Helminthosporium- oder Turcicum-Blattflecken

helminthosporiose du maïs (franz.), northern corn leaf blight (engl.)

wissenschaftliche Namen und Synonyme:
anamorph (asexuelle Nebenfruchtform): Exserohilum turcicum (Pass.) K.J. Leonard & Suggs, (Synonym: Bipolaris turcica (Pass.) Shoemaker, Drechslera turcica (Pass.) Subram. & B.L. Jain, Helminthosporium inconspicuum Cooke & Ellis, Helminthosporium turcicum Pass., Boln Comiz., Keissleriella turcica (Luttr.) Arx, Luttrellia turcica (Pass.) Khokhr., Setomelanomma turcica (Luttr.) Leonards & Suggs
teleomorph (Hauptfruchtform mit sexueller Fortpflanzung): Setosphaeria turcica (Luttr.) K.J. Leonard & Suggs (Synonym: Trichometasphaeria turcica Luttr.

Taxonomie: Fungi, Ascomycota, Dothideomycetes, Pleosporomycetidae, Pleosporales, Pleosporaceae

Mais wird von zahlreichen Blattfleckenerregern befallen. Neben Helminthosporium-Blattflecken (Setosphaeria turcica, Cochliobolus carbonum = Helminthosporium carbonum und C. heterostrophus = H. maydis) kommen auch Phyllosticta-Blattflecken (verursacht durch P. maydis) oder Kabatiella Augenflecken (Kabatiella zeae) vor.
Turcicum-Blattfleckenkrankheit treten in der Schweiz vermehrt auf und führen zu deutlichen Ertragseinbussen. Ein sauberes Einarbeiten des verseuchten Maisstrohs und eine überlegte Sortenwahl (Hiltbrunner et al. 2011) können den Befall auf ein erträgliches Mass reduzieren.

a_turcicum_flecken_1 b_exserohilum_turcicum_002 c_exserohilum_turcicum_008 d_exserohilum_turcicum_001 e_turcicum_flecken_5 f_turcicum_flecken_4 g_exserohilum_turcicum_005 h_exserohilum_turcicum_004

Abb. 1. Helminthosporium oder Turcicum Blattflecken an Mais: Auf anfälligen Sorten breitet sich der Turcicum-Blattfleckenerreger fast ungehindert aus und kann eine vorzeitige Notreife auslösen.

Schadbild

Die von Setosphaeria turcica verursachten Blattflecken sind lang (bis zu 20 cm), oval, graubraun und von einem schmalen, dunkelbraunen Rand begrenzt (Abb. 1). Die Form der Flecken ähnelt Zigarren. Zuerst zeigen sich auf den unteren Blättern einige verstreut liegende Flecken. Im Verlauf der Krankheitsentwicklung werden später auch die oberen Blätter und die Lieschblätter befallen. Der Parasit kann, günstige Umweltbedingungen vorausgesetzt, die gesamte Blattspreite befallen und eine vorzeitige Notreife auslösen. Die Blätter haben dann im Vergleich mit gesund abgereiften Pflanzen eine schmutzig-graue Farbe. Auf anfälligen Sorten breitet sich der Erreger fast ungehindert aus. Auf weniger anfälligen Sorten ist die Anzahl Flecken deutlich geringer und die Flecken sind kleiner.
Auch Keimpflanzen können befallen werden. Diese sterben häufig bereits vor dem Auflaufen ab. Auf den überlebenden Pflanzen bilden sich sehr kleine, elliptische Nekrosen.

Pathogen

Die braunen Konidienträger wachsen einzeln oder in Gruppen durch die Spaltöffnungen. Konidienträger sind gerade oder gekrümmt, bis zu 300 µm lang und 8-9 µm dick (Ellis 1971) (Abb. 2). Die Konidien (50-144 µm lang und 20-24 µm breit) sind gerade oder nur leicht gekrümmt, ellipsenförmig bis umgekehrt keulenförmig und blass bis strohgelb. Sie haben eine glatte Oberfläche und 4-9 Pseudosepten (Abb. 3). Das Hilum tritt stark hervor. Weltweit sind verschiedene physiologische Rassen des Parasiten bekannt.

Setosphaeria turcica (Syn. Exserohilum turcicum) an Mais (Zea mays)

Setosphaeria turcica (Syn. Exserohilum turcicum) an Mais (Zea mays)

Setosphaeria turcica (Syn. Exserohilum turcicum) an Mais (Zea mays)
Abb. 2. Auf den Blattflecken werden massenhaft neue Konidien gebildet.

Setosphaeria turcica (= Exserohilum turcicum): Konidien
Abb. 3. Konidien der Setosphaeria turcica (Syn. Exserohilum turcicum) mit deutlich hervortretendem Hilum

Lebenszyklus

Der Erreger dieser Blattfleckenkrankheit überwintert als Chlamydospore, Konidie oder Myzel auf verseuchten, auf dem Boden liegenden Ernterückständen. Im Frühjahr gelangen die Konidien mit Regenspritzern auf die unteren Blätter und verursachen dort die ersten Blattflecken. Auf diesen Flecken werden später massenhaft neue Konidien gebildet (Abb. 3). Der Wind sorgt für die weitere Verbreitung der Sporen im Bestand und auf benachbarte Maisfelder.
Erste Infektionen können auch durch mit dem Saatgut eingeschleppte Konidien verursacht werden.

Epidemiologie

Feuchtes und warmes Klima begünstigt den Krankheitsverlauf. Nach einem frühen Befall und bei optimalen Bedingungen (Wasserfilm auf den Blättern bei 18-27°C) kann sich der Pilz explosionsartig verbreiten und viel Assimilationsfläche zerstören. Die Stärkeeinlagerung und Kornausbildung wird gestört, die Pflanzen werden notreif, wodurch ein wirtschaftlicher Schaden entstehen kann. Nach Besenhofer und Zederbauer (2002) kann ein Befall zur Zeit der Blüte den Kornertrag um bis zu 30 % vermindern. Spät auftretende Blattflecken verursachen hingegen nur einen geringen Ertragsverlust. Die Qualität der Maiskörner ist nach bisherigen Untersuchungen nicht beeinträchtigt, S. turcica bildet keine Mykotoxine.

Wirtsspektrum

Der Helminthosporium- oder Turcicum Blattfleckenerreger (Setosphaeria turcica) befällt Mais (Zea mays) und Sorghum (Sorghum sp.). Süssmais ist besonders anfällig.

Bekämpfung

  • Eine wichtige vorbeugende Massnahme ist das saubere Unterpflügen von Maisstroh und Maisstoppeln. Ein vorgängiges Zerkleinern der Ernterückstände verbessert zudem die Verrottung. Dadurch wird das Infektionspotential stark reduziert und das Risiko eines Frühbefalls wird vermindert.
  • Weniger Mais in der Fruchtfolge kann einen Frühbefall ebenfalls verhindern. Da die Konidien aber auch von einem Nachbarfeld kommen können, ist trotzdem ein Befallsrisiko vorhanden.
  • Der Anbau von wenig anfälligen Sorten ist eine der wichtigsten Massnahmen, um dieser Krankheit vorzubeugen. In der Liste der empfohlenen Maissorten für die Ernte 2011 (Hiltbrunner et al. 2011) findet man die aktuellen Sorteneinstufungen.
  • Eine Saatgutbeizung kann Teilerfolge gegen Frühbefall bringen (Häni et al. 2008).

Literatur

Besenhofer G, Zederbauer R, 2002. Turcicum-Blattflecken – eine epidemische Krankheit in Österreich? Mais 1: 24-25.

Ellis MB, 1971. Dematiaceus Hyphomycetes. Commenwealth Mycological Institute Kew, Surrey England: 608 S.

Häni FJ, Popow G, Reinhard H, Schwarz A, Voegeli U, 2008. Pflanzenschutz im nachhaltigen Ackerbau. Edition LMZ, 7. Auflage. 466 S.

Hiltbrunner J, Buchmann U, Baux A, Collaud JF, Deladdey L, Bertossa M, Liste der empfohlenen Maissorten für die Ernte 2011, 2 (03), Beilage