Cladosporium phlei (C.T. Gregory) G.A. de Vries

Augenfleckenkrankheit des Lieschgrases, tacheture ocellée de la fléole (fr.), Cladosporium oder timothy eyespot (engl.)

Synonym: Heterosporium phlei C.T. Gregory;
Systematik: Fungi, Ascomycota, Dothideomycetes, Dothideomycetidae, Capnodiales, Davidiellaceae (Mycosphaerellaceae)
Hauptfruchtform (anamorph): Mycosphaerella sp.

In der Schweiz ist Cladosporium phlei auf dem Lieschgras (=Timothe, Phleum pratense) ein regelmässig vorkommender Parasit. Auch im nördlichen Nordamerika, in Nordeuropa, Nordasien und Neuseeland tritt er häufig auf. Er verursacht auf den Blättern Flecken, die wie kleine Augen aussehen.

Augenfleckenkrankheit des Lieschgrases (Cladosporium phlei)
Abb. 1. Augenfleckenkrankheit (Cladosporium phlei) des Lieschgrases (= Timothe) (Phleum pratense)

Augenfleckenkrankheit des Lieschgrases (Cladosporium phlei)
Abb. 2. Augenfleckenkrankheit (C. phlei) des Lieschgrases (= Timothe) (Phleum pratense)

Schadbild

Auf der Blattoberseite wie auch auf der Unterseite erscheinen kleine Flecken (Abb. 1). Sie sind länglich (bis zu 4 mm lang und 1 mm breit) und liegen parallel zu den Blattadern. Kleine Flecken sind braun bis violett, grössere Flecken sind in der Mitte grau und haben einen dunkel violetten bis braunen Rand (Abb. 2). Sind die Flecken zahlreich vorhanden, wird das Blatt ausserhalb der Flecken gelb oder rötlich und verdorrt von der Blattspitze her abwärts.
Grössere Blattflecken sehen aus wie kleine Augen: Im Englischen wird die Krankheit deshalb Timothy eyespot und im Französischen tacheture ocellée de la fléole genannt.

Pathogen

C. phlei bildet im Zentrum der Flecken bis zu 300 µm lange, dunkelbraune Konidienträger (Abb. 3). Die Konidien werden einzeln oder in kurzen Ketten gebildet. Sie sind hantelförmig (Abb. 3), hell bis dunkelbraun und haben meistens 1 bis 3 Septen. Die Konidien sind 5-12 x 14–36 µm (im Durchschnitt 9 x 23 µm) gross (Smith et al., 1989). Die Sporenoberfläche ist mit feinen Dornen ausgestattet.

Cladosporium phlei: Konidientraeger und Konidien
Abb. 3. Konidienträger (links) und Konidien von C. phlei (rechts)

Lebenszyklus und Epidemiologie

Das Pathogen ist an kühle wie auch an warme und feuchte Wetterbedingungen angepasst und kann deshalb während der ganzen Vegetationszeit, ja sogar im Winter, beobachtet werden. Die Konidien keimen zwischen 3 und 33 °C, mit einem Optimum bei 24 °C (Sprague, 1950). Eine Inkubation unter feuchten Bedingungen während einer Nacht genügt, um eine Infektion zu erhalten (Gregory, 1919). Die ersten Symptome erschienen 8 Tage später. Der Pilz kann auf grünen Blättern überwintern.

Wirtsspektrum

C. phlei befällt Phleum pratense, P. alpinum und P. bertolonii (Smith et al., 1989).

Bekämpfung

Im Futterbau sind keine Kontrollmassnahmen bekannt.
Als vorbeugende Massnahme im Rasenanbau empfiehlt sich die Wahl von weniger anfälligen Sorten. Das Beseitigen von Schattenspendern und unregelmässige Bewässerung können sich positiv auf die Kontrolle der Krankheit auswirken.

Literatur

Gregory CT, 1919. Heterosporium leafspot of timothy. Phytopathology 9: 576-580.

Raynal G, Gondran J, Bournoville R, Courtillot M, 1989. Ennemis et maladies des prairies. INRA Paris: 249 S.

Smith JD, Jackson N, Woolhouse AR, 1989. Fungal Diseases of Amenity Turf Grasses. E. & F.N. Spon, London.

Sprague R, 1950. Diseases of cereals and grasses in North America (Fungi, except smuts and rusts). The Ronald press Company, N.Y.: 538 S.