Gurkenmosaikvirus
Mosaïque du concombre (franz.); cucumber mosaic virus (engl.)
wissenschaftlicher Name: CMV (cucumber mosaic virus)
Taxonomie: Bromoviridae (Familie), Cucumovirus (Gattung)
Das Gurkenmosaik ist eine der weltweit häufigsten und gefährlichsten Viruserkrankungen von Kürbisgewächsen. Verursacht wird die Krankheit durch das Gurkenmosaikvirus (CMV). Dieses befällt neben verschiedenen Gemüsearten auch viele Zierpflanzen und Unkräuter. Befallene Pflanzen sind oft verkümmert. Die Blätter zeigen eine deutliche Mosaikscheckung und sind verformt. Die Früchte sind deformiert und oft entfärbt. Das CMV wird auf nicht persistente Weise durch viele verschiedene Blattlausarten übertragen. Um einen Befall weitgehend zu vermeiden, sind vorbeugende Massnahmen zur Verhinderung von Blattläusen, der Anbau von resistenten oder toleranten Sorten und das frühzeitige Entfernen von kranken Pflanzen wichtig.
Abb. 1. Mit Gurkenmosaikvirus infizierte Kürbispflanze, © Nigel Cattlin, Alamy Stock Photos
Schadbild und Schadwirkung
Mit dem Gurkenmosaikvirus (CMV) infizierte Gurken-, Kürbis- oder Zucchinipflanzen (Zucchetti) sind in der Regel oft stark verkümmert (Keinath et al. 2017). Die Blätter sind kleiner und die Triebe kürzer als bei gesunden Pflanzen. Die Blätter zeigen eine ausgeprägte Abwärtsrollung und auf den neu entstehenden Blättern entstehen gelbe Flecken. Die Blätter von befallenen Kürbis- und Zucchinipflanzen können ein besonders starkes gelbes Mosaik (Abb. 1) sowie Blattverformungen aufweisen.
Befallene Pflanzen können auch plötzlich welken, ohne dass Mosaiksymptome auf den jungen Blättern auftreten (Bovey et al. 1979).
Die Blüten befallener Pflanzen können auffällig deformiert sein, zum Beispiel können Blütenblätter grün gefärbt sein.
Befallene Pflanzen bilden weniger und kleinere Früchte als gesunde. Die Früchte sind deformiert und oft entfärbt. Gurken sind fleckig und höckerig. Kürbisse und Zucchini haben Flecken oder grüne Punkte und zeigen manchmal hellgrüne, eingesunkene Ringe.
Im Allgemeinen sind die Blatt- und Fruchtsymptome je nach Kürbisart und Sorte unterschiedlich. Auch das Alter der Pflanzen zum Zeitpunkt der Infektion, der Virusstamm und die Umweltbedingungen können die Ausprägung der Symptome beeinflussen.
Ein starker Befall kann, insbesondere wenn die Pflanzen in einem frühen Stadium infiziert werden, zu erheblichen Ertragsverlusten führen.
Verwechslungsmöglichkeit: CMV kann nicht allein anhand der Symptome identifiziert werden. Andere Viren können ähnliche oder gleiche Symptome verursachen. Zudem kommen häufig Mischinfektionen zusammen mit CMV vor. Um eine CMV-Infektion im Feld sicher nachzuweisen, müssen Pflanzenproben im Labor untersucht werden, beispielsweise mit serologischen Methoden oder mit RT-PCR.
Krankheitserreger
Das Gurkenmosaikvirus war das erste Virus, das als Ursache für eine Mosaikkrankheit bei Kürbisgewächsen erkannt wurde. Es wurde Anfang des 20. Jahrhunderts beschrieben (Keinath et al. 2017). Die Viruspartikel des CMV sind kugelförmig und haben einen Durchmesser von 28–30 nm. Es gehört zur Familie der Bromoviridae und ist die Typusart der Gattung Cucumovirus (Scholthof et al. 2011).
Es wurden zahlreiche CMV-Stämme beschrieben, die in zwei Untergruppen (I und II) unterteilt wurden. Isolate beider Untergruppen verursachen schwere Symptome bei Kürbisgewächsen. Es gibt Hinweise darauf, dass Isolate der Untergruppe I hohe Temperaturen besser ertragen als diejenigen der Untergruppe II. Erstere kommen in warmen Klimazonen vor, während Stämme der Untergruppe II in gemässigteren Gebieten zu finden sind (Keinath et al. 2017).
Mischinfektionen: CMV kommt häufig zusammen mit anderen Pflanzenviren vor. Mischinfektionen sind beispielsweise zusammen mit dem Grünscheckungsvirus (Cucumber Green Mottle Mosaic Virus, CGMMV), dem Zucchini-Gelbmosaikvirus (Zucchini Yellow Mosaic Virus, ZYMV), Wassermelonenmosaikvirus (Watermelon Mosaic Virus, WMV) und anderen möglich (Crüger et al. 2002; Koike et al. 2007).
Lebenszyklus
Unkräuter, Zierpflanzen oder Kulturpflanzen sind wahrscheinlich die wichtigsten Wirtspflanzen (Reservoirwirte) für die Überwinterung von CMV. Sie spielen eine wichtige Rolle als primäre Infektionsquelle für CMV-Infektionen bei Kürbisgewächsen (Crüger et al. 2002; Keinath et al. 2017).
Geflügelte Blattläuse (Aphiden) nehmen das Virus beim Saugen an den Reservoirwirten auf und übertragen es auf Kürbisgewächse. Mehr als 80 Blattlausarten können das CMV übertragen, darunter die Baumwollblattlaus (Aphis gossypii), die Grünstreifige Kartoffellaus (Macrosiphum euphorbiae), die Grünfleckige Kartoffellaus (Aulacorthum solani und die Grüne Pfirsichblattlaus (Myzus persicae). Die Übertragung geschieht auf nicht persistente Weise über den Saugrüssel. Das bedeutet, dass die Viren bereits nach einer kurzen Saugzeit von 5 bis 10 Sekunden aufgenommen und sofort übertragen werden können. Die Blattläuse bleiben jedoch nur für kurze Zeit (etwa 1–2 Stunden) ansteckend.
Nach der Übertragung vermehren sich die Viren in den Pflanzenzellen und breiten sich in der Pflanze aus. Etwa 7 bis 14 Tage nach der Infektion werden die mit CMV-infizierten Kürbisgewächse zu sekundären Inokulumquellen und die Viren können von ansässigen und wandernden Blattläusen übertragen werden.
Obwohl CMV über Pflanzensaft mechanisch übertragen werden kann, wird nicht davon ausgegangen, dass CMV im Freiland durch Kontakt zwischen Pflanzen übertragen wird (Keinath et al. 2017). Eine Übertragung von CMV über Samen wurde bei verschiedenen Wirtspflanzen beobachtet, bei Kürbisgewächsen jedoch nicht eindeutig nachgewiesen.
Wirtsspektrum
Das Gurkenmosaikvirus hat ein extrem breites Wirtsspektrum, das über 1’200 Arten umfasst, darunter Dikotyledonen und einige Monokotyledonen (Scholthof et al. 2011, Keinath et al. 2017). CMV infiziert Nutzpflanzen, Zierpflanzen und Unkräuter. Zu den wirtschaftlich wichtigen Wirten gehören viele bekannte Gemüsepflanzen: Karotten, Sellerie, Kürbisgewächse (Gurken, Kürbis, Zucchini, Melonen), Hülsenfrüchte, Salat, Zwiebeln, Paprika, Spinat, Tomaten und andere.
Vorbeugende Massnahmen und Bekämpfung
- Gezielte Förderung von Nützlingen durch das Anlegen von Blühstreifen mit Nektar spendenden Blütenpflanzen. Schwebfliegen, Schlupfwespen oder Marienkäferlarven usw. können dabei helfen, die Blattläuse unter der Schadschwelle zu halten (siehe auch Vieweger et al. 2023).
- Kürbisgewächse nicht neben Feldern mit Vorjahresbefall anbauen. Unkräuter oder andere befallene Nutzpflanzen in der Nähe von Gewächshäusern mit Gurken beseitigen (Herren et al. 2025).
- Reflektierende Mulchfolien halten zu Beginn der Saison Blattläuse davon ab, sich auf Kürbisgewächsen niederzulassen (Keinath et al. 2017).
- Resistente oder tolerante Sorten anbauen (Herren et al. 2025)
- CMV kann nicht mit dem Saatgut von Kürbisgewächsen übertragen werden (Keinath et al. 2017), andere Viren (z. B. das Grünscheckungsvirus, CGMMV) aber schon. Wenn Setzlinge verwendet werden, nur solche pflanzen die frei von Viren und Blattläusen sind.
- Das Entfernen und Entsorgen befallener Pflanzen zu Beginn der Saison (z. B. innerhalb von 30 Tagen nach der Aussaat) kann sehr wirksam sein, da dadurch sekundäre Infektionsquellen beseitigt werden.
- Entwicklung der Blattläuse überwachen und bei Befall Massnahmen ergreifen.
- Allgemeine Hygienemassnahmen: Hände und Werkzeuge desinfizieren.
Literatur
Bovey R, Baggiolini M, Bolay A, Bovay E, Corbaz R, Mathys G, Meylan A, Murbach R, Pelet F, Savary A, Trivelli G, 1979. La défense des plantes cultivées. Éditions Payot Lausanne: 864 p.
Crüger G, Backhaus GF, Hommes M, Smolka S, 2002. Pflanzenschutz im Gemüsebau. 4.
Herren, P. et al. (2025). Pflanzenschutzempfehlungen für den Biogemüsebau. Forschungsinstitut für biologischen Landbau FiBL, Frick. shop.fibl.org
Keinath AP, Wintermantel WW, Zitter TA, 2017. Compendium of Cucurbit Diseases and Pests. Second edition. The American Phytopathological Society, St. Paul Minnesota: 127 p.
Koike ST, Gladders P, Paulus AO, 2007. Vegetable Diseases. A colour Handbook. Manson Publishing Ltd., 448 p.
Scholthof KG, Adkins S, Czosnek H, Palukaitis P, Jacqot E, Hohn T, Hohn B, Saunders K, Candresse T, Ahlquist P, Hemenway C, Foster GD, 2011. Top 10 plant viruses in molecular plant pathology (review). Molecular Plant Pathology 12(9), 938–954.
Vieweger A, Hauenstein S, Koller M, 2023. Pflanzenschutz im Biogemüsebau: Krankheits- und Schädlingsregulierung im Freilandanbau. Merkblatt Nr. 1145, Forschungsinstitut für biologischen Landbau FiBL, CH-5070 Frick: 28 S. (Link)


