Silberschorf

gale argentée ou tache argentée (franz.); silver scurf (engl.)

wissenschaftlicher Name: Helminthosporium solani (Durieu & Mont.)

Taxonomie: Fungi, Ascomycota, Dothideomycetes, Pleosporomycetidae, Pleosporales, Massarinaceae

Silberschorf, verursacht durch Helminthosporium solani, ist eine Pilzkrankheit der Kartoffelknolle. Sie verschlechtert die Schalenqualität und führt zu Wasser- und Gewichtsverlusten. Befallenes Pflanzgut bildet die wichtigste Infektionsquelle. Der Pilz breitet sich aber auch im Lager schnell aus.

Silberschorf (Helminthosporium solani)
Abb. 1. Silberschorf (Helminthosporium solani) an einer Kartoffelknolle

Krankheitsbild

Krankheitssymptome von Silberschorf zeigen sich auf gewaschenen, erdfreien Knollen. Typisch sind die in Form und Grösse unterschiedlichen, rundlichen und silbrig schimmernden Flecken auf der Knollenoberfläche (Abb. 1 und 2). Die Flecken sind scharf begrenzt und haben einen bräunlichen Rand. Innerhalb der Flecken sind Sporenträger als winzige schwarze Punkte sichtbar. Befallene Knollen neigen zu höheren Wasserverlusten und schrumpfen.

Unmittelbar nach der Ernte sind die Flecken meist sehr klein. Im Lager können die Flecken im Durchmesser mehrere Zentimeter gross werden und bedecken dann einen beträchtlichen Teil der Knollenoberfläche.

Der Krankheitserreger dringt in die Korkschicht der Knollenschale ein und löst diese vom Zellgewebe. Der dadurch entstehende Zwischenraum füllt sich mit Luft, was zur Bildung des silbrigen Glanzes der Schale führt (Radtke und Rieckmann 1990).

Verwechslungsmöglichkeiten: Colletotrichum coccodes verursacht ähnliche Flecken. Colletotrichum Flecken sind dunkler, nicht scharf begrenzt und haben eine unregelmässige Form. Auf den Flecken sind Mikrosklerotien als kleine schwarze Punkte sichtbar. C. coccodes befällt auch die Stängel und Stolonen.

Abb. 2. Silberschorf (Helminthosporium solani) verursacht silbergraue, unregelmässige Flecken auf der Knollenschale

Pathogen

Die Konidienträger von H. solani sind septiert und nicht verzweigt, 600 µm lang und an der Basis 9-15 µm, an der Spitze 6-9 µm dick (Ellis 1971) (Abb. 3, 4 und 5). Die Konidien sind gerade oder leicht gebogen, keulenförmig, mit 2-8 Pseudosepten unterteilt, 24-85 µm lang, 7-11 µm breit und zeigen an der Basis eine dunkle Narbe (Abb. 5). Das Myzel von H. solani ist septiert, verzweigt, hyalin und wird mit zunehmendem Alter grün bis braun.

Silberschorf (Helminthosporium solani)

Silberschorf (Helminthosporium solani)
Abb. 3. Konidienträger mit Konidien von Helminthosporium solani auf Kartoffelknollen

Silberschorf (Helminthosporium solani)
Abb. 4. Konidienträger mit Konidien von Helminthosporium solani auf Kartoffelknollen

Konidien (Helminthosporium solani)

Konidien (Helminthosporium solani)
Abb. 5. Konidienträger und Konidien von Helminthosporium solani

Bemerkung zur Gattung Helminthosporium

Der Gattungstypus von Helminthosporium bildet die erste Konidie am Ende des Konidienträgers, weitere Konidien entstehen seitlich an den unteren Zellen des Konidienträgers. Nach der Bildung der ersten Konidie erfolgt zudem kein weiteres Wachstum des Konidienträgers. Helminthosporien Arten, welche auf den Gräsern auftreten, bilden hingegen die Konidien nur an der Spitze des Konidienträgers. Sobald die erste Konidie ihre Entwicklung ganz oder teilweise abgeschlossen hat, formt die oberste Zelle des Trägers seitlich einen Fortsatz, an dessen Ende erneut eine Konidie entsteht. Hughes (1953 und 1958) schloss deshalb die auf Gräsern wachsenden Arten von der Gattung Helminthosporium aus und Shoemaker (1959 und 1962) fasste diese Gruppe von Blattfleckenerregern in den Gattungen Drechslera und Bipolaris zusammen: Arten mit zylindrischen Konidien, welche von jeder Zelle mit einem lateralen Keimschlauch auskeimen wurden in die Gattung Drechslera eingeteilt. Alle Arten mit spindelförmigen Konidien, welche nur von den Endzellen durch Bildung eines polaren Keimschlauches auskeimen wurden der Gattung Bipolaris zugeteilt.

Lebenszyklus und Epidemiologie

Pflanzgut ist sehr häufig mit Silberschorf (H. solani) befallen. Der Erreger gelangt auf diese Weise in den Boden. Auf den infizierten Pflanzkartoffeln bildet er Konidien, die über das Bodenwasser zu den Tochterknollen gelangen und diese infizieren. Das Pathogen kann auch im Boden überwintern und bleibt dort bis zu 9 Monaten lebensfähig (Radtke und Rieckmann 1990). Es konnte gezeigt werden, dass die Tochterknollen auch über dieses bodenbürtige Inokulum befallen werden können (Stevenson et al. 2001).
Die Infektion der Knollen geschieht über die Lentizellen oder direkt durch die Kartoffelschale (Periderm). Der Pilz kann unreife und reife Knollen infizieren. Das Myzel entwickelt sich ausschliesslich in der äussersten verkorkten Schalenschicht. Solange sich die Knollen noch im Boden befinden, breitet sich der Befall auf der Knollenoberfläche nur langsam aus. Eine hohe Bodenfeuchtigkeit kann die Entwicklung beschleunigen. Zur Zeit der Ernte sind die Knollen sehr oft mit Silberschorf befallen, meistens ist der Befall unscheinbar und kaum sichtbar. Eine Infektion zeigt sich oft erst im Lager, wo die Bedingungen für das Wachstum des Myzels, die Konidienbildung, die Ausbreitung der Konidien und für Neuinfektionen günstig sind. H. solani wächst zwischen 3 und 30 °C (Optimum 20-24 °C) (Radtke und Rieckmann 1990), hohe Lagertemperaturen kombiniert mit einer hohen Luftfeuchtigkeit führen deshalb zu verstärktem Knollenbefall.

Wirtsspektrum

Helminthosporium solani befällt nur die Knollen der Kartoffelpflanze (Solanum tuberosum). Der Pilz kann aber auch als Saprophyt im Boden überleben.

Bekämpfung

  • Gesundes Pflanzgut verwenden: Mit Silberschorf befallene Knollen sind die wichtigste Infektionsquelle!
  • Sortenunterschiede beachten: Feinschalige Speise-Lagersorten (Charlotte, Ditta, Gourmandine und Laura) sind sensibler und benötigen eine besondere Beachtung bezüglich Silberschorf (Pflanzgutbeizung wird empfohlen). Frühe Sorten sind in der Regel anfälliger.
  • Fruchtfolge einhalten, keine Kartoffeln nach Kartoffeln.
  • Staunässe vermeiden und für eine optimale Wasserversorgung sorgen
  • Konsequente Bekämpfung der Durchwuchskartoffeln
  • Schalenfeste Knollen so früh wie möglich ernten und sofort trocknen: Erdfreie Knollen für 2 bis 3 Wochen bei 12 bis 15 °C zur Wundheilung einlagern. Anschliessend die Temperatur kontinuierlich absenken auf 3 bis 4 °C bei weniger als 90 % relativer Luftfeuchtigkeit (Kühllager).
  • Keine Temperaturschwankungen, um die Bildung von Kondenswasser zu verhindern
  • Gute Luftzirkulation, um Luftfeuchtigkeit zu senken
  • Saubere Lagerräume, ev. mit Desinfektionsmittel behandeln
  • Eine Pflanzgutbeizung mit einem bewilligten Pflanzenschutzmittel wird bei sensiblen Sorten empfohlen. Proradix und Deposan sind zwei neue biologische Beizmittel gegen Silberschorf. Beide Mittel enthalten das Bodenbakterium Pseudomonas spp. Deposan wird vor dem Einlagern, Proradix wird vor der Pflanzung auf die Knollen gespritzt.

Literatur

Ellis M.B. 1971. Dematiaceous Hyphomycetes. Commenwealth Mycological Institute Kew, Surrey England: 608 p.

Hughes SJ, 1953. Conidiophores, conidia, and Classification. Canadian Journal of Botany 31, 577—659.

Hughes SJ, 1958. Revisiones hyphomycetum aliquot cum appendice de nomimbus rejiciendis. Canadian Journal of Botany 36, 727—836.

Radtke W, Rieckmann W, 1990. Krankheiten und Schädlinge der Kartoffel. Verlag Th. Mann, Gelsenkirchen-Buer, 167 S.

Shoemaker RA, 1959. Nomenclature of Drechslera and Bipolaris, grass parasites segregated from “Helminthosporium”. Canadian Journal of Botany 37: 879-887.

Shoemaker RA, 1962. Drechslera Ito. Canadian Journal of Botany 40: 809-836.

Stevenson WR, Loria R, Franc GD, WeingartnerDP, 2001. Compendium of Potato Diseases, second edition. The American Phytopathological Society, St. Paul: 106 S.