Titelbild Pflanzenkrankheiten - Schädlinge

Pflanzenkrankheiten und Schädlinge

Falscher Mehltau (Pseudoperonospora cubensis)

Falscher Mehltau der Kürbisgewächse

Mildiou des cucurbitacées (franz.); downy mildew on cucurbits (engl.)

wissenschaftlicher Name: Pseudoperonospora cubensis (Berk. & Curtis) Rostow.

Taxonomie: Chromista, Peronosporomycetes (früher Oomycota / Oomycetes), Peronosporales, Peronosporaceae

Der Falsche Mehltau der Kürbisgewächse (Pseudoperonospora cubensis) verursacht auf der Blattoberseite eckige, gelbe bis braune Flecken, die von den Blattadern begrenzt werden. Früh morgens bilden sich auf der Blattunterseite dunkelviolette Sporen (Sporangien), die den Flecken ein flaumiges Aussehen verleihen. Für die Sporenbildung benötigt der Falsche Mehltau Dunkelheit und eine nahezu gesättigte relative Luftfeuchtigkeit über einen Zeitraum von mindestens 6 Stunden. Die Sporen können nur keimen, wenn die Blätter mindestens 2 Stunden lang nass sind. Um dies zu verhindern, wird eine gute Durchlüftung der Gurkenbestände sowie die Vermeidung nächtlicher Taubildung in den Gewächshäusern durch Heizen und Lüften empfohlen.

Falscher Mehltau (Pseudoperonospora cubensis) der GurkeAbb. 1. Falscher Mehltau (Pseudoperonospora cubensis) an Gurken: Blattflecken sind von den Blattadern begrenzt.

Falscher Mehltau (Pseudoperonospora cubensis) an GurkenAbb. 2. Falscher Mehltau von Gurken (P. cubensis): Sporenbildung an der Blattunterseite

Schadbild und Schadwirkung

Die ersten Symptome zeigen sich auf der Blattoberseite in Form kleiner, hellgrüner, eckiger Flecken, die durch Blattadern begrenzt sind (Abb. 1 und 3). Diese frühen Symptome verleihen dem Blatt ein mosaikartiges oder fleckiges Aussehen. Mit der Zeit verfärbt sich das Gewebe der Flecken braun bis grau und stirbt ab. Die Flecken können sich ausbreiten und miteinander verschmelzen. Innerhalb weniger Tage führt dies zum Schrumpfen und Absterben grosser Bereiche der Blätter, vor allem vom Blattrand aus.
Bei günstigen Umweltbedingungen kommt es auf der Unterseite der befallenen Stellen zur Bildung von hellgrauen bis dunkelvioletten Sporen (Sporangien) (Abb. 2 und 4). Die Sporenbildung verleiht der Blattunterseite ein flaumiges (engl. downy) Aussehen.
Bei anderen Kürbisgewächsen können die Symptome in Form und Farbe leicht abweichen. So sind die Blattflecken bei Melonen und Wassermelonen beispielsweise weniger deutlich als bei Gurken und nicht immer durch Blattadern begrenzt (Savory et al. 2011).
Unabhängig von der Kürbisart werden die Krankheitssymptome zuerst an den älteren Blättern sichtbar und breiten sich dann innerhalb weniger Tage auf die jüngeren Blätter aus.
Schadwirkung: Wenn junge Pflanzen früh und stark befallen sind, kann der Falsche Mehltau zu Wachstumsstörungen oder zum Absterben der Blätter führen. Dies führt zum Stillstand der Fruchtentwicklung und letztendlich zu einer Beeinträchtigung des Ernteertrags und der Fruchtqualität. Ohne geeignete Massnahmen kann ein früher Befall innerhalb kurzer Zeit zur Vernichtung der Wirtspflanzen führen.

Abb. 3. Schadbild des Falschen Mehltaus von Gurken (P. cubensis): Blattoberseite, eckige von Battadern begrenzte Blattflecken

Abb. 4. Schadbild des Falschen Mehltaus von Gurken (P. cubensis): Sporenbildung an der Blatunterseite

Beschreibung des Krankheitserregers

Der Falsche Mehltau der Kürbisgewächse wird durch den obligaten Parasiten Pseudoperonospora cubensis verursacht, der spezifisch auf Kürbisgewächsen wächst (Koike et al. 2007). Pseudoperonospora-Arten bilden Sporangien, die mit Zoosporen keimen. Peronospora-Arten hingegen haben Sporangien, die direkt über einen Keimschlauch keimen (Savory et al. 2011).
Die verzweigten Sporangienträger (180-400 µm lang) treten aus den Spaltöffnungen (Stomata) auf der Unterseite infizierter Blätter hervor (Keinath et al. 2017). Die Sporangien entwickeln sich an den Spitzen der Sporangienträger. Sie sind grau-violett, eiförmig (20-40 x 14-25 µm gross) und dünnwandig mit einer Papille am distalen Ende. Die Sporangien keimen durch die Bildung von begeisselten Zoosporen (Durchmesser: 10-13 µm).
Dickwandige Oosporen, die sexuell entstehen und als Dauerspore dienen, werden hingegen nur selten gebildet. Sie haben einen Durchmesser von 22-42 µm (Koike et al. 2007).
Für P. cubensis wurden sechs verschiedene physiologische Rassen (Pathotypen) beschrieben, die jeweils bestimmte Kürbisgewächse als Wirtspflanzen nutzen können (Savory et al. 2011). Zudem gibt es Hinweise darauf, dass es in Europa noch viele weitere Pathotypen gibt.

Lebenszyklus

Der Krankheitserreger Pseudoperonospora cubensis ist ein obligat biotropher Parasit, der für seine Fortpflanzung und Ausbreitung lebendes Wirtsgewebe benötigt. In Gebieten mit starkem Frost kann er nicht im Freien überwintern. Stattdessen überwintert der Erreger in Gewächshäusern oder in Gebieten mit milden Wintertemperaturen, in denen Kürbisgewächse ganzjährig angebaut werden können (Keinath et al. 2017). Sporangien von P. cubensis können durch den Wind über grosse Entfernungen verbreitet werden. Es wird vermutet, dass Sporangien von P. cubensis aus Südosteuropa, wo ganzjährig Kürbisgewächse produziert werden, über Windströmungen nach Mitteleuropa transportiert werden (Savory et al. 2011). Oosporen werden dagegen sehr selten gebildet. Dies schränkt das Überleben von P. cubensis ohne lebende Wirtspflanzen stark ein. Derzeit ist nicht bekannt, ob Oosporen eine wichtige Rolle im Krankheitszyklus spielen.
Nach der Landung eines Sporangiums auf der Blattoberfläche keimen diese und setzen 2-15 bewegliche Zoosporen frei (Savory et al. 2011). Dies geschieht jedoch nur, wenn bei einer bestimmten Temperatur mindestens 2 Stunden lang freies Wasser auf den Blättern vorhanden ist. Die Zoosporen schwimmen zu den Spaltöffnungen (Stomata), wo sie sich einkapseln. Aus den eingekapselten Zoosporen bilden sich Keimschläuche, die Appressorien bilden. Aus diesen entwickeln sich anschliessend Penetrationshyphen, die durch die Spaltöffnungen in das Blattgewebe eindringen. Anschliessend bilden sich Infektionshyphen, die zwischen den Zellen des Palisadengewebes und des Mesophylls wachsen. Sie dringen in die Mesophyllzellen ein und bilden dort Haustorien ohne die Zellmembran zu zerstören. Diese spezialisierten Strukturen dienen der Nährstoffaufnahme durch den Krankheitserreger, ohne die Wirtszellen dabei abzutöten. Möglicherweise können hier auch Effektorproteine abgegeben werden, um den Stoffwechsel des Wirts umzuleiten und Abwehrreaktionen zu unterdrücken (Savory et al. 2011).
Die Inkubationszeit beträgt 4 bis 12 Tage und hängt sowohl von der Temperatur als auch von der Photoperiode ab.
Der Falsche Mehltau bildet auf der Blattunterseite reichlich asexuelle Sporangien, die bei einer Verringerung der relativen Luftfeuchtigkeit in den frühen Morgenstunden - in der Regel zwischen 8 und 11 Uhr morgens - in die Luft freigesetzt werden (Savory et al. 2011; Keinath et al. 2017). Diese werden vom Wind oder lokalen Luftströmungen zu weiteren Wirtspflanzen geweht und können dort als primäres oder sekundäres Inokulum dienen. Innerhalb eines Feldes können die Sporangien auch durch Regenspritzer oder durch Werkzeuge verbreitet werden.

Epidemiologie

Verbreitung der Sporangien durch den Wind: Das Überleben der Sporangien ist auf 1 bis 16 Tage begrenzt und hängt von der Temperatur, der relativen Luftfeuchtigkeit und der Sonneneinstrahlung ab (Savory et al. 2011).
Keimung der Sporangien: Sobald ein Sporangium auf einer Wirtspflanze landet, muss es so lange überleben, bis die Umweltbedingungen für eine Infektion günstig sind. Dies wird durch eine niedrige relative Luftfeuchtigkeit, tiefe Temperaturen und bewölkte Tage begünstigt. Sporangien keimen mit Zoosporen, wenn bei 20 bis 25 °C mindestens 2 Stunden lang freie Feuchtigkeit vorhanden ist (Savory et al. 2011). Sporangien können auch bei Temperaturen zwischen 5 bis 20 und 25 bis 28 °C keimen und Infektionen verursachen, hierfür sind jedoch längere Perioden mit Blattnässe erforderlich.
Symptomentwicklung: Die Entwicklung der Symptome ist abhängig von der Temperatur (Savory et al. 2011): Niedrige Temperaturen können die Entwicklung verzögern, während sie gleichzeitig die Besiedlung des Blattgewebes fördern. Höhere Temperaturen führen zu einer schnelleren Gelbverfärbung (Chlorose) der Blattflecken, was wiederum das Wachstum des Erregers hemmt.
Bildung der Sporangien: Die Bildung von Sporangien wird angeregt, wenn über einen Zeitraum von mindestens 6 Stunden eine nahezu gesättigte relative Luftfeuchtigkeit auftritt (Savory et al. 2011). Optimal für die Sporulation sind Temperaturen von 15 bis 20 °C, allerdings bilden sich auf Gurken auch bei Temperaturen von 5 bis 30 °C Sporangien. Ausserdem erfordert die Sporangienbildung eine Dunkelheitsdauer von mindestens 6 Stunden.

Wirtsspektrum

Pseudoperonospora cubensis hat ein breites Wirtsspektrum und befällt über 49 Arten in 20 Gattungen innerhalb der Familie der Kürbisgewächse (Cucurbitaceae). Die vier wichtigsten Nahrungspflanzen, die P. cubensis als Wirtspflanze dienen, sind: Gurke (Cucumis sativus), Melone (Cucumis melo), Wassermelone (Citrullus lanatus) und Kürbis / Zucchini (Cucurbita spp.).

Vorbeugende Massnahmen und Bekämpfung

  • Widerstandsfähige Sorten anbauen und gesunde Jungpflanzen verwenden (Kühne et al 2006).
  • Für eine gute Durchlüftung im Gurkenbestand sorgen, um eine längere Blattnässedauer zu verhindern. Dies kann beispielsweise durch vergrösserte Reihen- und Pflanzabstände sowie eine angepasste Stickstoffdüngung erreicht werden (Kühne et al. 2006).
  • In Gewächshäusern für die Gurkenproduktion muss die Dauer der freien Feuchtigkeit auf den Blättern auf maximal 5 Stunden reduziert werden. Eine nächtliche Taubildung kann durch Heizen, einschliesslich Belüftung nach Bedarf, vermieden werden (Crüger et al. 2002). Eine relative Luftfeuchtigkeit von über 80 % sollte vermieden werden. Wenn nötig, sollte bei offener Lüftung kurzzeitig geheizt werden (Herren et al. 2025).
  • Tropfbewässerung verwenden und die Bewässerung der Witterung anpassen (Herren et al. 2025)
  • Eine Behandlung mit Vacciplant (Wirkstoff Laminarin) kann die pflanzeneigenen Abwehrkräfte stärken (Stähler Suisse SA).
  • Die Bestände mindestens alle zwei Tage kontrollieren.
  • Beim Erscheinen der ersten Symptome befallene Blätter entfernen und entsorgen.
  • Anbau von Biogemüse: Behandlung mit Kupferpräparaten (Betriebsmittelliste für den biologischen Anbau in der Schweiz)
  • Zugelassene Pflanzenschutzmittel zum Schutz der Kürbisgewächse gegen den Falschen Mehltau (Pseudoperonospora cubensis) finden Sie für die Schweiz im Pflanzenschutzmittelverzeichnis des BLV; für Deutschland in der online Datenbank des BVL und für Österreich im Pflanzenschutzmittelregister des BAES.

Literatur

Crüger G, Backhaus GF, Hommes M, Smolka S, 2002. Pflanzenschutz im Gemüsebau. 4.

Herren, P. et al. (2025). Pflanzenschutzempfehlungen für den Biogemüsebau. Forschungsinstitut für biologischen Landbau FiBL, Frick. shop.fibl.org

Keinath AP, Wintermantel WW, Zitter TA, 2017. Compendium of Cucurbit Diseases and Pests. Second edition. The American Phytopathological Society, St. Paul Minnesota: 127 p.

Koike ST, Gladders P, Paulus AO, 2007. Vegetable Diseases. A colour Handbook. Manson Publishing Ltd., 448 p.

Kühne S, Burth U, Marx P, 2006. Biologischer Pflanzenschutz im Freiland. Eugen Ulmer KG, Stuttgart: 288 S.

Savory EA, Granke LL, Quesada-Ocampo LM, Verbanova M, Hausbeck MK, Day B, 2011. The cucurbit downy mildew pathogen. Molecular Plant Pathology 12(3), 217–226.