Pseudopeziza medicaginis (Lib.) Sacc.

Klappenschorf der Luzerne, taches communes à Pseudopeziza de la luzerne (fr.), common leaf spot (engl.)

Synonyme: Phacidium medicaginis Lib., Phyllachora medicaginis Sacc.,
Taxonomie: Fungi, Ascomycota, Leotiomycetes, Leotiomycetidae, Helotiales, Dermateaceae

Arten der Gattung Pseudopeziza sind weltweit verbreitet und verursachen oft einen namhaften Schaden besonders auf Luzerne (P. medicaginis), weniger auf Trifolium Arten (P. trifolii). Befallene Pflanzen enthalten einen hohen Gehalt an Phytohormonen (Coumestrol). Diese Phytoöstrogene haben einen negativen Einfluss auf die Fruchtbarkeit von Tieren, die das kranke Futter fressen (Loper und Hanson, 1964; Wong und Latch, 1971).

Schüepp (1959) betrachtet Pseudopeziza sp. auf Kleearten und Luzerne als verschiedene formae speciales von P. trifolii: f. sp. trifolii repentis und f. sp. pratensis auf Klee beziehungsweise f. sp. medicaginis sativae auf Luzerne. Heute wird aufgrund der Grössenunterschiede der Sporen und der Unterschiede im Wirtskreis angenommen, dass es sich um zwei verschiedene Arten handelt: P. trifolii und P. medicaginis mit je zwei formae speciales (Schmiedeknecht, 1964). Innerhalb der P. trifolii wird weiterhin eine f. sp trifolii repentis auf Weissklee und eine f. sp. trifolii pratensis auf Rotklee unterschieden.

Schadbild

Die rundlichen, hell- bis dunkelbraunen Blattflecken auf der Luzerne (Medicago sativa) haben eine einheitliche Grösse. Die Ränder der Flecken sind meist scharf begrenzt oder mit einem Saum feiner Fransen umgeben. Beim Vergilben des befallenen Blattes bleibt rund um den Fleck ein schmaler, grüner Hof bestehen. In der Mitte der Flecken wächst ein Apothecium (selten zwei oder mehrere), das aus der Epidermis hervorbricht. Flecken und Apothecium finden sich hauptsächlich auf der Blattoberseite, selten auf Blattstielen und Stängeln. Sobald eine grössere Anzahl Flecken auf einem Blatt vorkommt (mehr als 30) fallen die Blätter ab (Schmiedeknecht, 1967).
Nach Schmiedeknecht (1964) hat Sorauer den Namen Klappenschorf 1888 eingeführt. Dem Namen liegt die Beobachtung zugrunde, dass bei der Reife der Fruchtkörper die Epidermis aufreisst, zurückklappt und so das Apothecium freilegt.

Pathogen

P. medicaginis ist ein Ascomycet. Er bildet keine Konidien. Die flachen bis leicht schüsselförmigen Apothecien messen 200-600 µm im Durchmesser. Im Apothecium stehen parallel angeordnet die keulenförmigen, unitunicaten Asci (50-80 µm x 20-22 µm). Dazwischen befinden sich hyaline, fadenförmige, nicht septierte Paraphysen. Die Ascosporen (acht pro Asci) sind einzellig, 4-6 x 10-15 µm gross (O'Rourke, 1976), hyalin und eiförmig und oft an einer Seite etwas abgeflacht. Im Ascus liegen sie einreihig oder schräg zweireihig.

Lebenszyklus und Epidemiologie

Die Ausbreitung der Krankheit geschieht über die Verbreitung der Ascosporen. Diese werden nur bei sehr hoher Luftfeuchtigkeit aus den Asci geschleudert und mit dem Wind verbreitet. Pseudopeziza spp. bevorzugen gemässigte bis frische Temperaturen und eine hohe Luftfeuchtigkeit. Temperaturen über 25 °C und Trockenheit stoppen die Entwicklung der Krankheit (Raynal et al., 1989). Sind die äusseren Bedingungen optimal, kann sich die Krankheit sehr rasch in einem Bestand ausbreiten. Die Krankheit kommt in der Schweiz vor allem im Frühling und Herbst vor. Der Pilz überwintert auf kranken Blättern, die während des Winters nicht verrotten.

Wirtsspektrum

P. medicaginis infiziert die Luzerne (Medicago sativa).

Bekämpfung

Ein früher Schnitt im Frühling und Herbst verhindert eine Massenproduktion von Ascosporen. Die Aussaat von resistenten Sorten ist eine Erfolg versprechende Strategie.

Literatur

Loper GM, Hanson CH, 1964. Influence of controlled environmental factors and two foliar pathogens on coumestrol in alfalfa. Crop Science 4: 480-482.

O'Rourke CJ, 1976. Diseases of grasses and forage legumes in Ireland. An Foras Taluntais, Dublin 4. 115 S.

Raynal G, Gondran J, Bournoville R, Courtillot M, 1989. Ennemis et maladies des prairies. INRA Paris: 249 S.

Schmiedeknecht M, 1964. Morphologie, Spezialisierung und Phylogenie einiger Pseudopeziza-Arten. Biologisches Zentralblatt, Band 83 Heft 6

Schmiedeknecht M, 1967. Beobachtungen zur Epidemiologie und Versuche zur Schadensminderung des Luzerneklappenschorfes. Z. Pflanzenkrankheiten, Pflanzenpathologie und Pflanzenschutz 74: 290-302.

Schüepp H, 1959. Untersuchungen über Pseudopezizoideae sensu Nannfeldt. Pytopathologische Zeitschrift 36: 213-269.

Wong E, Latch GCM, 1971. Effect of fungal diseases on phenolic contents of white clover. New Zealand Journal of Agricultural Research 14: 633-638.