engl.)

Das milde Mosaik des Knaulgrases wurde erstmals von Huth et al. 1970 beschrieben. Es kommt in Europa relativ häufig vor, verursacht in der Regel aber keine nennenswerten Schäden.

Symptome: Ausbildung eines Mosaiks auf den Blättern.

Pathogen: Das Virus ist ein kugeliges Partikel mit einem Durchmesser von circa 25 nm (Raynal et al. 1989). Es besteht aus einer einsträngigen RNA und hat keine Virushülle.

Übertragungsart und Vektoren: Das CMMV kann mechanisch von einer kranken Pflanze auf eine gesunde übertragen werden. Die Blattlausart Myzus persicae ist dazu ebenfalls in der Lage.

Literatur
Huth W, Brandes J, und Paul HL, 1970. Untersuchungen über das cocksfoot mild mosaic virus. I. Biologische, morphologische, physikalische und chemische Daten. Phytopathologische Zeitschrift 68: 367-374.
Raynal G, Gondran J, Bournoville R und Courtillot M, 1989. Ennemis et maladies des prairies. INRA Paris: 249 S.

 

Cocksfoot streak virus (CSV)

Familie: Potyviridae; Genus: Potyvirus

Strichelvirus des Knaulgrases, striure du dactyle (fr.), Cocksfoot streak virus (engl.)

Das Strichelvirus des Knaulgrases wurde erstmals von Storey (1952) und Smith (1952) beschrieben. Es ist in Europa verbreitet und verursacht vor allem in der Saatgutproduktion gelegentlich wirtschaftlich bedeutende Schäden.

Symptome: Auf den jungen Blattspreiten und Blattscheiden erscheinen diffus begrenzte Aufhellungen, diese sind rund, strichel- oder streifenförmig. Auch eine deutliche Wuchshemmung wurde schon im Zusammenhang mit einer CSV Infektion festgestellt.

Pathogen: Das CSV, ein Potyvirus, ist ein spiralförmig gewundenes und fadenförmiges Partikel von 750 nm Länge.

Übertragung / Vektor: Das CSV kann mechanisch (Schumann 1969) und von Blattläusen (Raynal et al. 1989) übertragen werden.

Wirtskreis: Neben Knaulgras konnten auch Italienisches (Lolium multiflorum) und englisches Raigras (L. perenne) sowie Wiesenschwingel (Festuca pratensis) als natürlich infizierte Wirtspflanzen nachgewiesen werden (Schuhmann 1969).

Literatur
Raynal G, Gondran J, Bournoville R und Courtillot M, 1989. Ennemis et maladies des prairies. INRA Paris: 249 S.
Schumann K, 1969. Untersuchungen zum Wirtspflanzenkreis des Strichel-Virus des Knaulgrases. Arch. Pflanzensch. Bd. 5 H. 6: 381-397.
Smith KM, 1952. A virus disease of cocksfoot. Plant Pathology 1: 118.
Storey IF, 1952. New or uncommon plant diseases in England and Wales. Mosaic on cocksfoot. Plant Pathology 1: 101.