Minierfliegen
mouche mineuse (franz.); leaf miner (engl.)
wissenschaftlicher Name: Liriomyza spp.
Taxonomie: Animalia, Arthropoda, Insecta, Diptera, Agromyzidae
In den letzten Jahren haben sich einige wenige Arten von Minierfliegen (Liriomyza spp.) weltweit zu gefährlichen Schädlingen von Kultur- und Zierpflanzen in Gewächshäusern entwickelt. Dazu zählen L. bryoniae, L. huidobrensis, L. sativae und L. trifolii. Alle vier Arten vermehren sich schnell und können eine Vielzahl verschiedener Wirtspflanzen befallen. Die Maden (Larven) der Minierfliegen fressen knapp unter der Blattoberfläche im Pflanzengewebe und verursachen durch ihren Frass gut sichtbare Gänge, die sogenannten Blattminen. Diese sind schlangenförmig gewunden oder gerade. Teilweise sind die Blattminen durch Blattadern begrenzt oder kreuzen diese. Im Gewächshaus können Minierfliegen durch die Ausbringung von Schlupfwespen (Diglyphus isaea oder Dacnusa sibirica) sehr gut unter der Schadschwelle gehalten werden.
Einleitung
Die zur Familie der Agromyzidae gehörenden Insekten sind kleine Fliegen, deren Larven sich von lebendem Pflanzengewebe ernähren. Sie werden häufig als Minierfliegen bezeichnet. Sie sind entweder wirtsspezifisch oder ernähren sich von einer kleinen Gruppe miteinander verwandter Pflanzen. Einige wenige Arten können sich von vielen verschiedenen Wirtspflanzen ernähren (sie sind polyphag) und sind in vielen Teilen der Welt zu Schädlingen in der Landwirtschaft und im Gartenbau geworden. Dazu gehören vier Arten der Gattung Liriomyza, die in verschiedenen Ländern als Quarantäneorganismen aufgeführt sind: L. bryoniae, L. huidobrensis, L. sativae und L. trifolii. Sie alle sind Schädlinge von Zier- und Gemüsepflanzen. Es ist äusserst schwierig, die vier Arten voneinander zu unterscheiden.
Neben der Familie der Agromyzidae können auch Minierfliegen anderer Familien der Zweiflügler (Ordnung Diptera) Kulturpflanzen schädigen, beispielsweise Anthomyiidae und Drosophilidae. Auch Miniermotten der Ordnung Lepidoptera können Blattminen verursachen. Bei Letzteren finden sich die Exkremente der Larven in der Mitte der Blattminen, während die Kotspur der Larven (Maden) der Agromyzidae am Rand der Minen verläuft.
Abb. 1. Gurkenblatt mit Miniergängen, verursacht durch Liriomyza-Arten
Schadbild und Schadwirkung
Die Weibchen der vier polyphagen Minierfliegen (Liriomyza bryoniae, L. huidobrensis, L. sativae und L. trifolii) verursachen mit ihrem Legebohrer Wunden, die als Futterstelle und als Eiablageorte dienen. Die Futterstellen der Liriomyza-Arten sind mit blossem Auge deutlich sichtbar. Sie sind kreisrund, haben in der Regel einen Durchmesser von etwa 0.2 mm (OEPP/EPPO 2022) und erscheinen als helle Flecken auf der Oberseite der Blätter. Sie sind in der Regel die ersten Anzeichen für das Vorhandensein von Liriomyza-Arten. Die Einstiche für die Eiablage sind in der Regel kleiner (0.05 mm) und gleichmässiger rund. Das Aussehen der Frass- und Eiablagepunkte unterscheidet sich zwischen den Liriomyza-Arten nicht und kann daher nicht zur Identifizierung der Arten herangezogen werden.
Die aus den Eiern schlüpfenden Larven (Maden) fressen knapp unter der Blattoberfläche im Pflanzengewebe (Palisadengewebe) und hinterlassen gut sichtbare Gänge, die sogenannten Blattminen (Abb. 1 und 2). Diese sind schlangenförmig gewunden oder gerade. Sie sind teilweise durch Blattadern begrenzt, können diese aber auch kreuzen. Eine Bestimmung der Minierfliegenart anhand der Minen ist jedoch nicht möglich (Kahrer und Gross 2002)
Am Rande der Mine kann oft eine schwarze Linie beobachtet werden, die aus Exkrementen der Agromyzidae-Larven besteht. Die Exkremente von Schmetterlingslarven (Miniermotten) befinden sich hingegen in der Mitte der Mine.
Schadwirkung: Minierfliegen reduzieren die Photosynthesefähigkeit der Pflanzen, verursachen Blattverluste und mindern deren ästhetischen Wert (Zierpflanzen).
Beschreibung der Schädlinge
Die etwa 0.25 mm langen, ovalen und weissen Eier der vier polyphagen Lyriomyza-Arten werden in das Blattgewebe gelegt.
Die Fliegenmaden (Larven) durchlaufen drei Larvenstadien, deren Länge von 0.5 mm bis 3.0 mm reicht (OEPP/EPPO 2022). Sie sind zylindrisch geformt und verjüngen sich nach vorne. Sie besitzen harte dunkel gefärbte Mundwerkzeuge. Die Maden von L. bryoniae und L. huidobrensis sind cremefarben, haben im letzten Larvenstadium jedoch einen gelb-orangefarbenen Fleck auf dem Rücken. Die Maden von L. sativae und L. trifolii sind nach dem Schlüpfen durchscheinend und später am gesamten Körper gelb-orange.
Die Puppe (eine Tönnchenpuppe) ist ein ovaler Zylinder von etwa 2 mm Größe, der gelblich bis braun gefärbt ist.
Die erwachsene Minierfliege ist eine kleine, gelb-schwarze Fliege mit einer Länge von etwa 1.5 mm, einem leuchtend gelben Scutellum, einem dreieckigen Fleck auf dem Thorax und einer Flügelspannweite von etwa 1.5 mm (Keinath et al. 2017). (siehe Wikipedia)
Die Flugfähigkeit der Minierfliegen ist eingeschränkt. Ihre grossräumige Verbreitung erfolgt wahrscheinlich durch den Transport von befallenem Pflanzenmaterial.
Die Identifizierung der Minierfliegenart anhand morphologischer Untersuchungen kann nur mit männlichen Exemplaren, insbesondere mithilfe der Genitalien, gemacht werden. Es gibt keine geeigneten Bestimmungsschlüssel für die Identifizierung anhand der Weibchen, der Eier, Larven oder Puppen.
Lebenszyklus
In der Regel schlüpfen die Männchen vor den Weibchen (OEPP/EPPO 2022). Die Paarung findet unmittelbar nach dem Schlüpfen der Weibchen statt. Während die Weibchen eine Woche oder länger leben können, beträgt die Lebensdauer der Männchen höchstens drei Tage. Die Weibchen stechen mit ihrem Legebohrer in die Blattoberhaut und verursachen so Wunden. Diese Einstiche dienen den Fliegen als Futterstellen und als Ort für die Eiablage. Die Männchen können die Blätter nicht anstechen. Sie ernähren sich deshalb von den von den Weibchen gemachten Futterstellen. Ein kleiner Teil dieser Einstichstellen wird als Eiablageort genutzt. Dabei wird ein einzelnes Ei in das Blattgewebe abgelegt. Aus den Eiern schlüpfen Fliegenmaden, die das Blattgewebe fressen. Es entstehen gut sichtbare, gewundene oder gerade Blattminen. Es gibt drei Larvenstadien, die sich alle innerhalb der Blätter ernähren. Je nach Temperatur dauert die Entwicklung der Maden insgesamt 7 bis 13 Tage.
Am Ende erreichen die Larven eine Grösse von 2 bis 3 mm und verlassen die Blätter. Sie lassen sich auf den Boden fallen und verpuppen sich knapp unter der Bodenoberfläche oder in Ernterückständen.
Unter günstigen klimatischen Bedingungen und bei Vorhandensein von Wirtspflanzen sind Liriomyza-Arten in der Lage, mehrere sich überschneidende Generationen pro Jahr zu produzieren.
Epidemiologie
Die vier polyphagen Liriomyza-Arten kommen nördlich der Alpen in der Regel nur in geheizten Gewächshäusern vor, da sie nicht kälteresistent sind und den Winter im Freien deshalb nicht überleben würden.
Verbreitung und Wirtsspektrum (OEPP/EPPO 2022)
Liriomyza bryoniae (Kaltenbach) (engl. tomato leafminer) kommt in ganz Europa und Asien sowie Nordafrika vor. Diese Minierfliege ist sehr polyphag und wurde bei 16 Pflanzenfamilien nachgewiesen. Sie schädigt Nachtschattengewächse (Tomaten), Kürbisgewächse (Gurken) sowie von im Gewächshaus angebaute Korbblütler (Salate) und Schmetterlingsblütler (Bohnen).
Liriomyza huidobrensis (Blanchard) (engl. serpentine leaf miner) stammt vermutlich aus Südamerika und hat sich mittlerweile in weiten Teilen der Welt verbreitet, darunter in Nordamerika, Europa, Afrika, Asien und im Pazifikraum. L. huidobrensis ist ebenfalls sehr polyphag und wurde bei 15 Pflanzenfamilien nachgewiesen. Die wichtigsten Wirtsfamilien sind: Doldengewächse, Korbblütler, Kreuzblütler, Kürbisgewächse, Schmetterlingsblütler und Nachtschattengewächse.
Liriomyza sativae (Blanchard) (engl. vegetable leaf miner) stammt ursprünglich aus Nord-, Mittel- und Südamerika. Dieser Schädling hat sich mittlerweile in vielen Teilen Asiens, Afrikas, Australiens und des Pazifiks verbreitet, jedoch nicht in Europa. Es handelt sich um einen weiteren stark polyphagen Schädling vieler Gemüse- und Zierpflanzenkulturen. Er wurde in neun Pflanzenfamilien nachgewiesen, kommt jedoch hauptsächlich auf Wirtspflanzen der Kürbisgewächse, der Schmetterlingsblütler und der Nachtschattengewächse vor.
Liriomyza trifolii (Burgess) (engl. American serpentine leaf miner) stammt ebenfalls ursprünglich aus Nord-, Mittel- und Südamerika, hat sich in weiten Teilen Europas, Afrikas, Asiens und des Pazifikraums verbreitet. Auch diese Art ist sehr polyphag und wurde auf 25 Pflanzenfamilien nachgewiesen. Zu den wirtschaftlich wichtigsten Kulturen, die sie befällt, zählen Doldengewächse (Sellerie), Korbblütler (Salat), Schmetterlingsblütler (Bohnen), Kürbisgewächse (Gurken) Liliengewächse (Zwiebeln) und Nachtschattengewächse (Kartoffeln und Tomaten).
Vorbeugende Massnahmen und Bekämpfung
- Allgemeine Hygieneregeln befolgen
- Blätter regelmässig auf Miniergänge kontrollieren und befallene Blätter von Einzelpflanzen entfernen oder die Made zerdrücken.
- Flugüberwachung der Minierfliegen mit gelben Klebefallen. Diese waagrecht am Fuss oder auf halber Höhe der Pflanzen aufhängen (Pflanzenschutzempfehlung für den Biogemüsebau).
- Bei Befall: Schlupfwespen (Diglyphus isaea oder Dacnusa sibirica) ausbringen (z.B. Andermatt Biocontrol)
- Bei sehr starkem Befall ist eine Behandlung mit z.B. NeeemAzal oder Spinosad möglich.
- Ein direkter Pflanzenschutz schwächt die Nützlingspopulation und sollte nur durchgeführt werden, wenn andere Massnahmen keine ausreichende Wirkung zeigen.
Zugelassene Pflanzenschutzmittel zum Schutz von Gurken gegen Minierfliegen (Lyriomyza-Arten) finden sie für die Schweiz im Pflanzenschutzmittelverzeichnis des BLV, für Deutschland in der online Datenbank Pflanzenschutzmittel des BVL und für Österreich im Pflanzenschutzmittelregister des BAES.
Literatur
Bedlan G, Kahrer A, 2002. Wichtige Krankheiten und Schädlinge im Gemüsebau. Verlag Jugend & Volk GmbH, Wien: 248 S.
Kahrer A, Gross M, 2002. Gemüseschädlinge. Österreichischer Agrarverlag, Leopoldsdorf: 205 S.
Keinath AP, Wintermantel WW, Zitter TA, 2017. Compendium of Cucurbit Diseases and Pests. Second edition. The American Phytopathological Society, St. Paul Minnesota: 127 p.
OEPP/EPPO, 2022. Liriomyza spp. PM 7/53 (2). EPPO Bull, 52: 326-345..


