Braunrost oder Zwergrost der Gerste

rouille naine de l'orge (franz.), leaf rust of barley (engl.)

Wissenschaftlicher Name: Puccinia hordei G.H. Otth.
Synonyme: P. simplex (Körn.) Erikss. & Henning, P. anomala Rostr.
Taxonomie: Fungi, Basidiomycota, Pucciniomycetes, Incertae sedis, Pucciniales, Pucciniaceae

Der Braunrost der Gerste (Puccinia hordei) wird wegen seiner kleinen Uredosporenlager auch Zwergrost genannt. Er ist in der Schweiz selten von Bedeutung. Wichtige vorbeugende Massnahmen zur Verhinderung eines Zwergrostbefalls sind: Ausfallgerste und Stoppeln vor dem Auflaufen der Herbstsaat beseitigen, der Anbau von resistenten, frühreifen Gerstensorten sowie Wintergerste nicht zu früh säen.

Zwergrost (Puccinia hordei)

Zwergrost (Puccinia hordei)

Zwergrost (Puccinia hordei)
Abb. 1. Uredosporenlager des Braun- oder Zwergrosts (Puccinia hordei) der Gerste

Schadbild

Zur Zeit des Ährenschiebens erscheinen auf den Blättern, Blattscheiden und selten auch auf den Ähren kleine (Zwergrost!), kreisförmige, hellbraune Rostpusteln, die Uredo- oder Sommersporenlager (Abb. 1). Die Pusteln sind meist von einem gelben Hof umgeben. Stark befallene Blätter sterben vorzeitig ab und die Pflanzen reifen früher.
Die kleinen, punktförmigen Teleutosporenlager (Wintersporenlager) sind schwarz und von der Epidermis bedeckt.

Pathogen

Die Uredosporen der P. hordei (Abb. 2) sind kugelig bis ellipsoidisch, 20-30 x 17-22 µm gross (Gäumann 1959). Sie haben feine Stachelwarzen und 7 bis 10 über die ganze Fläche verteilte Keimporen, über denen das Epispor kaum aufquillt.
Die Teleutosporen sind zum grösseren Teil (>50%) einzellig, der Rest ist zweizellig (Abb. 2). Sie sind ziemlich verschieden gestaltet, länglich, keulenförmig oder rundlich, 40-60 µm lang und 19-23 µm breit (einzellige Teleutosporen: 34-44 x 18-23 µm). Die Wand ist braun und glatt. Wegen der zahlreichen einzelligen Teleutosporen ist die P. hordei gelegentlich fälschlicherweise für einen Uromyces gehalten und als solcher beschrieben worden (z.B. Uromyces hordei Nielsen).

Uredosporen der Puccinia hordei
Abb. 2. Uredosporen der Puccinia hordei, Verursacher des Braun- oder Zwergrosts an Gerste

Teleutosporen der Puccinia hordei
Abb. 3. Teleutosporen der Puccinia hordei: mehr als 50 % der Sporen sind einzellig

Lebenszyklus und Epidemiologie

Der Zwergrost ist ein wirtswechselnder (heterözischer) Rostpilz, der einen vollständigen Entwicklungszyklus durchlaufen kann. Zwischenwirte sind Milchsternarten (Ornithogalum umbellatum und andere). Allerdings kann eine Infektion des Zwischenwirts nur in Teilen von Asien und im Mittelmeergebiet regelmässig beobachtet werden (Obst und Paul 1993). An den meisten anderen Orten übersommert oder überwintert der Zwergrost als Uredospore auf Ausfall- oder Wintergerste. Uredosporen können vom Wind über grosse Distanzen verfrachtet werden, so dass neu gesäte Gerste auch von Sporen aus weiter Ferne infiziert werden können.
Der Zwergrost wächst optimal bei Temperaturen zwischen 15 und 22 °C bei gleichzeitig hoher Luftfeuchtigkeit (Mathre 1997).

Wirtsspektrum

Der Zwergrost (P. hordei) befällt in der Dikaryophase ausschließlich Arten der Gattung Hordeum: zum Beispiel die Gerste.
Als Zwischenwirt kommen nur Arten der Gattung Ornithogalum in Frage. Zum Beispiel O. umbellatum = star of Bethlehem / Milchstern. In der Schweiz kommt eine Infektion des Zwischenwirtes aber sehr selten vor.

Bekämpfung

  • Eine wichtige vorbeugende Massnahme ist die Beseitigung von Ausfallgerste durch mehrmalige Stoppelbearbeitung. Damit kann der Lebenszyklus des Zwergrosts unterbrochen werden.
  • In Befallslagen wird die Wahl einer resistenten, frühreifen Gerstensorte empfohlen (siehe Hiltbrunner et al. 2012).
  • Wintergerste nicht zu früh säen und damit Herbstinfektionen vermeiden
  • Kein Anbau von Sommergerste neben Wintergerste
  • Stickstoff zurückhaltend einsetzen und keine Wachstumsregler verwenden
  • Eine chemische Bekämpfung ist meist nicht nötig. Häni et al. (2008) empfehlen eine Kontrolle des Zwergrostbefalls ab dem Zeitpunkt Erscheinen des Fahnenblattes (Stadium 37) und Beginn Ährenschieben (Stadium 51). Bei der Feldkontrolle werden in regelmässigen Abständen in der Diagonale des Feldes an 20 Stellen je 2 Halme abgeschnitten und die drei obersten Blätter untersucht (20 x 2 x 3 = 120 Blätter). Die Bekämpfungsschwelle für den Zwergrost ist bei einem Befall von 30 % (36 von total 120 Blättern) befallener Blätter erreicht. Für eine gezielte Bekämpfung des Zwergrosts ein zugelassenes, systemisches Fungizid mit Rostwirkung anwenden.

Literatur

Gäumann E, 1959. Beiträge zur Kryptogamenflora der Schweiz (Band XII): Die Rostpilze Mitteleuropas, Büchler und Co. 1407 S.

Häni FJ, Popow G, Reinhard H, Schwarz A, Voegeli U, 2008. Pflanzenschutz im nachhaltigen Ackerbau. Edition LMZ, 7. Auflage. 466 S.

Hiltbrunner J, Anders M, Levy Häner L, Collaud J-F, Schwärzel R, Bertossa M, Stoll P, Weisflog T, Scheuner S, Zürcher J, Chassot A, 2012. Liste der empfohlenen Getreidesorten für die Ernte 2013, 3 (6) Beilage

Mathre DE, 1997. Compendium of Barley Diseases, Second Edition, APS Press: 90 S

Obst A, Paul V, 1993. Krankheiten und Schädlinge des Getreides. Verlag Th. Mann: 184 S.