Wühlmaus, Feldmaus und Maulwurf

Taxonomie: Metazoa, Chordata, Vertebrata, Mammalia, Rodentia

  • Grosse Wühlmaus oder Schermaus, campagnol terrestre ou taupe gris (fr.), vole (engl.), Arvicola terrestris L.
  • Feldmaus, kleine Wühlmaus oder Springer, campagnol agrestre ou campagnol des champs (fr.), fieldmouse or common vole (engl.), umfasst verschiedene Arten: Microtus arvalis (Pallas), M. agrestris L., und verschiedene Pitymys- Wühlmausarten
  • Maulwurf, la taupe noire (fr.), mole (engl.), Talpa europaea L.

Auf Wiesen und Weiden können Mäuse grosse Schäden anrichten. Wühlmäuse hinterlassen Erdhaufen, welche beim Mähen Probleme verursachen und die Qualität des Grünfutters erheblich verschlechtern. Erdige Verunreinigungen verschmutzen das Futter und führen zu Fehlgärungen im Silo, zu einer Minderung der Milchleistung, sowie zu Erkrankungen des Viehs. In der Schweiz sind zwei Arten Wühlmäuse für Schäden in der Landwirtschaft hauptverantwortlich: die Schermaus oder grosse Wühlmaus (Arvicola terrestris) und die Feldmaus (Microtus arvalis).
Auch der Maulwurf (Talpa europaea) ist zu beachten, da er ebenfalls Erdhaufen hinterlässt und sein ausgedehntes Gangsystem die Besiedlung durch Wühlmäuse erleichtert.

 

Grosse Wühlmaus oder Schermaus (Arvicola terrestris)

Schaden

Die grosse Wühlmaus gräbt mit ihren Schneidezähnen unterirdische Gänge. Die feine Erde wird durch Seitengänge an die Oberfläche geschoben (Abb. 1). Die entstehenden Erdhaufen sind abgeflacht, die Öffnung des Ganges befindet sich seitlich am Rand des Haufens. Diese sind im Feld unregelmässig verteilt. Die Gänge der Schermaus sind oval (höher als breit).
Die Schäden sind vielseitig: Die Wühlmaus knappert an den Wurzeln von Obstbäumen, frisst ausgewählte Pflanzen, zum Beispiel Löwenzahn oder Kleepflanzen. Die Erdhaufen stören beim Mähen und verunreinigen das Futter. Dies kann zu Fehlgärungen im Silo, zu einer Minderung der Milchleistung, sowie zu Erkrankungen des Viehs führen.

Grosse Wühlmaus (Arvicola terrestris): Erdhaufen

Grosse Wühlmaus (Arvicola terrestris): Erdhaufen
Abb. 1. Die Grosse Wühlmaus (Arvicola terrestris) macht ein unterirdisches Gangsystem. Die Erde wird durch Seitengänge an die Oberfläche geschoben.

Grosse Wühlmaus (Arvicola terrestris): Mausloch

Grosse Wühlmaus (Arvicola terrestris): verstopftes Mausloch
Abb. 2. Wird ein Gang geöffnet, verstopft die Grosse Wühlmaus die Öffnung innerhalb weniger Stunden mit einem Gemisch aus Grashalmen und Erde (unteres Bild wurde ein Tag später aufgenommen).

Schädling

Die Kopfrumpflänge beträgt 12 bis16 cm, die Schwanzlänge 6 bis 7.5 cm (Höhn et al. 1991; Häni et al. 2008). Die Schnauze (mit langen Schnauzhaaren) ist stumpf, die kurzen Ohren überragen die Kopfsilhouette kaum. Das Fell ist braun-gräulich. Beide Kiefer sind vorne mit je zwei langen deutlich sichtbaren Schneidezähnen ausgerüstet.

Biologie

Die Wühlmaus lebt in Familiengruppen in unterirdischen Gangsystemen (Höhn et al. 1991). Diese werden stetig erweitert. Jedes System hat ein bis zwei mit Gras gepolsterte, unterirdische Nester. Die Wühlmaus legt Futtervorräte an, kleine Wurzelstücklein, die säuberlich aufgeschichtet werden und ganze Kammern füllen können. Die aufgeschichteten Wurzeln schlagen im Frühjahr aus. Die Schermaus hat die Angewohnheit, jedes Loch in ihrem Bau innerhalb kurzer Zeit zu verstopfen. Dieses Verhalten kann genutzt werden um festzustellen, ob ein Gangsystem noch bewohnt ist. Wird ein Gang geöffnet, wird die Wühlmaus diese Öffnung innerhalb weniger Stunden reparieren (Abb. 2).
Die Fortpflanzung findet hauptsächlich zwischen Februar und Ende Oktober statt. Nach einer Tragzeit von 21 Tagen wirft das Weibchen 4-5 Jungtiere, die während zwei Wochen gesäugt werden (Höhn et al. 1991). Die jungen Mäuse sind nach ca. 2 Monate geschlechtsreif. Etwa alle 6 Jahre kommt es zu einer zyklischen Massenvermehrung. Die Wühlmäuse werden in der freien Natur selten mehr als ein bis anderthalb Jahre alt.

Wirtspflanzen

Die grosse Wühlmaus ernährt sich von fleischigen Wurzeln (Löwenzahn, Luzerne oder Klee) und von grünen Pflanzenteilen (Abb. 3). Sie nagt auch an Wurzeln von verholzten Pflanzen (zum Beispiel Obstbäumen). Meistens frisst dieser Nager unterirdisch, er kommt aber unter bestimmten Umständen zum Fressen auch an die Erdoberfläche.

Grosse Wühlmaus (Arvicola terrestris): Frassschaden an Luzerne
Abb. 3. Grosse Wühlmaus: Frassschäden an Luzerne (Medicago sativa)

Bekämpfung

Die Wühlmaus ist relativ einfach zu fangen. Es können verschiedene Arten von Fallen eingesetzt werden. Die Topcat-Mausefalle (www.topcat.ch) garantiert ein schnelles und effektives Arbeiten.
Die Begasung der Gangsysteme mit Gas entwickelnden Mitteln (Begasungspatronen) oder Benzinauspuffgasen hat sich als wirksam erwiesen. Auch der Einsatz zugelassener Köder ist möglich (www.blw.admin.ch).
Allgemein empfehlenswert ist die Schaffung von günstigen Umweltbedingungen für natürliche Feinde wie Greifvögel (Mäusebussard, Turmfalken etc.), Eulen, Fuchs, Katzen, Mauswiesel und Hermelin: zum Beispiel durch das Anbringen von Nistkästen, Hecken, Bäumen, Steinhaufen für Verstecke oder Sitzkrücken für Greifvögel.
Die Wühlmaus ist Trägerin von Parasiten, bakteriellen und viralen Krankheiten, die auch den Menschen befallen können: z.B. Fuchsbandwurm, Leptospirose, Hatan Virus. Tote und lebende Tiere dürfen deshalb nur mit Handschuhen angefasst werden!

Literatur

Häni FJ, Popow G, Reinhard H, Schwarz A, Voegeli U, 2008. Pflanzenschutz im nachhaltigen Ackerbau. Edition LMZ, 7. Auflage. 466 S.
Höhn H, Siegfried W, Grimm R, Bolay A, Baillod M, Meylan A, 1991. Schaderreger im Obstbau, eine neue Serie von acht farbigen Merkblättern. Landwirtschaft Schweiz, Band 4 (1-2): 24-40.
 

Feldmaus oder kleine Wühlmaus (Microtus arvalis)

Schaden

Auch die Feldmaus legt ein unterirdisches Gangsystem an. Erdhaufen sind aber kaum vorhanden: Die Erde, die aus den Gängen gestossen wird, ist rund um die Löcher zerstreut. Die zahlreichen Mauslöcher (Einschlupflöcher) sind häufig mit oberirdischen Laufspuren (Wechsel) verbunden, entlang deren sich die tagaktiven Mäuse die Nahrung holen (Abb. 4 und 5).
Die Feldmaus frisst oberirdische Pflanzenteile oder Wurzeln, ernährt sich von Samen und Körnern oder nagt die Rinde an der Stammbasis von Obstbäumen ringförmig ab. Der Schaden wird durch die Frass- und Wühltätigkeit verursacht.

Schädling

Die Körperlänge der Feldmaus misst 9 bis 11 gelegentlich bis etwa 15 cm, der Schwanz ist 3 bis 4.5 cm lang (Hoffmann und Schmutterer 1999). Das Fell ist hellbraun bis grau, auf der Bauchunterseite hat es eine beige - gräuliche Färbung (Höhn et al. 1991). Die Feldmaus hat kleine schwarze Augen und nicht vollständig im Fell versteckte, abgerundete Ohren. Der Kopf endet in einer stumpfen Schnauze, die Schneidezähne (je 2 oben und unten) sind klein.

Feldmaus (Microtus arvalis): Einschlupfloch, Frassschaden

Feldmaus (Microtus arvalis): Frassschaden
Abb. 4. Abgefressene Futterpflanzen in der Nähe von Einschlupflöchern und oberirdischen Laufspuren (Wechsel)

Feldmaus (Microtus arvalis): Einschlupfloch

Feldmaus (Microtus arvalis): Einschlupflöcher
Abb. 5. Das unterirdische Gangsystem der Feldmaus hat zahlreiche Ein- und Ausschlupflöcher, die nicht mit Erdhaufen verschlossen sind.

Biologie

Die Feldmaus lebt entweder in selbstgebauten bis zu 50 cm tiefen Gängen oder besiedelt verlassene Wühlmaus- oder Maulwurfbauten. Im Gangsystem befinden sich Nester und Vorratskammern für den Winter, letztere werden im Sommer und Herbst mit Getreideähren und anderen Pflanzenteilen gefüllt. Ein Gangsystem beherbergt gewöhnlich nur eine Familie, arteigene Eindringlinge werden abgewehrt.
Die Fortpflanzung dauert von Februar bis Ende Oktober. Junge Weibchen setzen bereits im Alter von 5 Wochen ihren ersten Wurf (3 bis 13 Junge) ab (Hoffmann und Schmutterer 1999). Dann folgen praktisch alle drei Wochen neue Würfe. Die Tragzeit beträgt 21 Tage. Trockene und warme Witterung sowie schneereiche Winter begünstigen die Massenvermehrung. Starker Regen während des Winters und Frühjahrs wirken sich ungünstig aus.

Wirtspflanzen

Saftige Pflanzenteile, Knollen oder Samen von verschiedenen Pflanzenarten werden von der Feldmaus gefressen. Geschädigt werden unter anderem: Obstbäume, Getreide, Zuckerrüben, Kartoffeln, Raps, Klee, Luzerne und andere Grünlandpflanzen.

Bekämpfung

Die Feldmaus kann mit Fallen gefangen werden, zum Beispiel mit der Topcat-Mausefalle (www.topcat.ch). Oberirdisch können auch gewöhnliche Haushaltsfallen eingesetzt werden.
Der Einsatz zugelassener Köder ist möglich ( www.blw.admin.ch ) (Häni et al. 2008).
Die Feldmaus ist viel mobiler als die Schermaus. Sie ist eine leichte Beute für kleine Raubtiere oder Raubvögel. Deshalb sollten die natürlichen Feinde durch das Anbringen von Nistkästen, Hecken oder Steinhaufen für Verstecke, Sitzkrücken sowie Bäumen gefördert werden. Greifvögel (Mäusebussard, Turmfalken etc.), Eulen, Igel, Fuchs und Katzen stellen vor allem den oberirdisch sich aufhaltenden Mäusen nach. Mauswiesel und Hermelin jagen in den unterirdischen Gängen.
Feldmäuse sind oft Trägerinnen von Parasiten, bakteriellen und viralen Krankheiten, die auch den Menschen befallen können. Tote oder lebende Tiere deshalb nur mit Handschuhen anfassen.

Literatur

Häni FJ, Popow G, Reinhard H, Schwarz A, Voegeli U, 2008. Pflanzenschutz im nachhaltigen Ackerbau. Edition LMZ, 7. Auflage. 466 S.
Höhn H, Siegfried W, Grimm R, Bolay A, Baillod M, Meylan A, 1991. Schaderreger im Obstbau, eine neue Serie von acht farbigen Merkblättern. Landwirtschaft Schweiz, Band 4 (1-2): 24-40.
Hoffmann GM, Schmutterer H, 1999: Parasitäre Krankheiten und Schädlinge an landwirtschaftlichen Kulturpflanzen. Verlag Eugen Ulmer GmbH & Co. (2. Auflage)
 

Maulwurf (Talpa europaea)

Schaden

Der Maulwurf gräbt ausgedehnte, unterirdische Gangsysteme und stösst die Erde vom Gang aus senkrecht nach oben (Höhn et al. 1991; Häni et al. 2008). Die dabei entstehenden grossen Erdhaufen sind halbkugelig und gleichmässig ausgerichtet (vergleiche grosse Wühlmaus). Der Gang befindet sich jeweils unter dem Zentrum des Erdhaufens. Die Erdhaufen sind meistens regelmässig auf einer Linie angeordnet und können eine grosse Fläche bedecken.
Schäden entstehen vor allem im Grünland, wo die aufgewühlte Erde beim Mähen stört. Auch können Wühlmäuse das Gangsystem der Maulwürfe besetzen und so ein Gebiet schneller neu besiedeln.

Schädling

Der Maulwurf ist 12-15 cm lang und hat einen 2-4 cm langen Schwanz (Höhn et al. 1991; Häni et al. 2008). Die kleinen Äuglein sind unter dem Pelz verborgen. Die Ohrmuscheln fehlen. Das samtartige Fell ist schwarz. Die schaufelartigen Vorderfüsse haben starke Krallen und die Schultermuskulatur ist kräftig ausgebildet. Dies macht den Maulwurf so geeignet für seine unterirdische Wühlarbeit.

Biologie

Der Maulwurf lebt als Einzelgänger in seinen unterirdischen Gängen (Höhn et al. 1991). Im zweiten Lebensjahr wird er geschlechtsreif. Das Weibchen wirft zweimal pro Jahr 2 bis 7 Junge. Er hat eine relativ lange Lebenserwartung von etwa drei Jahren. Der Maulwurf hat pro Tag drei Aktivphasen, während denen er seine Gänge nach Nahrung (Regenwürmer, Insekten) durchsucht.

Wirtsspektrum

Der Maulwurf ernährt sich hauptsächlich von Regenwürmern und Insekten (Larven und Adulte). Er frisst keine Wurzeln.

Bekämpfung

Fallenfang ist schwierig, da der Maulwurf sehr empfindlich auf Änderungen in seinem Gangsystem reagiert (Höhn et al. 1991). Die Zangenfallen müssen sehr sorgfältig platziert und die Gänge müssen wieder verschlossen werden.
Die Begasung der Gänge ist dagegen eine wirksame Methode, sofern das Gasvolumen der Grösse der Gänge angepasst wird.

Literatur

Häni FJ, Popow G., Reinhard H, Schwarz A, Voegeli U, 2008. Pflanzenschutz im nachhaltigen Ackerbau. Edition LMZ, 7. Auflage. 466 S.
Höhn H, Siegfried W, Grimm R, Bolay A, Baillod M, Meylan A, 1991. Schaderreger im Obstbau, eine neue Serie von acht farbigen Merkblättern. Landwirtschaft Schweiz, Band 4 (1-2): 24-40.