Ramularia pusilla Unger

Ramularia Blattflecken, Ramularia leaf spot (engl.)

Hauptfruchtform (anamorph): Mycosphaerella pusilla (Auersw.) Johanson
Synonyme: Ovularia pulchella (Ces.) Sacc., O. pusilla (Unger) Sacc., Ramularia pulchella Ces.
Systematik: Fungi, Ascomycota, Dothideomycetes, Dothideomycetidae, Capnodiales, Mycosphaerellaceae, Ramularia

In gemässigten Klimazonen verursacht Ramularia pusilla auf verschiedenen Futter- und Rasengräsern typische Blattflecken (Latch 1964 und 1966, Smith et al. 1989). Die Bedeutung dieses Pathogens wird allgemein als gering eingeschätzt. Eigene Beobachtungen in der Schweiz zeigen aber, dass R. pusilla nicht unterschätzt werden darf. Er kann unter idealen Bedingungen im Spätsommer und Herbst die Blätter von Italienischem und Englischem Raigras / Welschem und Deutschem Weidelgras (Lolium multiflorum und L. perenne) beträchtlich schädigen. Auch Huss und Stabentheiner berichteten 2006 von einem vermehrten Auftreten von R. pusilla in Österreich.

Blattflecken (Ramularia pusilla) an Englischem Raigras (Lolium perenne)

Blattflecken (Ramularia pusilla) an Deutschem Weidelgras (Lolium perenne)

Blattflecken (Ramularia pusilla) an Englischem Raigras (Lolium perenne)

Blattflecken (Ramularia pusilla) an Deutschem Weidelgras (Lolium perenne)
Abb. 1. Ramularia pusilla an Englischem Raigras / Deutschem Weidelgras (Lolium perenne)

Schadbild

Ramularia Blattflecken sind auf den Raigräsern rund bis oval (Länge ca. 2-5 mm) und deutlich vom gesunden Pflanzengewebe abgegrenzt (Abb. 1). Auf der Blattunterseite sind die Flecken dunkelrot bis braun gefärbt und im Zentrum beinahe schwarz. Auf der Blattoberseite sehen sie eher grau-braun aus. Die Flecken sind oft umgeben von einem gelben Hof. Sind die Blätter dicht mit Flecken besetzt, wachsen diese zusammen und das Blatt stirbt frühzeitig ab. Bei hoher Luftfeuchtigkeit ist auf der Blattunterseite ein weisser Belag sichtbar, bestehend aus Konidienträgern und Konidien.

Blattflecken (Ramularia pusilla) an Englischem Raigras (Lolium perenne)
Abb. 2. Bei hoher Luftfeuchtigkeit ist auf den Flecken ein weisser Belag sichtbar (oben), bestehend aus Konidienträgern und Konidien der R. pusilla (unten).

Pathogen

Die Konidienträger von R. pusilla sind in Gruppen (4-15) angeordnet. Sie sind hyalin, gebogen oder geknickt, selten verzweigt und haben eine bis drei Septen (Abb. 2). Nach Latch (1964) beträgt die Länge der Träger 39 - 119 µm und die Breite 2.3 - 3.5 µm. Die Konidien sind hyalin, eiförmig, meistens nicht septiert und haben winzige Stacheln. Die Grösse wird mit 9.5 - 18 µm x 6.6 - 11.1 µm angegeben. Die Konidien werden an der Spitze der Konidienträger einzeln, eine nach der anderen, gebildet (Abb. 2).

Lebenszyklus

Smith et al. (1989) vermuten, dass der Pilz als Stroma (Myzelknäuel) in Blättern oder in Pflanzenresten überwintern kann. Die Konidien keimen bipolar oder basal und dringen durch die Spaltöffnungen in die Blätter. Blattflecken sind beim Englischen Raigras bereits 4 bis 5 Tage nach der Inokulation sichtbar. Die Konidienträger wachsen durch die Spaltöffnungen, können aber auch die Epidermis direkt durchbrechen.

Epidemiologie

Der Temperaturbereich für einen optimalen Krankheitsverlauf von R. pusilla wird von Smith et al. (1989) mit 20 – 24 °C angegeben. In Neuseeland kommt der Pilz während des ganzen Jahres vor, ein Befall wird aber vor allem im Frühling und Herbst beobachtet (Latch, 1966). In der Schweiz kann R. pusilla im Spätsommer und Herbst in dichten Beständen von Raigras grössere Schäden verursachen.

Wirtsspektrum

Der Blattfleckenerreger R. pusilla befällt zahlreiche Grasarten aus den Gattungen Agropyron, Agrostis, Anthoxanthum, Bromus, Cynosurus, Elymus, Festuca, Lolium und Poa. In der Schweiz tritt der Pilz vor allem auf Italienischem und Englischem Raigras auf.

Bekämpfung

Über Resistenzeigenschaften des Raigrases gegen R. pusilla ist bis heute wenig bekannt. Huss und Stabentheiner (2006) berichten von geringen Sortenunterschieden in der Anfälligkeit bei Englischem Raigras und von keinen Unterschieden beim Italienischen Raigras. Allerdings erwiesen sich in einem früheren Versuch tetraploide Sorten des Italienischen Raigrases als deutlich resistenter als diploide.
Ein frühzeitiger Schnitt von stark befallenen Grasbeständen und das nachfolgende Entfernen des Schnittgutes können den Infektionsdruck durch Konidien vermindern.

Literatur

Huss H und Stabentheiner E, 2006. Ramularia pusilla: Ein neu etablierter Raygrasparasit. Der Pflanzenarzt 11-12: 4-6.

Latch GCM, 1964. Ramularia pusilla Ung. and Ramulaspera holci-lanati (Cav.) Lind. New Zealand Journal of Agricultural Research Vol. 7: 405-416.

Latch GCM, 1966. Fungous diseases of ryegrasses in New Zealand: I. Foliage diseases. New Zealand Journal of Agricultural Research Vol. 9 (2): 394-409.

Smiley RW, Dernoeden P.H. and Clarke B.B., 2005. Compendium of Turfgrass Diseases. APS Press Third Edition: 167 p.

Smith JD, Jackson N and Woolhouse AR, 1989. Fungal Diseases of Amenity Turf Grasses. E. & F.N. Spon, London.