Apfelblütenstecher
Anthonome du pommier (franz.); apple blossom weevil (engl.)
wissenschaftlicher Name: Anthonomus pomorum L.
Taxonomie: Animalia, Arthropoda, Insecta, Coleoptera, Curculionidae
Der Apfelblütenstecher (Anthonomus pomorum) legt seine Eier einzeln in die Blütenknospen von Apfelbäumen. Aus diesen Eiern schlüpfen Larven, die sich von Staubbeuteln (Antheren) und Stempeln ernähren. Die Blütenblätter öffnen sich nicht, verfärben sich rotbraun und trocknen schliesslich ein. Die Verpuppung findet im Inneren der geschlossenen Blüte statt. Anfang Juni schlüpfen die Käfer und verlassen die vertrockneten Blütenknospen. Anschliessend fressen die Käfer noch einige Zeit an der Unterseite der Blätter, bevor sie einen geeigneten Ort für die Überwinterung suchen. Die Apfelblütenstecher bilden nur eine Generation pro Jahr. Ein geringer Befall bei gleichzeitig gutem Blütenansatz kann toleriert werden und ist hilfreich bei der Fruchtausdünnung.
Abb. 1. Schadsymptome des Apfelblütenstechers (Anthonomus pomorum): Die Blütenblätter vertrocknen und bilden eine rotbraune Kappe
Schadbild
Gegen Ende der Blüte werden die Schadsymptome an Apfelbäumen, selten auch an Birnen, sichtbar. Die befallenen Blütenknospen öffnen sich nicht und die Blütenblätter vertrocknen, so dass sich eine rotbraune Kappe entwickelt (Abb. 1 und 2). Im Inneren befindet sich zunächst eine gelb-weisse, beinlose Larve und später eine gelbliche Puppe (Abb. 2).
Schädling
Der erwachsene Apfelblütenstecher ist ein 3.4 bis 6 mm grosser Rüsselkäfer (Abb. 3) (Sutton et al. 2014, Zahradnik et al. 1985). Sein Kopf ist um einen dünnen, nach unten gebogenen Rüssel verlängert. An diesem setzen dunkle, gekniete und gekeulte Fühler an. Der Halsschild ist schmaler als die Basis der Flügeldecken. Er hat ein helles Mittelband sowie undeutliche Seitenbänder. Der Käfer ist grundsätzlich schwarzbraun oder schwarz gefärbt und weist eine weissgraue und braune Schuppenzeichnung auf. Auf den Flügeldecken ist in der hinteren Hälfte ein nach vorn geöffnetes V aus weissen und braunen Schuppen sichtbar. Zwischen Halsschild und Flügeldecken befindet sich ein auffälliger weisser Fleck, das so genannte Schildchen. Die Männchen sind kleiner, schlanker und haben einen kürzeren Rüssel als die Weibchen.
Die Eier sind oval und durchscheinend weiss.
Die Larven haben keine Beine. Sie sind 6-10 mm lang, weiss bis gelblich und haben eine schwarze Kopfkapsel (Abb. 2).
Die weiss-gelbliche Puppe ist 4-4.5 mm lang. Bereits die Form der Puppen lässt den Körper des Käfers erkennen (Abb. 2).
Abb. 3. Apfelblütenstecher (Anthonomus pomorum)
Lebenszyklus
Der Apfelblütenstecher überwintert als Käfer in Obstanlagen, beispielsweise unter der Laubstreu, in Rindenrissen oder an anderen geschützten Stellen. Oft überwintert er auch in benachbarten Hecken oder Wäldern.
Bei einer mittleren Tagestemperatur von 7-9 °C im Frühjahr (Sutton et al. 2014) verlässt der Käfer sein Winterquartier und fliegt in die Obstanlage. Die Käfer fressen an den schwellenden Knospen. Dies ist vor allem für die Weibchen sehr wichtig, da sie 8-10 Tage lang Futter benötigen, um fortpflanzungsreif zu werden. Durch diesen Reifungsfrass wird bereits ein grosser Teil der Blütenanlagen zerstört.
Nach der Paarung legt das Weibchen 30-50 Eier einzeln in je eine Blütenknospe ab. Zu diesem Zweck frisst das Weibchen ein Loch in eine sich im Mausohr-Stadium befindende Blütenknospe (Stadium kurz vor dem Knospenausbruch). Aus dem Ei schlüpft eine Larve, die sich von den Staubbeuteln (Antheren) und dem Stempel ernährt. Die Larve frisst auch an der Innenseite der Kronblätter, wodurch die Entwicklung der Blütenblätter gestoppt wird. Diese vertrocknen und bilden die charakteristische rotbraune Kappe anstelle der Blüte.
Zwei bis vier Wochen später verpuppen sich die Larven im Inneren der Blüte. Nach weiteren acht Tagen schlüpfen die Käfer und verlassen die vertrocknete Blütenknospe (Anfang Juni). Sie fressen noch einige Zeit an der Unterseite der Blätter und suchen dann einen geeigneten Ort für die Überwinterung.
Der Apfelblütenstecher bildet nur eine Generation pro Jahr.
Epidemiologie
Nach Sutton et al. (2014) beginnt der Masseneinflug der Käfer in die Obstanlage bei 166 ± 19 Gradtagen (kumulierte mittlere Tagestemperaturen über 0 °C ab dem 1. Februar).
Kaltes Frühjahrswetter hemmt die Entwicklung der Blütenknospen und das Öffnen der Blüte verzögert sich. Dies ist wiederum günstig für die Entwicklung des Apfelblütenstechers, da die Larve so mehr Zeit hat, das Innere der Blüte zu zerstören. Öffnet sich die Blüte nämlich zu früh, gehen die Eier und Larven zugrunde.
Wirtsspektrum
An Apfel (Malus x domestica) und anderen Malus-Arten sowie an Birne (Pyrus communis)
Vorbeugende Massnahmen und Bekämpfung
- Obstanlagen in der Nähe von Wäldern sind besonders gefährdet.
- Visuelle Kontrollen der Blütenknospen auf Frassstellen durchführen
- Schadschwellen bei der Kontrolle vor der Blüte: 10-40 Käfer pro 100 geklopfte Äste (ein Ast pro Baum) oder 10-15 befallene Einzelblüten von 100 Blütenbüscheln (Pflanzenschutzempfehlungen für den Erwerbsobstbau)
- Bei gutem Blütenansatz kann ein mässiger Befall toleriert werden, da dieser bei der Fruchtausdünnung hilft. Es ist keine Beeinträchtigung der Ernte zu erwarten.
- Singvögel können zur Verminderung des Schädlings beitragen. Das Aufhängen von Nistkästen ist deshalb eine wertvolle Massnahme zur Regulierung des Schädlings (Kühne et al. 2006).
- Eine Bekämpfung mit Insektiziden ist selten nötig. Eine allfällige Behandlung muss vor der Eiablage durch die Käfer erfolgen. Zugelassene Pflanzenschutzmittel gegen den Apfelblütenstecher finden sie für die Schweiz unter Agroscope und Pflanzenschutzmittelverzeichnis des BLV; für Deutschland in der online Datenbank des BVL und für Österreich im Pflanzenschutzmittelregister des BAES.
Literatur
Kühne S, Burth U, Marx P, 2006. Biologischer Pflanzenschutz im Freiland. Eugen Ulmer KG, 288 S.
Sutton TB, Aldwinckle HS, Agnello AM, Walgenbach JF, 2014. Compendium of Apple and Pear Diseases and Pests. Second edition, St. Paul, Minn. The American Phytopathological Society, 218 p.
Zahradnik J, Jung I, Jung D, et al., 1985. Käfer Mittel- und Nordwesteuropas. Parey, Berlin, 498 S.


