Echter Mehltau an Erbsen

oïdium du pois (fr.), powdery mildew in peas (engl.)

Wissenschaftlicher Name: Erysiphe pisi DC.
Systematik: Fungi, Ascomycota, Leotiomycetes, Leotiomycetidae, Erysiphales, Erysiphaceae

Der Echte Mehltau der Erbsen (Erysiphe pisi) ist weltweit verbreitet. Nördlich der Alpen tritt er erst relativ spät auf und verursacht deshalb nur auf Spätsaaten einen eventuellen Schaden. Symptome des Echten Mehltaus sind weisse bis graubraune, pulverartige Beläge auf den Blättern, Nebenblättern, Stängeln und Hülsen. Die Krankheit entwickelt sich am besten während Perioden mit trockenen, warmen Tagen und kühlen, feuchten Nächten (Taubildung). Eine normale Frühjahrssaat genügt meistens als Massnahme, um die Krankheit zu vermeiden.

Echter Mehltau (Erysiphe pisi)
Abb. 1: Der echte Mehltau an Erbsen (Erysiphe pisi) verursacht weisse bis graubraune, mehlige Beläge auf Blättern, Nebenblättern, Stängeln und Hülsen.

Schadbild

Erstes Anzeichen eines Mehltaubefalls ist ein weisser, watteartiger Myzelbelag auf der Oberseite der Blätter, Nebenblätter oder Stängel (Abb. 1). Der Parasit wächst schnell und entwickelt einen mehligen Belag, der die ganze Pflanze (inklusive Hülsen) überziehen kann. Stark befallene Pflanzen welken, verdorren und sterben ab. Gegen Ende der Vegetation sind, eingebettet in den älteren jetzt graubraunen Mehltaubelägen, kleine schwarze Punkte sichtbar, die Kleistothecien, welche die Hauptfruchtform des Mehltaupilzes darstellen.

Pathogen

Erysiphe pisi ist ein obligat biotropher Ektoparasit, das heisst er ernährt sich ausschliesslich von lebendem Pflanzengewebe. Nach Braun (1995) existieren taxonomisch zwei Varietäten: E. pisi var. pisi und E. pisi var. cruchetiana. Kraft und Pfleger (2001) unterscheiden drei verschiedene biologische Formen (f. sp. = formae speciales): die f. sp. pisi (an Erbsen), f. sp. medicaginis sativae (an Medicago, zum Beispiel Luzerne) und die f. sp. viciae sativa (an Vicia) (Kraft und Pfleger 2001) mit je eigenem Wirtspflanzenkreis.
Der Mehltaubelag besteht aus ineinander verfilzten, septierten Hyphen. An diesen werden auf Konidienträgern längliche Konidien gebildet (einzeln, selten in Ketten). Diese sind 13-20 x 30 -50 µm gross (Kraft und Pfleger 2001).
Die Hauptfruchtform, das Kleistothecium, ist dunkelbraun bis schwarz, kugelförmig, misst im Durchmessser 80-180 µm und hat myzelartige Anhängsel (Appendices). Im Innern der Fruchtkörper befinden sich 3 bis 10 Asci mit je 3 bis 6 Ascosporen (10-17 x 22-29 µm).

Lebenszyklus

Der Parasit überwintert auf Wildpflanzen entweder in Form von Myzel, Konidien oder Ascosporen. Der Erreger kann eventuell auch mit dem Saatgut übertragen werden (Hoffmann und Schmutterer 1999; Kraft und Pfleger 2001). Sobald es die Temperaturen im Frühjahr zulassen, beginnt das überwinterte Myzel Konidien zu produzieren. Die Konidien und Ascosporen werden vom Wind auf benachbarte Pflanzen verfrachtet. Gelangen die Pilzsporen auf eine Wirtspflanze keimen sie innerhalb einer Stunde und bilden Haftorgane (Appressorien) auf den Blättern. Die Konidien der echten Mehltaupilze keimen auch ohne Wasserfilm auf den Blättern, eine hohe Luftfeuchtigkeit ist aber förderlich. Die optimale Temperatur für die Keimung beträgt 20 °C, bei einer Minimaltemperatur von 10 °C und einer Maximaltemperatur von 30 °C (Kraft und Pfleger 2001). Lange Perioden mit einem Wasserfilm auf der Blattoberfläche hemmt die Keimung der Konidien, ja bewirkt in einigen Fällen sogar deren Absterben, da im Wasser der Gasaustausch unterbunden wird. Lange andauernder Regen kann die Konidien von den Blättern abwaschen.
Unmittelbar unter dem Appressorium dringt eine Infektionshyphe durch die Kutikula und die Epidermiszellwand ins Innere der Epidermiszelle ein. Hier bildet der Pilz Haustorien, welche ihm zur Nahrungsaufnahme dienen. Die Epidermiszelle lebt dabei noch eine Zeit lang weiter. Der Pilz wächst als eng verzweigtes Myzel auf der Blattoberfläche, bildet weitere Appressorien und Haustorien in neuen Epidermiszellen. Das Myzel benötigt für das Wachstum keinen Wasserfilm auf der Blattoberfläche.
Neue Konidien werden bei günstigen Umweltverhältnissen bereits nach etwa fünf Tagen gebildet, abgeschnürt und im Tagesrhythmus neu gebildet.
Später werden in den Mehltaubelägen Kleistothecien gebildet.

Wirtskreis

Der echte Mehltau der Erbsen befällt Arten der Pflanzenfamilie Fabaceae (Leguminosen oder Hülsenfrüchtler) (Hoffmann und Schmutterer 1999). Ausser Erbsen und Bohnen werden auch viele Wild- und Futterpflanzen wie die Luzerne oder Wicken befallen. Die biologische Spezialisierung der Erysiphe pisi ist wahrscheinlich sehr ausgeprägt. Beim Mehltau an Rotklee dürfte es sich in Europa mehrheitlich um Microsphaera trifolii handeln.

Bekämpfung

  • Gesundes Saatgut von resistenten Sorten verwenden
  • Eine normale Frühjahrsaussaat, oder mit anderen Worten eine Vermeidung von Spätsaaten genügt in der Regel, den Ausbruch dieser Krankheit zu vermeiden.

Literatur

Braun U, 1995. The powdery mildews (Erysiphales) of Europe. Gustav Fischer Verlag Jena, Stuttgart, New York.

Hoffmann GM, Schmutterer H, 1999. Parasitäre Krankheiten und Schädlinge an landwirtschaftlichen Kulturpflanzen. Verlag Eugen Ulmer Stuttgart (2. Auflage): 675 S.

Kraft JM, Pfleger FL, 2001. Compendium of Pea Diseases and Pests, second edition. APS Press St. Paul, 67 S.