Drechslera poae (Baudyš) Shoemaker

Blattfleckenkrankheit der Wiesenrispe, Helminthosporioses des graminées (fr.), leaf spot, foot rot, melting out of Kentucky bluegrass (engl.)

Synonyme: Helminthosporium poae Baudyš, H. vagans Drechsler, Drechslera vagans (Drechsler) Shoemaker
Systematik: Fungi, Ascomycota, Dothideomycetes, Pleosporomycetidae, Pleosporales, Pleosporaceae
Hauptfruchtform: Pyrenophora sp.

Drechslera poae ist in der Schweiz nach dem Gelbrost das wichtigste Pathogen auf der Wiesenrispe (Poa pratensis). Der Pilz verursacht typische Flecken auf den Blattspreiten und Blattscheiden. Er befällt auch Wurzeln und Rhizome. Kühle Temperaturen und hohe Luftfeuchtigkeit fördern seine Entwicklung. D. poae kann mit dem Saatgut übertragen werden. Auf befallenem Pflanzenmaterial werden Konidien auf Konidienträgern gebildet. Sie werden von Wind und Regen auf gesunde Blätter übertragen.

Drechslera poae an Wiesenrispe (Poa pratensis)

Drechslera poae an der Wiesenrispe (Poa pratensis)

Drechslera poae an der Wiesenrispe (Poa pratensis)
Abb. 1. Drechslera poae an der Wiesenrispe (Poa pratensis)

Schadbild

Drechslera poae verursacht typische Flecken auf den Blattspreiten und Blattscheiden (Abb. 1). Zuerst sind kleine, wässrige Flächen sichtbar, die sich rötlich bis dunkelbraun verfärben und oft von einem gelben Hof umgeben sind. Die Flecken wachsen und werden parallel zur Blattachse länglich oval. Grössere Flecken sind im Zentrum hellbraun bis grau und haben einen purpur bis rötlich-braun gefärbten Rand (Abb. 3). Auf demselben Blatt können, je nach Zeitpunkt der Infektion, kleine und grosse Flecken vorkommen. Oft sind die Flecken symmetrisch angeordnet. Einzelne Flecken können zusammenfliessen und grosse nekrotische Flächen bilden. Diese schnüren die Blätter und Blattscheiden ein und zerstören die Gefässbündel. Als Folge davon verwelken und sterben ganze Blätter und Triebe ab. Ein starker Befall führt zu einer beträchtlichen Ausdünnung des Bestandes. Im Englischen wird dies als „melting out" bezeichnet.
Der Pilz befällt auch die Wurzeln und Rhizome (Abb. 2). Er verursacht dort eine rötlich-braune, trockene Fäule. Die Blätter von an den Wurzeln befallenen Pflanzen beginnen zu welken und werden gelb. Später werden die Pflanzen braun und sterben.
Die Symptome von D. poae gleichen denjenigen von Bipolaris sorokiniana. D. poae ist vor allem im Frühling und Herbst häufig, B. sorokiniana tritt bei heisser Witterung im Sommer auf.

Drechslera poae an Wiesenrispe (Poa pratensis)
Abb. 2. Drechslera poae befällt auch die Wurzeln und Rhizome der Wiesenrispe

Drechslera poae an Wiesenrispe (Poa pratensis)
Abb. 3. Junger (links) und älterer (rechts) Blattfleck auf der Wiesenrispe, verursacht durch Drechslera poae

Pathogen

Die dunkelbraunen Konidienträger wachsen aus den Spaltöffnungen oder nachdem das Blattgewebe abgestorben ist auch zwischen den Epidermiszellen. Sie stehen einzeln oder manchmal paarweise (Abb. 4) und sind septiert (1-11 Septen). Ihre Form ist gerade oder gekrümmt, gelegentlich sehen sie sogar wie geknickt aus (Abb. 5). Die Konidienträger sind bis zu 250 µm lang und 8-12 µm dick; die Basis- zelle ist manchmal geschwollen (Ellis, 1971). Die gelbbraunen Konidien sind gerade, zylinder-, spindel- oder sogar keulenförmig (Abb. 5). Sie haben 1 – 12 (meistens 5 – 8) Pseudosepten. Ihre Grösse beträgt 30 - 160 x 13 - 28 (meistens 60 - 100 x 17 - 23) µm (Ellis, 1971). Das dunkelbraune Hilum ist 3.5 bis 5 µm breit. Die Konidien können aus jeder Zelle auskeimen. Eine Hauptfruchtform ist nicht bekannt.

Drechslera poae
Abb. 4. Konidienträger mit Konidien auf der Wiesenrispe

Drechslera poae: Konidientraeger und Konidien
Abb. 5. Konidienträger (rechts) und Konidien von Drechslera poae

Lebenszyklus

Der Pilz überwintert als Myzel in abgestorbenem Pflanzenmaterial auf dem Boden (als Saprophyt) oder auf lebenden Blättern. Im Frühling bildet er Konidien, welche junge Wiesenrispenblätter infizieren. Feuchtes und kühles Wetter begünstigt sowohl die Sporenbildung als auch die Infektion (Halisky und Funk, 1966). Die Krankheit tritt denn bei uns auch hauptsächlich im Frühling und Herbst auf. D. poae besiedelt die Blätter, den Wurzelhals, die Wurzeln und die Ausläufertriebe. Die neu gebildeten Konidien werden durch Wind, Regen, Bewässerungswasser (Rasen) aber auch während dem Schnitt auf gesunde Pflanzenteile übertragen.
D. poae infiziert auch die Blüten und die Spelzen und wird über das Saatgut übertragen. Aus den infizierten Samen wachsen infizierte Keimlinge (Gray und Guthrie, 1977).

Epidemiologie

Die Krankheit tritt vor allem im Frühjahr und Herbst auf, wenn die Wachstumsbedingungen von Poa pratensis nicht optimal sind. Kühle Temperaturen und hohe Luftfeuchtigkeit fördern das Wachstum des Pilzes und die Bildung der Flecken auf den Blättern und Blattscheiden. Ein Verfaulen der Wurzeln, Rhizome und des Wurzelhalses kommt aber auch während einer warmen trockenen Periode vor. Eine längere feuchte Witterung nach einer trockenen Periode fördert die Krankheit besonders: wird trockenes, infiziertes Pflanzenmaterial (zum Beispiel abgeschnittene Grasblätter) angefeuchtet, sporuliert der Pilz besonders üppig.

Wirtspflanzen

Ausser Poa pratensis werden auch zahlreiche andere Poa spp. befallen (Sprague 1950). Einzig Poa annua scheint sehr widerstandsfähig zu sein

Kontrolle

Die wirksamste Massnahme zur Verhinderung von Blattflecken ist die Verwendung von resistenten Sorten. Viele neue Sorten zeigten in vergleichenden Sortenversuchen eine gute Resistenz.
Die Krankheit ist auch im Rasenbau häufig. Hier sollten bei der Bewirtschaftung folgende Punkte beachtet werden:

  • Nur soviel Dünger einsetzen wie nötig, damit die Gräser nicht zu üppig wachsen.
  • Der Rasen sollte nur am Morgen bewässert werden und die Blätter sollten anschliessend möglichst schnell abtrocknen.
  • Hecken und Gebüsche zurückschneiden, um die Beschattung möglichst klein zu halten.
  • Möglichst hoch schneiden.
  • Das Wegführen des gemähten Grases im Herbst kann den Befall im folgenden Frühjahr reduzieren.
  • Die Blattfleckenkrankheit kann auch mit Fungiziden bekämpft werden. Für die Wahl des Mittels konsultieren sie bitte das Pflanzenschutzmittelverzeichnis.

Literatur

Ammon H.U. 1963. Über einige Arten aus den Gattungen Pyrenophora Fries und Cochliobolus Drechsler mit Helminthosporium als Nebenfruchtform. Phytopathologische Zeitschrift 47: 244-300.

Ellis M.B. 1971. Dematiaceous Hyphomycetes. Commenwealth Mycological Institute Kew, Surrey England: 608 p.

Gray P.M. und Guthrie J.W., 1977. The influence of sprinkler irrigation and post-harvest residue removal practices on the seed borne population of Drechslera poae on Poa pratensis "Merion". Plant Dis. Rept. 61: 90-93.

Halisky P.M. und Funk C.R., 1966. Environmental factors affecting growth and sporulation of Helminthosporium vagans and its pathogenicity to Poa pratensis. Phytopathology 56: 1294-6.

Smith J.D., Jackson N. and Woolhouse A.R., 1989. Fungal Diseases of Amenity Turf Grasses. E. & F.N. Spon, London.

Sprague R. 1950. Diseases of cereals and grasses in North America (Fungi, except smuts and rusts). The Ronald press Company, N.Y.: 538 S.