Blütensterben, Spitzendürre, Zweigdürre, Triebsterben und Fruchtfäule
moniliose (franz.); brown rot, blossom and twig blight (engl.)
wissenschaftliche Namen der Hauptfruchtform der beiden Hauptverursacher dieser Krankheit: Monilinia fructigena Honey ex Whetzel und Monilinia laxa (Aderh. & Ruhland) Honey
wissenschaftliche Namen der Nebenfruchtform: Monilia fructigena (Pers.) Pers. und Monilia laxa (Ehrenb.) Sacc. & Voglino
Taxonomie: Fungi, Ascomycota, Pezizomycotina, Leotiomycetes, Leotiomycetidae, Helotiales, Sclerotiniaceae
Blütensterben, Spitzendürre, Zweigsterben und Fruchtfäule sind Krankheitssymptome an Obstbäumen, die in Europa vorwiegend durch die Pilzarten Monilinia fructigena und Monilinia laxa verursacht werden. Beide können in Jahren mit regnerischer Witterung während der Blüte oder in nassen Sommern grosse Schäden und Ernteverluste verursachen. Als vorbeugende Massnahme wird empfohlen, befallene Triebe, Früchte und Fruchtmumien abzuschneiden und zu vernichten. Zudem sollten Verletzungen der Früchte, beispielsweise durch Insekten, verhindert werden.

Abb. 1. Blütensterben und Zweigdürre an Aprikosen, verursacht durch Monilinia laxa (oben und unten gleicher Baum, unteres Bild wurde 11 Tage später aufgenommen)
Krankheitsbild an Steinobst
Blütensterben, Spitzendürre, Zweigdürre, Triebsterben, Rindenbrand und Fruchtfäule beschreiben Krankheitssymptome, die bei Obstbäumen in Europa hauptsächlich durch die Pilze Monilinia laxa (Abb. 1 und 2) und M. fructigena verursacht werden.
Die Schadsymptome treten von der Blütezeit bis nach der Fruchtreife an Kern- und Steinobst auf. Der Pilz befällt Blüten, Triebe und Früchte. Befallene Blütenblätter und Blütenstiele werden plötzlich braun bis grau und vertrocknen, bleiben aber an den Trieben hängen (Blütensterben). Die Infektion kann sich später auf die Zweigspitzen ausdehnen. Die Zweige und die jungen Blätter beginnen zu welken, vertrocknen und sterben innerhalb weniger Tage ab (Spitzen- oder Zweigdürre). In der Nähe der Infektionsstelle bildet sich eine krebsartige Geschwulst, aus der häufig übermässiger Harzfluss (Gummifluss) austritt. Normalerweise beschränkt sich die Infektion auf einjährige Triebe und greift nicht auf das zweijährige Holz über. Die eingetrockneten Blüten und Blätter bleiben lange am Baum hängen.
An reifen oder reifenden Früchten entstehen braune, kreisrunde und sich rasch vergrössernde Faulstellen (Abb. 3), die als Fruchtfäule bezeichnet werden.. Fruchtinfektionen beginnen meist an Verletzungen der Frucht. An der Oberfläche der Faulstelle entwickeln sich polsterartige, oft in konzentrischen Ringen angeordnete Sporenpusteln. Sind diese Sporenlager grau, handelt es sich um M. laxa, sind sie ockerfarbig um M. fructigena. Befallene Früchte schrumpfen, fallen ab oder bleiben als Mumien am Baum hängen, wo sie überwintern.
Ausgehend von infizierten Früchten kann Monilia in den Trieb eindringen und dort ein Triebsterben verursachen.
Abb. 3. Fruchtfäule (M. laxa) an Aprikosen
Abb. 4 Zitronenförmige Konidien von Monilinia laxa.
Krankheitserreger
Die Konidien von Monilinia fructigena und M. laxa werden in Sporenlagern (Sporodochia) an verzweigten Ketten gebildet. Sie sind zitronen- bis eiförmig und transparent (Abb. 4). Die Sporen von M. fructigena messen 12-34 x 9-15 µm, diejenigen von M. laxa 8-23 x 7-16 µm (Wintersporen 5-19 x 4-12 µm) (Ogawa et al. 1995).
Die Sporenlager sind verstreut angeordnet und wachsen teilweise zusammen. Sie sind grau (M. laxa) oder hellbraun (M. fructigena) und sind 1-2 mm breit und bis zu 2 mm hoch.
Die Bildung von Apothecien (Hauptfruchtform) kommt im Freiland selten vor.
Hilber-Bodmer et al. (2010 und 2012) fanden in der Schweiz auf Aprikosen erstmals auch die beiden Arten M. fructicola (die vor allem in den USA vorkommt) und M. polystroma.
Lebenszyklus
Monilia überwintert an Fruchtmumien, in befallenen und am Baum hängen gebliebenen Blüten oder an Krebsstellen von erkrankten Trieben. Die Bildung der Hauptfruchtform (Apothecium) ist selten und spielt in der Schweiz für die epidemiologische Entwicklung der Krankheit keine Rolle.
An den befallenen und überwinterten Pflanzenorganen bilden sich im Frühling, vor der Blüte, bei kühler, regnerischer Witterung, neue Sporen (Konidien). Diese werden durch Wind, Regen und Insekten auf die Blüten übertragen. In Jahren mit trockener Witterung während der Blüte tritt die Monilia-Krankheit weniger häufig auf.
Die Keimhyphen der Konidien dringen durch die Blütenorgane in die Zweige ein. Das sich dort entwickelnde Myzel tötet die Triebe ab, so dass die Partie oberhalb der Befallsstelle eintrocknet. Oft kommt es zur Bildung einer krebsartigen Wucherung, die den Trieb ganz oder teilweise umgürtelt. Beim Übergang vom kranken zum gesunden Holz kommt es häufig zu übermässigem Harzfluss. Ausgehend von Fruchtmumien kann Monilia auch direkt in den Trieb eindringen und diesen abtöten.
Auf den abgestorbenen Blüten und befallenen Trieben bilden sich wiederum Sporenlager. Die darin entstehenden Konidien führen zu neuen Infektionen.
Die Infektion der Früchte erfolgt über Verletzungen oder Wunden, die beispielsweise durch Hagel, Wachstumsrisse, Stiche oder Frassstellen von Insekten und Vögeln verursacht werden. Ausserdem können Infektionen auch durch den Kontakt zwischen Früchten entstehen.
Die Inkubationszeit ist kurz. Bereits sieben Tage nach der Infektion werden neue Konidien gebildet. Infizierte Früchte sind für Fruchtfliegen attraktiv. Diese können die Krankheit ebenfalls verbreiten. An den Stellen, an denen faule Früchte die Rinde berühren, können neue Infektionen an den Trieben entstehen.
Die Früchte faulen und fallen ab. Oder sie trocknen ein und bleiben mumifiziert am Baum hängen. Dies kann im Folgejahr zu einer Neuinfektion führen.
In den Faulstellen entsteht das schädliche Schimmelpilzgift Patulin, das sich bis zu einem Zentimeter um die schadhafte Stelle anreichert. Kleine, wasserreiche, angefaulten Früchte (wie Aprikosen, Zwetschgen und Kirschen) sollte man deshalb nicht mehr essen.
Wirtsspektrum
M. fructigena und M. laxa befallen Kern- und Steinobst. M. fructigena verursacht hauptsächlich eine Fruchtfäule. M. laxa befällt vorwiegend Steinobst und löst dort neben einer Fruchtfäule auch ein Blüten- und Triebsterben aus.
Vorbeugende Massnahmen und Bekämpfung
- Robuste Sorten wählen. Für den Bioanbau empfohlene Aprikosensorten (FiBL shop)
- Befallene Triebspitzen, Früchte und Fruchtmumien sollten abgeschnitten und vernichtet werden (nicht im Garten kompostieren). Die Triebspitzen sollten dabei um mindestens 20 –30 cm ins gesunde Holz zurückgeschnitten werden.
- Schadinsekten bekämpfen, um Verletzungen der Früchte zu verhindern.
- Die Verbreitung von Monilia durch Kontakt zwischen den Früchten kann durch eine Fruchtausdünnung reduziert werden.
- Ein vor der Blüte installiertes Regendach vermindert die Ausbreitung von Monilia (Forschungsinstitut für biologischen Landbau, 2020)
- Wüchsige, kräftig austreibende Bäume sind gegen Monilia widerstandsfähiger als ältere Bäume.
- Pflanzenschutz im Biolandbau: Kupfer, Myco-Sin und Kaliumbicarbonat-Präparate in Kombination mit Netzschwefel haben eine Teilwirkung gegen Blütenmonilia (Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) 2020), siehe auch Betriebsmittelliste FiBL).
- Direkte Massnahmen mit Pflanzenschutzmitteln: Die erste Behandlung sollte kurz vor Blühbeginn durchgeführt werden (Pflanzenschutzempfehlungen für den Erwerbsobstbau).
- Empfohlene und zugelassene Pflanzenschutzmittel gegen Monilia finden sie für die Schweiz unter Agroscope und im Pflanzenschutzmittelverzeichnis des BLV, für Deutschland in der online Datenbank des BVL und für Österreich im Pflanzenschutzmittelregister des BAES (Bundesamt für Ernährungssicherheit).
Literatur
Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL), 2020. Merkblatt Pflanzenschutz im Biosteinobstanbau (download)
Hilber-Bodmer M, Bünter M, Patocchi A, 2010. First report of asian brown rot caused by Monilia fructicola on apricot in a Swiss orchard. Plant Dis. 94(5):643.
Hilber-Bodmer M, Knorst V, Smits THM, Patocchi A, 2012. First report of asian brown rot caused by Monilia polystroma on apricot in Switzerland. Plant Dis. 96(1):146.
Ogawa JM, Zehr EI, Bird GW, Ritchie DF, Uriu K, Uyemoto JK (editors), 1995. Compendium of stone fruit diseases. St. Paul, American Phytopathological Society: 98 S.


