Titelbild Pflanzenkrankheiten - Schädlinge

Pflanzenkrankheiten und Schädlinge

Grüne Gurkenblattlaus (Aphis gossypii)

Grüne Gurkenblattlaus

Puceron du melon, puceron du cotonnier (franz.); melon aphid; cotton aphid (engl.)

Wissenschaftlicher Name: Aphis gossypii Glover

Taxonomie: Animalia, Arthropoda, Hexapoda, Insecta, Hemiptera, Aphididae

Die Grüne Gurkenblattlaus (Aphis gossypii) ist ein weltweit bedeutender Schädling von Kürbisgewächsen und Baumwolle. Auf diesen Pflanzen kann sie grosse Populationen bilden. In Europa kommt sie vorwiegend in Gewächshäusern vor, wo sie meist Gurken befällt. Die erwachsenen Blattläuse sind eher klein. Ihre Färbung ist sehr variabel, meist hellgrün mit dunkelgrünen Flecken . Grosse Exemplare sind dunkelgrün bis fast schwarz. Blattläuse, die in dichten Kolonien bei hohen Temperaturen entstehen, können hingegen hellgelb bis weiss sein. Die Gurkenblattlaus verursacht Triebstauchungen, Krüppelwuchs sowie verformte und eingerollte Blätter. Die grösste Gefahr besteht jedoch darin, dass sie Viren übertragen. Gurkenbestände im Gewächshaus lassen sich durch die Freisetzung von Nützlingen sehr gut vor Blattläusen schützen.

Blattläuse an Kürbisgewächsen

Gurken, Melonen, Kürbisse und Zucchini werden regelmässig von verschiedenen Blattlausarten befallen. Am gefährlichsten sind die geflügelten erwachsenen Blattläuse (Keinath et al. 2017). Sie können Viren auf die gesunden Pflanzen übertragen. Diese Viren verursachen Krankheiten, welche den Ertrag an Früchten oder Samen sowie deren Qualität erheblich reduzieren.
Zu den häufigsten Blattlausarten (Blackman und Eastop 2000), die Kürbisgewächse besiedeln und wichtige Virusüberträger sind, gehören die

  • Grüne Gurkenblattlaus, auch Baumwollblattlaus genannt (Aphis gossypii)
  • Schwarze Bohnenblattlaus (Aphis fabae)
  • Grünstreifige Kartoffelblattlaus (Macrosiphum euphorbiae)
  • Grünfleckige Kartoffelblattlaus (Aulacorthum solani)
  • Grüne Pfirsichblattlaus (Myzus persicae).

Diese fünf Arten sind alle polyphag, das heisst, sie können Pflanzen aus vielen verschiedenen Familien als Nahrung nutzen.
Die Grüne Gurkenblattlaus kann in Europa in der Regel nicht im Freien überwintern und kommt deshalb vor allem in Gewächshäusern vor (Crüger et al. 2002). Sie hat im Gurkenanbau unter Glas die grösste Bedeutung.

Grüne Gurkenblattlaus (Aphis gossypii) an GurkenAbb. 1.Schadbild der Grünen Gurkenblattlaus (Aphis gossypii) an Gurken: Durch den Frass der Blattläuse auf der Blattunterseite verformen sich die befallenen Blätter und deren Ränder sind oft nach unten gekrümmt.

Grüne Gurkenblattlaus (Aphis gossypii) an  GurkenAbb. 2. Grüne Gurkenblattlaus (A. gossypii): Die Blattläuse sind hellgrün mit dunkelgrünen Flecken. Die Färbung ist allerdings sehr variabel und reicht von hell- bis dunkelgrün. Die Hinterleibsröhren (Siphonen) sind dunkel. 

Abb. 3. Grüne Gurkenblattlaus (A. gossypii)

Abb. 4. Grüne Gurkenblattlaus (A. gossypii): Die Abbildungen zeigen hellgelbe und dunkelgrünen Exemplaren an Zucchini.

Schadbild und Schadwirkung

Die grüne Gurkenblattlaus (Aphis gossypii) befindet sich in der Regel auf der Unterseite der Blätter oder an den Wachstumsspitzen der Triebe, wo sie grosse Kolonien bilden kann. Mit ihren stechend-saugenden Mundwerkzeugen saugen die Blattläuse Nährstoffe aus den Siebröhren des Phloems. Durch den Frass der Blattläuse werden die befallenen Blätter stark verformt und ihre Ränder krümmen sich nach unten. Oft sind auch einzelne Triebe gestaucht oder verkrüppelt.
Schadwirkung: Die Blattläuse entziehen den Pflanzen durch das direkte Saugen aus den Siebröhren grosse Mengen an Nährstoffen (Produkte der Photosynthese). Befallene Pflanzen verkümmern und verlieren Blätter. Darüber hinaus scheiden die Blattläuse grosse Mengen an Honigtau aus. Dieser bildet einen Nährboden für die Entstehung von Russtau, welcher die Photosynthese reduziert, und die Qualität der Früchte beeinträchtigt. Schliesslich verbreiten und übertragen die Blattläuse Viren (z. B. das Gurkenmosaikvirus). Diese Viruserkrankungen können das Pflanzenwachstum hemmen und die Menge sowie die Qualität der produzierten Früchte verringern.

Beschreibung des Krankheitserregers

Aphis gossypii kommt weltweit vor (Blackman und Eastop 2000). In kälteren gemässigten Regionen ist sie auf Gewächshäuser beschränkt, in denen sie ein bedeutender Schädling ist. A. gossypii ist auch in den Tropen weit verbreitet.
Die Eier sind zunächst gelb und werden später glänzend schwarz (Capinera 2001). In Europa legt A. gossypii in der Regel keine Eier, sie ist in Europa anholozyklisch (Blackman und Eastop 2000).
Die Larven (Nymphen) sind hellbraun bis grau oder grün gefärbt.
Erwachsene Tiere: Die flügellosen Blattläuse (Apterae) sind mit einer Grösse vom 0.9–1.8 mm eher klein und in ihrer Färbung sehr variabel (Blackman und Eastop 2000). Grosse Exemplare sind dunkelgrün bis fast schwarz. Erwachsene Läuse (Adulte), die in dichten Kolonien bei hohen Temperaturen entstehen, können dagegen weniger als 1 mm lang sein und eine hellgelbe bis weisse Färbung aufweisen. Am häufigsten sind sie hellgrün mit dunkelgrünen Flecken. Die Hinterleibsröhren (Siphonen) sind dunkel. Das Schwänzchen (Cauda) kann hell bis dunkel sein, ist jedoch heller als die Hinterleibsröhren (bei Aphis fabae ist die Cauda immer so dunkel wie die Hinterleibsröhren). Die Beine sind hell, die Spitzen der Tibiae und der Tarsi sind schwarz.
Die geflügelten parthenogenetischen Weibchen (Alatae) sind 1.1 - 1.7 mm gross (Capinera 2001). Kopf und Brust (Thorax) sind schwarz. Der Hinterleib (Abdomen) ist gelblich-grün, mit Ausnahme der dunkleren Hinterleibsspitzen. Die Flügeladern sind braun.

Lebenszyklus

Laut Blackman und Eastop (2000) ist Aphis gossypii in Europa anholozyklisch, das heisst, während ihres Lebenszyklus findet keine sexuelle Fortpflanzung statt (es werden weder Männchen noch eierlegende Weibchen gebildet).
In einigen Regionen Nordamerikas oder Ostasiens vermehrt sich A. gossypii hingegen auch sexuell, so dass die Blattläuse im Eistadium überwintern können. Als Primärwirte werden mehrere nicht verwandte Pflanzen genutzt, darunter Hibiscus spp., Rhamnus spp. und andere.
In Europa überwintert die Grüne Gurkenblattlaus in der Regel als erwachsene Blattlaus im Gewächshaus, in warmen Wintern ist auch eine Überwinterung im Freien möglich. Im Frühjahr können Gurkenblattläuse zusammen mit Jungpflanzen aus Gewächshäusern auf Felder eingeschleppt werden. Alternativ können auch geflügelte Blattläuse aus den Gewächshäusern ins Freie entweichen und dort Schäden verursachen.
Solange ausreichend Wirtspflanzen vorhanden sind, vermehren sich die Weibchen ungeschlechtlich (parthenogenetisch) und lebendgebärend (vivipar). Mit anderen Worten bringen sie lebende Larven (Nymphen) zur Welt, ohne dass eine Befruchtung durch Männchen erfolgt. Unter idealen Bedingungen können erwachsene weibliche Blattläuse innerhalb von 24 Stunden zehn oder mehr lebende Jungtiere zur Welt bringen (Keinath et al. 2017). Sowohl geflügelte als auch flügellose erwachsene, weibliche Blattläuse sind zur ungeschlechtlichen Fortpflanzung fähig.
Die Nymphen beginnen sofort Pflanzensaft zu saugen und wachsen schnell. Bevor sie das Erwachsenenstadium erreichen, häuten sie sich viermal. Dabei streifen sie nach jeder Häutung die alte Larvenhaut, die sogenannte Exuvie, ab.
So entstehen im Laufe des Jahres mehrere sich überschneidende Generationen weiblicher Blattläuse.

Wirtsspektrum

Die Grüne Gurkenblattlaus (Aphis gossypii), die auch als Baumwollblattlaus bezeichnet wird, hat ein sehr breites Wirtsspektrum. Zu den befallenen Kulturpflanzen gehören Baumwolle, Kürbisgewächse, Zitrusfrüchte, Kaffee, Kakao, Auberginen, Paprika, Kartoffeln, Okra und viele andere Nutz- und Zierpflanzen (Blackman und Eastop 2000). Als Primärwirte werden unter anderem Hibiskus spp. und Rhamnus spp. genannt.

Vorbeugende Massnahmen und Bekämpfung

  • Allgemeine Hygienemassnahmen in den Gewächshäusern einhalten
  • Gesunde Jungpflanzen / Setzlinge verwenden, die frei von Blattläusen sind.
  • Niedrige Temperaturen im Gewächshaus verlangsamen die Entwicklung der Blattläuse.
  • Gurkenbestände regelmässig kontrollieren. Einzelne, stark befallene Pflanzen sollten beseitigt werden, um eine rasche Ausbreitung der Blattlauspopulation zu verhindern.
  • Bekämpfung der Blattläuse mit Nützlingen: Gallmücken, Schlupfwespen etc. (Andermatt Biocontrol)
  • Ameisen stören den Einsatz von Nützlingen und müssen deshalb ebenfalls bekämpft werden (Kahrer und Gross 2002).
  • Anwendung von Pflanzenschutzmitteln gegen Blattläuse, die im biologischen/ökologischen Gemüsebau zugelassen sind (Betriebsmittelliste für den biologischen Landbau, Pflanzenschutzempfehlungen für den Biogemüsebau).
  • Zugelassene Pflanzenschutzmittel zum Schutz von Gurken im Gewächshaus gegen Blattläuse finden Sie für die Schweiz im Pflanzenschutzmittelverzeichnis des BLV, für Deutschland in der online Datenbank des BVL und für Österreich im Pflanzenschutzmittelregister des BAES.

Literatur

Blackman RL, Eastop VF, 2000. Aphids on the World’s Crops: An Identification and Information Guide. John Wiley & Sons, LTD (2nd Edition): 476 S.

Capinera JL, 2001. Handbook of Vegetable Pests. Academic Press New York: 729 S.

Crüger G, Backhaus GF, Hommes M, Smolka S, 2002. Pflanzenschutz im Gemüsebau. 4.

Kahrer A, Gross M, 2002. Gemüseschädlinge. Österreichischer Agrarverlag, Leopoldsdorf: 205 S.

Keinath AP, Wintermantel WW, Zitter TA, 2017. Compendium of Cucurbit Diseases and Pests. Second edition. The American Phytopathological Society, St. Paul Minnesota: 127 p.