Marssonina-Blattfleckenkrankheit

Anthracnose du noyer (franz.); anthracnose (engl.)

wissenschaftliche Namen:

Hauptfruchtform: Ophiognomonia leptostyla (Fr.) Sogonov
Synonym: Gnomonia leptostyla (Fr.) Ces. & De Not.
Nebenfruchtform: Marssonina juglandis (Lib.) Magnus
Taxonomie: Fungi, Ascomycota, Pezizomycotina, Leotiomycetes, Leotiomycetidae, Helotiales, Dermateaceae

Die Marssonina Blattfleckenkrankheit (Marssonina juglandis) befällt Blätter, Blattstiele, junge Triebe und Fruchtschalen. Die Blattflecken sind rund oder eckig, braun bis schwarz und in der Mitte verblasst. Auf den Blattflecken findet man kleine schwarze Punkte, die Acervuli mit den asexuell gebildeten Konidien, die über Wind und Regenspritzer verbreitet werden. Der Pilz überwintert im infizierten Falllaub. Im Frühjahr werden schwarze Fruchtkörper (Perithecien) gebildet, die Ascosporen freisetzen und zu Primärinfektionen führen. Durch das Entfernen des infizierten Falllaubes kann der Entwicklungszyklus des Krankheitserregers unterbrochen werden.

Marssonina-Blattfleckenkrankheit (Marssonina juglandis)
Marssonina-Blattfleckenkrankheit (Marssonina juglandis)Abb. 1. Marssonina juglandis befällt alle grünen Teile des Walnussbaumes: Blätter, Blattstiele, junge Triebe und Fruchtschalen.

Abb. 2. Marssonina-Blattfleckenkrankheit: typisch sind runde oder eckige Flecken, die in der Mitte verblassen und einen gelben Hof haben.

Krankheitsbild

Der Pilz Marssonina juglandis befällt alle grünen Teile des Walnussbaums: Blätter, Blattstiele, junge Triebe und Fruchtschalen (Abb. 1 und 2). Typische Symptome sind runde oder eckige, braune bis schwarze Flecken, die in der Mitte verblassen und zuweilen einen gelben Hof haben. Die 2-5 mm grossen Flecken neigen dazu, ineinander zu wachsen und grosse nekrotische Bereiche gewöhnlich an der Blattspitze oder an den Blatträndern zu bilden. Das geschädigte Gewebe kann herausfallen, so dass Löcher entstehen. Die Flecken an den Sprossen, Stielen und Blattmittelrippen sind länglich und mit der Zeit eingesunken. Die dunkelbraunen bis schwarzen Acervuli (0.2 mm gross) bilden sich vor allem auf der Blattunterseite, oft in konzentrischen Ringen. Ein starker Befall führt zu verfrühtem Blatt- und Fruchtfall, zu geschwächten Bäumen und gelegentlich zum Absterben der Bäume.

Verwechslungsmöglichkeiten: Die Krankheitssymptome der M. juglandis werden oft mit den Symptomen des Bakteriellen Walnussbrandes (Xanthomonas campestris pv. juglandis) verwechselt.

Pathogen

Die Hauptfruchtform Ophiognomonia leptostyla bildet dunkelbraune, 300-500 µm grosse Perithecien mit einem 100-300 µm langen schnabelartigem Anhängsel (Teviotdale et al. 2002). Die 51 x 9 µm grossen Asci sind elliptisch und enthalten acht Ascosporen. Letztere sind hyalin bis hellbraun, spindelförmig, 20 x 4 µm gross, zweizellig und an der Stelle des Septums leicht verengt. Der Pilz ist im Allgemeinen heterothallisch, obwohl homothallische Isolate vorkommen.
Die Nebenfruchtform Marssonina juglandis bildet in den Acervuli zweizellige Konidien (15-30 x 15,5-18 µm). Die Konidien sind gekrümmt oder sichelförmig, manchmal auch gerade und an der Stelle des Septums leicht verengt (Abb. 3).
Gegen Ende des Jahres befinden sich in den Acervuli neben Konidien auch einzellige Mikrokonidien (8 x 1 µm).

Konidien der Marssonina juglandisAbb. 3. Konidien von Marssonina juglandis

Lebenszyklus

Der Pilz überwintert meist in infizierten Blättern auf dem Boden und selten an Zweigen oder Früchten. In den abgefallenen Blättern bildet O. leptostyla auf sexuellem Weg kleine schwarze Fruchtkörper (Perithecien) und setzt Ascosporen frei. Diese verursachen im Frühling Primärinfektionen. Auf den bald erscheinenden Blattnekrosen werden in den Acervuli asexuell entstehende Konidien gebildet, welche die Krankheit verbreiten. Mit Hilfe von Appressorien oder Keimhyphen dringt der Pilz direkt oder durch natürliche Öffnungen (Spaltöffnungen etc.) in die Wirtspflanze ein.
Die Ascosporen und die Konidien werden durch Regenspritzer oder Wind verbreitet. Eine nasse Witterung im Sommer begünstigt eine Infektion.

Wirtsspektrum

Nach Teviotdale et al. (2002) wurde O. leptostyla an Juglans regia (Echte Walnuss oder Baumnuss), J. nigra, J. hindsii, J. californica und J. cinerea beobachtet.

Bekämpfung

  • Das mit Marssonina infizierte Falllaub sollte vor dem Austrieb der Walnussbäume entfernt werden. Dadurch wird der Lebenszyklus des Krankheitserregers unterbrochen. Der gleiche Effekt kann durch die Förderung der Verrottung der Blätter durch Mulchen erzielt werden.
  • Ein Auslichten der Baumkrone fördert die Durchlüftung und senkt damit die Blattnässedauer und die Infektionsgefahr.
  • Weniger anfällige Sorten anbauen.
  • Biologischer Pflanzenschutz: Saure Tonerdepräparate (Myco-Sin oder Myco-San) zeigten die beste Wirkung gegen Marssonina.
  • Pflanzenschutzmittel auf Kupferbasis, die zur Bekämpfung von Bakterienfäule eingesetzt werden, reduzieren auch die Marssonina Blattfleckenkrankheit (Rusterholz und Zbinden 1992).

Literatur

Rusterholz P, Zbinden W, 1992. Kulturgut Nussbaum. Schweizerische Zeitschrift für Obst- und Weinbau 7/1992: 172-181.

Teviotdale BL, Michailides TJ, Pscheidt JW, 2002. Compendium of Nut Crop Diseases in Temperate Zones. APS Press, The American Phytopathological Society: 89 S.