Eckige Blattfleckenkrankheit
Tache angulaire du concombre (franz.); angular leaf spot (engl.)
Wissenschaftlicher Name: Pseudomonas syringae pv. lachrymans (Smith & Bryan) Young, Dye & Wilkie
Synonym: Pseudomonas lachrymans (Smith & Bryan) Carsner
Taxonomie: Bacteria, Protobacteria, Gammaproteobacteria, Pseudomonadales, Pseudomonadaceae
Der Erreger der Eckigen Blattfleckenkrankheit (Pseudomonas syringae pv. lachrymans) ist ein Bakterium, das vor allem im Freiland Kürbisgewächse befällt. Die Bakterien werden mit dem Saatgut übertragen und können im Boden auf befallenen Ernterückständen bis zu zwei Jahre lang überleben. Die Bakterien werden durch Regenspritzer, Überkopfbewässerung oder landwirtschaftliche Maschinen von Pflanze zu Pflanze übertragen. Sie dringen über natürliche Öffnungen oder Verletzungen in das Blattgewebe ein und vermehren sich zwischen den Pflanzenzellen. Der Krankheitserreger verursacht zunächst gelblich bis braune Blattflecken, die eine eckige Form annehmen, da ihre Ränder durch die Blattadern begrenzt werden. Bei feuchter Witterung bilden sich an der Blattunterseite der Blattflecken kleine Tröpfchen aus Bakterien. Als vorbeugende Massnahme wird eine Fruchtfolge mit einer dreijährigen Anbaupause von Kürbisgewächsen sowie die Verwendung von gesundem Saatgut empfohlen. Darüber hinaus ist eine Furchen- oder Tröpfchenbewässerung sinnvoll.
Abb. 1. Eckige Blattfleckenkrankheit an Kürbis (Pseudomonas syringae pv. lachrymans)
Abb. 2. Eckige Blattfleckenkrankheit an Kürbis: Die Flecken sind von Blattadern begrenzt.
Schadbild
Die ersten Symptome sind kleine, runde oder unregelmässig geformte, zunächst wässrige, später gelbliche bis braune Flecken auf den Blättern (Koike et al. 2007). Diese können auch an Blattstielen, Stängeln und Früchten auftreten (Abb. 1 und 3). Wenn die Flecken wachsen, nehmen sie eine eckige Form an, da ihre Ränder durch die Blattadern begrenzt werden Abb. 2 und 3) . Bei anfälligen Sorten haben die Flecken oft gelbe Ränder (Keinath et al. 2017). Mit zunehmendem Alter trocknen die Flecken aus, reissen oft ein und fallen heraus.
Bei feuchter Witterung bilden sich auf den Blattflecken kleine Bakterientröpfchen, die aus dem Blattgewebe austreten und wie eine «Träne» (lateinisch lacrima) aussehen. Dieser Bakterienschleim trocknet ein und bildet eine dünne, weisse Kruste auf oder neben den Blattflecken (Abb. 3).
Frühe Symptome von Infektionen an den Früchten erscheinen als kleine (1 bis 5 mm Durchmesser), kreisförmige, weiche Stellen, die zunächst wässrig später braun sind und oft ein hellbraunes Zentrum haben. Manchmal sammeln sich auch hier Bakterientröpfchen. Die Fruchtfäule kann tief eindringen, eine innere Fäule verursachen und die Samen infizieren (Crüger et al. 2002). Zusammen mit sekundären Fäulniserregern (bakterielle Weichfäule, Pectobacterium carotovorum = Erwinia carotovorum) führt dies zu unverkäuflichen Früchten.
Beschreibung des Krankheitserregers
Der Erreger der Eckigen Blattfleckenkrankheit (Pseudomonas syringae pv. lachrymans) ist ein aerobes, gramnegatives, nicht sporenbildendes Bakterium mit einer Grösse von 0.8 x 1-2 µm (Keinath et al. 2017). Es verfügt über ein bis fünf polare Geisseln und kann sich deshalb im Wasser bewegen.
P. syringae pv. lachrymans unterscheidet sich von anderen Pathovaren von Pseudomonas syringae vor allem durch sein Wirtsspektrum, das auf Kürbisgewächse beschränkt ist.
Lebenszyklus
P. syringae pv. lachrymans wird über die Samen übertragen, so dass bereits bei der Keimung die Keimblätter der Sämlinge infiziert werden. Die Bakterien können aber auch im Boden auf befallenen Ernterückständen bis zu zwei Jahre lang überleben (Koike et al. 2007).
Der Krankheitserreger wird durch Regenspritzer oder Überkopfbewässerung (Sprinklerbewässerung) von Pflanze zu Pflanze übertragen. Auch Arbeiter, Insekten oder landwirtschaftliche Maschinen können ihn verbreiten.
Die Bakterien dringen über Spaltöffnungen (Stomata) und Wasserspalten (Hydathoden) an den Blatträndern sowie über kleine Verletzungen in das Blattgewebe ein und vermehren sich zwischen den Pflanzenzellen (Bedlan und Kahrer 2002).
Warme, feuchte Bedingungen begünstigen die Entwicklung der Krankheit. Die optimalen Temperaturen hierfür liegen bei 24-28 °C, obwohl der Erreger auch bei höheren Temperaturen (36 °C) überleben kann (Koike et al. 2007).
Wirtsspektrum
Pseudomonas syringae pv. lachrymans befällt Kürbisgewächse (Cucurbitaceae)
Vorbeugende Massnahmen und Bekämpfung
- Einhaltung einer Fruchtfolge mit einer dreijährigen Anbaupause von Kürbisgewächsen (Schwarz et al. 1990).
- Resistente oder tolerante Sorten anbauen (sofern verfügbar) (Lohrer 2020)
- Verwendung von gesundem Saatgut, das frei von Pseudomonas syringae pv. lachrymans ist.
- Dichte Bestände vermeiden.
- Krankheitsverdächtige Pflanzen entfernen und entsorgen.
- Furchen- oder Tropfbewässerung verwenden, keine Überkopfbewässerung (Koike et al 2007)
- Feld- und Erntearbeiten nur bei trockenen Pflanzen durchführen.
- Erntereste von befallenen Pflanzen müssen entfernt und vernichtet werden.
- Direkte Bekämpfungsmassnahme: Kupferpräparate zeigen eine Teilwirkung (Bedlan und Kahrer 2002).
Literatur
Bedlan G, Kahrer A, 2002. Wichtige Krankheiten und Schädlinge im Gemüsebau. Verlag Jugend & Volk GmbH, Wien: 248 S.
Crüger G, Backhaus GF, Hommes M, Smolka S, 2002. Pflanzenschutz im Gemüsebau. 4.
Keinath AP, Wintermantel WW, Zitter TA, 2017. Compendium of Cucurbit Diseases and Pests. Second edition. The American Phytopathological Society, St. Paul Minnesota: 127 p.
Koike ST, Gladders P, Paulus AO, 2007. Vegetable Diseases. A colour Handbook. Manson Publishing Ltd., 448 p.
Lohrer T., 2020. Pflanzenschutz einfach von A bis Z. Eugen Ulmer KG, Stuttgart: 384 S.
Schwarz A, Etter J, Künzler R, Potter C, Rauchstein HR, 1990. Pflanzenschutz im integrierten Gemüsebau. Verlag Landwirtschaftliche Lehrmittelzentrale, 3052 Zollikofen, 321 S.


