Rosenrost

rouille du rosier (franz.); rust of roses (engl.)

wissenschaftliche Namen: Phragmidium mucronatum (Pers.) Schltdl., P. tuberculatum Jul. Müll.

Taxonomie: Fungi, Basidiomycota, Pucciniomycetes, Pucciniales, Phragmidiaceae

Phragmidium mucronatum und P. tuberculatum sind die beiden häufigsten Rostpilze an Kulturrosen. Beide Arten durchlaufen einen vollständigen Lebenszyklus ohne Wirtswechsel. Rosenrost bildet im Sommer auf der Blattunterseite rötlich-orangefarbene Sporenlager, die im Herbst schwarz werden. Die Krankheit kann zu einer starken Entlaubung führen. Die Entwicklung des Rosenrosts wird durch kühle Temperaturen und hohe Luftfeuchtigkeit gefördert. Als vorbeugende Massnahme wird empfohlen, infizierte Blatter zu entfernen und infiziertes Pflanzenmaterial abzuschneiden.

Rosenrost (Phragmidium sp.)Abb. 1. Rötlich-orangefarbene Uredolager und schwarze Teleutolager des Rosenrosts (Phragmidium sp.) auf der Blattunterseite

Abb. 2. Schadbild des Rosenrosts: Blattoberseite (Bild 1 bis 2), Uredo- und Teleutolager (Bild 3 bis 6); Spermogonien (Bild 7 und 8), Aecidien (Bild 9)

Schadbild

Im Frühjahr erscheinen auf den Blattoberseiten kleine, glänzende, orangerote Flecken, die Spermogonien (Abb. 2). Auf der Blattunterseite sind kurz darauf ebenfalls leuchtend orange Flecken zu sehen. Auf letzteren entstehen becherförmige Fruchtkörper (Aecidien) gefüllt mit pulverförmigen Sporen (Aecidiosporen). Aecidien können auch an anderen Pflanzenorganen auftreten.
Im Sommer wachsen auf der Blattunterseite und auf den Blattstielen sehr kleine, rötlich-orangefarbene Sporenlager (Pusteln/Uredolager), die aus pulverförmigen Massen von leuchtend gelb-orangen Sporen (Uredosporen) bestehen (Abb. 1 und 2). Von der Blattoberseite aus betrachtet, erscheinen die Uredolager als gelb-orange-braune Flecken (Abb. 2). Die Blätter werden durch die in den Pusteln gebildeten Uredosporen immer wieder neu infiziert. Stark befallene Blätter welken, verdorren und fallen ab. Auch junge Triebe werden befallen.
Im Spätsommer oder Frühherbst werden in neuen Pusteln massenhaft schwarze Sporen (Teleutosporen) auf den Blättern und Stängeln gebildet oder sie ersetzen allmählich die orangefarbenen Uredosporen in den alten Pusteln.

Abb. 3. Uredo- und Teleutosporen des Rosenrosts

Pathogen

P. mucronatum und P. tuberculatum sind die beiden häufigsten Rostpilze an Kulturrosen. Beide Arten durchlaufen einen vollständigen Lebenszyklus mit fünf verschiedenen Sporenformen: Spermatien (werden in Spermogonien gebildet), Aecidiosporen (in Aecidien), Uredosporen (in Uredopusteln/Uredolagern), Teleutosporen (in Teleutolagern) und Basidiosporen (auf den Basidien). Rosenrost bildet alle fünf Sporenformen auf dem gleichen Wirt, der Rose (nicht wirtswechselnd: autözischer Rost).
P. mucronatum und P. tuberculatum sind sehr ähnlich. Nach Horst und Cloyd (2007) haben die Teleutosporen von P. mucronatum 5-9 Zellen, diejenigen der P. tubercultum nur 3 - 5.
Die Teleutosporen sind gestielt, haben am Sporenende eine lange Spitze und eine warzige Oberfläche (Abb. 3).
In den Uredolagern wachsen neben Uredosporen auch charakteristische, gebogene Paraphysen (Abb. 3).

Lebenszyklus

Der Rosenrost ist ein Rostpilz mit vollständigem Lebenszyklus und ohne Wirtswechsel. Im Frühjahr keimen die dickwandigen, schwarzen Teleutosporen, die in schwarzen Pusteln (Sporenlagern) auf abgestorbenen Blättern und Stängeln überwintert haben und bilden Basidien mit Basidiosporen (Anonymous, 1989). Letztere werden durch die Luftströmung fortgetragen und infizieren junge Rosenblätter und -stängel. Innerhalb des Rosengewebes entwickeln sich Pilzhyphen und später Spermogonien, die im Frühjahr winzige, orange-rote, kreisförmige Flecken auf den Blattoberseiten bilden. Die Spermogonien bilden Spermatien und Empfängnishyphen. Sobald ein Spermatium auf eine Empfängnishyphe eines kompatiblen Spermogoniums trifft, kommt es zur Befruchtung.
Nach der Befruchtung erscheinen auf der Blattunterseite innerhalb weniger Tage die becherartigen Aecidien, die zahlreiche orangefarbene Aecidiosporen in die Luft entlassen. Wenn diese Sporen auf einem Blatt einer Wirtspflanze landen und die Bedingungen für eine Infektion günstig sind, bilden die Sporen einen Keimschlauch, der das Blatt infiziert. Das sich entwickelnde Myzel erzeugt im Sommer auf den Unterseiten der Blätter die grossen, rötlich-orangenen Uredolager mit den Uredosporen. Die Uredosporen werden mit dem Wind auf andere Rosenblätter, grüne Stängel und Früchte getragen. Sie keimen und infizieren die Rosen hauptsächlich über Spaltöffnungen auf der Unterseite der Blätter. Neue Pusteln erscheinen innerhalb von10 bis 14 Tagen. Während des Sommers werden so massenhaft Uredosporen gebildet, die wiederum neue Rosen infizieren können.
Im Spätsommer und Herbst verdrängen die schwarzen Teleutosporen die leuchtend orangefarbenen Uredosporen und schliessen so den Krankheitszyklus ab.
In milden Wintern kann das Myzel, das die Aecidien und Aecidiosporen produziert, in den Stängeln infizierter Rosen ganzjährig am Leben bleiben. Es gibt also zwei Quellen für die Primärinfektion im Frühjahr: die Teleutosporen, die auf abgestorbenen Rosenblättern überwintert haben und die Aecidiosporen, die vom mehrjährigen Myzel in den Stängeln gebildet werden.

Epidemiologie

Die Keimung der Rostsporen findet nur statt, wenn die Oberfläche der Pflanze mindestens zwei bis vier Stunden lang kontinuierlich feucht bleibt (durch Regen, Nebel oder Tau) und die Temperatur günstig ist (6 °C bis ca. 27 °C). Uredosporen bleiben bei 27 °C nur 1 Woche lang lebensfähig (Horst und Cloyd, 2007).

Wirtsspektrum

Es werden nur Arten der Gattung Rosa befallen.

Vorbeugende Massnahmen und Bekämpfung

  • Nur qualitativ hochwertige, krankheitsfreie Pflanzen aus einer seriösen Baumschule pflanzen.
  • Rosensorten unterscheiden sich stark in ihrer Resistenz gegen den Rosenrost (link)
  • Entfernen und vernichten von infizierten Blättern, sobald sie während der Wachstumsperiode erscheinen.
  • Im Herbst alte infizierte Blätter entfernen und vernichten, sowohl solche, die noch an den Stängeln hängen, als auch solche, die auf dem Boden liegen. Alle infizierten Rosenstöcke im Herbst und im zeitigen Frühjahr schneiden, bevor neue Blätter erscheinen. Infizierte Pflanzenteile vernichten. Diese Massnahme eliminiert weitgehend das Überwinterungsstadium des Rostpilzes.
  • Wilde oder ungepflegte Rosen in der Nähe entfernen. Diese Pflanzen können als Infektionsquelle für Zierrosen dienen.
  • In Gewächshäusern für ausreichende Belüftung und Wärme sorgen, um Kondensation von Wasser auf den Blättern und Stängeln zu verhindern. Überkopfbewässerung und das Spritzen des Laubes vermeiden, besonders am späten Nachmittag oder Abend.
  • Fenicur (ätherisches Öl aus Fenchelsamen) vorbeugend und in regelmässigen Abständen spritzen (Andermatt Biocontrol AG)
  • Im Handel sind verschiedene Pflanzenschutzmittel gegen Rosenrost erhältlich.

Literatur

Anonymous, 1989. Common rust on roses. University of Illinois Extension, Report on plant disease No 630. (Link)

Horst RK, Cloyd RA, 2007. Compendium of Rose Diseases and Pests. Second edition. The American Phytopathological Society: 83 S.

 

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