Maisrost

rouille du maïs (franz.), common maize rust or corn rust (engl.)

Wissenschaftlicher Name: Puccinia sorghi Schweinitz
Synonym: Aecidium oxalidis Thüm., Dicaeoma sorghi (Schwein.) Kuntze, Puccinia maydis Berenger, Puccinia zeae Berenger, Tilletia epiphylla Berk. & Broome
Taxonomie: Fungi, Basidiomycota, Pucciniomycetes, Incertae sedis, Pucciniales, Pucciniaceae

Maisrost (Puccinia sorghi) ist ein wirtswechselnder Rostpilz mit vollständigem Lebenszyklus. Uredo- und Teleutosporen bildet er auf Maisblättern. Sauerkleearten (Oxalis spp.) sind seine Zwischenwirte. Er tritt in der Schweiz in allen Maisanbaugebieten auf. Seine wirtschaftliche Bedeutung ist gering, ausser in der Saatgutproduktion, wo er bei Inzuchtlinien bedeutende Schäden verursachen kann.

Maisrost (Puccinia sorghi) an Mais (Zea mays)

Maisrost (Puccinia sorghi) an Mais (Zea mays)

Maisrost (Puccinia sorghi) an Mais (Zea mays)
Abb. 1. Zimtfarbige Uredo- und schwarze Teleutosporenlager der Puccinia sorghi (Maisrost)

Schadbild

Ab Mitte Juni erscheinen auf beiden Seiten der Maisblätter zerstreut liegende, teilweise noch von der aufgerissenen Epidermis bedeckte, zimtfarbige Uredosporenlager (Abb. 1). Im Herbst bildet P. sorghi schwarze Teleutosporenlager. Diese sind einzeln oder in Gruppen angeordnet, zunächst noch von der Epidermis bedeckt, später nackt und von Resten der aufgerissenen Epidermis umgeben.

Pathogen

Die Uredosporen (Abb. 2) sind ellipsoidisch oder kugelig, 21-35 lang und 22-29 µm breit (Gäumann 1959). Die Wand ist 1.5-2 µm dick, hellbraun und mit locker stehenden Stacheln besetzt. Die Uredosporen haben 3-4 Keimporen, die meist ungefähr aequatorial angeordnet sind (Cummins 1971). Auf den Keimporen liegen breite, flache Kappen.
Die Teleutosporen (Abb. 3) sind länglich (29-50 x 16-23 µm), am Scheitel gerundet oder verjüngt und auf der Höhe der Querwand schwach eingeschnürt (Gäumann 1959). Beide Zellen sind ungefähr gleich gross. Die Wand ist glatt, dunkel kastanienbraun und 1-2 µm dick (am Scheitel 5-7 µm). Die Teleutosporen besitzen einen bis 70 µm langen, hyalinen Stiel.
Spermagonien werden auf beiden Blattseiten von Sauerkleearten (Oxalis spp.) gebildet. Die gelben, becherförmigen Aecidien wachsen auf der Blattunterseite ringförmig um die Spermagonien. Die Aecidiosporen sind kugelig oder ellipsoidisch (18-26 x 13-19 µm) und haben eine blassgelbe feinwarzige Wand.

Maisrost (Puccinia sorghi): Uredosporen
Abb 2. Uredosporen der Puccinia sorghi

Maisrost (Puccinia sorghi): Teleutosporen
Abb. 3. Teleutosporen der Puccinia sorghi

Lebenszyklus

Maisrost ist ein wirtswechselnder Rostpilz mit vollständigem Lebenszyklus. Ab Mitte Juni und vor allem im August bis September bildet dieser obligate Parasit Uredolager auf allen oberirdischen Teilen der Maispflanze. Die Uredosporen werden mit dem Wind auf gesunde Maispflanzen getragen. Gegen Ende des Sommers entstehen auf beiden Seiten von älteren Blättern die schwarzen Teleutolager (Abb. 1). Die Teleutosporen überwintern auf dem Pflanzenmaterial und keimen erst nach einer Ruhephase, meist im folgenden Frühjahr (Mai). Die bei der Keimung entstehenden Basidiosporen infizieren den Zwischenwirt (Oxalis spp.). Dort entstehen Spermagonien und Aecidien mit Aecidiosporen, die erneut Maispflanzen infizieren. Siehe auch Lebenszyklus des Schwarzrosts (Puccinia graminis)!

Epidemiologie

Uredosporen behalten unter günstigen Bedingungen ihre Keimfähigkeit während 6 Monaten (Gäumann 1959). Trotzdem dürfte die Überwinterung der Uredosporen eher die Ausnahme sein. Zogg und Scherrer (1945) zeigten, dass unter schweizerischen Verhältnissen die Passage über den Zwischenwirt (=Aecidienwirt) die entscheidende Rolle für die Überwinterung des Maisrostes spielt.

Wirtsspektrum

Hauptwirt der P. sorghi ist Mais (Zea mays). Als Zwischenwirt kommen verschiedene Sauerkleearten in Frage: zum Beispiel Oxalis corniculata oder O. fontana (= O. europaea, O. stricta). Dagegen ist der gemeine Sauerklee (O. acetosella) kein Zwischenwirt der P. sorghi (Gäumann 1959).

Bekämpfung

Eine Bekämpfung des Zwischenwirts (Oxalis spp.) in Maisfeldern kann den Zyklus des Maisrostes unterbrechen. Befallenes Maisstroh sauber unterpflügen und resistente Maissorten anbauen sind weitere Massnahmen bei der Bekämpfung dieses Schaderregers.
Eine chemische Bekämpfung ist in der Schweiz nur mit einer speziellen Bewilligung in der Saatmaisproduktion erlaubt (Häni et al. 2008).

Literatur

Cummins GB, 1971. The rust Fungi of Cereals, Grasses and Bamboos. Springer Verlag Berlin: 570 S.

Gäumann E, 1959. Beiträge zur Kryptogamenflora der Schweiz (Band XII): Die Rostpilze Mitteleuropas, Büchler und Co. 1407 S.

Häni FJ, Popow G, Reinhard H, Schwarz A, Voegeli U, 2008. Pflanzenschutz im nachhaltigen Ackerbau. Edition LMZ, 7. Auflage. 466 S.

Zogg H, Scherrer G, 1945. Zur Frage des Zwischenwirtes der Puccinia sorghi Schw. L.c. 55; 278-280.