Einbindiger und Bekreuzter Traubenwickler

Einbindiger Traubenwickler:
Cochylis (franz.); grape bud moth, vine moth or grape cochylis (engl.)
Wissenschaftlicher Name: Eupoecilia ambiguella (Hübner)

Bekreuzter Traubenwickler:
Eudémis (franz.): vine moth or grape moth (engl.)
Wissenschaftlicher Name: Lobesia botrana (Denis & Schiffermüller)

Taxonomie: Animalia, Arthropoda, Insecta, Lepidoptera, Tortricidae

Zu den Traubenwicklern zählen zwei Schmetterlingsarten, die oft zusammen auftreten: Der Einbindige Traubenwickler (Eupoecilia ambiguella) und der Bekreuzte Traubenwickler (Lobesia botrana). Die Raupen der ersten Generation (Heuwurm) fressen an den Blütenknospen und bilden in den Gescheinen ein Gespinst, das ihnen Schutz gibt. Im Sommer dringen die Raupen der zweiten Generation (Sauerwurm) in eine oder mehrere Beeren ein, um im Inneren der Früchte zu fressen. Die ausgefressenen Beeren sind durch ein Gespinst miteinander verbunden. Später werden die befallenen Beeren braun, trocknen aus oder verfaulen. Die Schädigung der Beerenhaut durch den Traubenwickler erhöht die Gefahr eines Befalls der Trauben durch die Graufäule (Botrytis cinerea). Die Verwirrtechnik mit Pheromonen kann den Traubenwickler unter der Schadschwelle halten. Dabei werden in den Rebbergen grosse Mengen an spezifischen Sexuallockstoffen freigesetzt, so dass die Männchen die Weibchen nicht mehr finden und sich nicht paaren können.

Bekreuzter Traubenwickler, Heuwurm (Lobesia botrana)Abb. 1. Raupe (Heuwurm) des Bekreuzten Traubenwicklers (Lobesia botrana)

Verbreitung der Traubenwickler

Der Einbindige Traubenwickler ist ein altbekannter Schädling der Weintrauben. Wegen seiner Schäden an den Trauben war er einer der ersten Schädlinge, die im Weinbau bekämpft wurden. In Europa ist der Einbindige Traubenwickler von der Mittelmeerküste bis Südskandinavien und von den Britischen Inseln bis Russland verbreitet (Linder et al., 2016). Er bevorzugt relativ kühle und feuchte Klimazonen. In Schweizer Weinbergen war er früher die vorherrschende Art, mit Ausnahme des Wallis und des Tessins.
Im Gegensatz zum Einbindigen Traubenwickler hat sich der Bekreuzte Traubenwickler erst später an europäische Weinberge angepasst. In der Schweiz wurde der erste Schaden erst 1910 gemeldet, obwohl er bereits vor 1880 im Wallis erwähnt wurde. Das Verbreitungsgebiet des Bekreuzte Traubenwickler ist begrenzter und umfasst alle Weinberge Süd- und Mitteleuropas. Er bevorzugt heisse und trockene Regionen. In der Schweiz war er früher nur in bestimmten Regionen des Wallis und des Tessins vorherrschend. Heutzutage kann er allein oder in Verbindung mit dem Einbindigen Traubenwickler in den meisten Weinbergen beobachtet werden. Je nach den Wetterbedingungen des Jahres kann die eine oder die andere Art vorherrschen.

Abb. 2. Heuwurm: Die Raupe des Bekreuzten Traubenwicklers (Lobesia botrana) der 1. Generation frisst die Blütenknospen.

Abb. 3. Sauerwurm: Die Raupe des Bekreuzten Traubenwicklers (Lobesia botrana) der 2. Generation frisst in den Beeren.

Symptome und Schadwirkung

Beide Traubenwickler befallen alle Entwicklungsstadien der Gescheine (Blütenstand der Reben). Im Frühjahr dringen die Raupen der ersten Generation (Heuwurm) in die Blütenknospen ein und höhlen sie aus. Sie verweben Blütenknospen mit Seidenfäden zu einem Gespinst, das ihnen in den Trauben Schutz gibt vor Räubern, Parasitoiden, Kälte und Pflanzenschutzmitteln. Die Larven dringen auch in die Stiele ein, die dann austrocknen. In diesem Stadium verursachen die Traubenwickler in der Regel keinen wirtschaftlich bedeutenden Schaden.
Im Sommer (Ende Juli bis Anfang August) dringen die Raupen der zweiten Generation (Sauerwurm) in eine oder mehrere Traubenbeeren ein, um im Inneren zu fressen. Im Durchschnitt befällt eine Raupe zwei bis vier Beeren. Die ausgefressenen Beeren sind meistens durch ein Gespinst miteinander verbunden. Die befallenen Beeren werden braun, trocknen aus oder verfaulen.
Die Einbohrlöcher ermöglichen es dem Pilz Botrytis cinerea, in die Trauben einzudringen und Graufäule zu bilden. Die Gefahr eines Befalls durch die Graufäule (Botrytis cinerea) ist heute der Hauptgrund für die Bekämpfung des Traubenwicklers, da dadurch grössere Schäden entstehen als durch den Schädlingsbefall selber (Linder et al., 2016).

Beschreibung der Traubenwickler

Die Falter des Einbindigen Traubenwicklers (Eupoecilia ambiguella) haben eine Flügelspannweite von 12 bis 15 mm und sind im Ruhezustand 6 bis 7 mm lang (Linder et al., 2016). Die Vorderflügel sind ockergelb mit einem bräunlichen Streifen. Die Hinterflügel sind einheitlich grau und fein gefranst (Abbildung siehe lepiforum.de). Die zitronengelben bis orangegelben Eier sind linsenförmig und haben einen Durchmesser von 0.6 bis 0.9 mm. Die rötlichen Raupen messen beim Ausschlüpfen aus dem Ei etwa l mm und erreichen am Ende des 5. Raupenstadiums 10-11 mm. Ab dem zweiten Stadium sind die Raupen des Einbindigen Traubenwicklers durch ihren schwarzen Kopf, den rötlichen Körper und die langsamen Bewegungen leicht von denen des Bekreuzten Traubenwicklers zu unterscheiden. Die 5-8 mm lange Puppe ist gelblich bis hell rötlich-braun.

Die Falter des Bekreuzten Traubenwicklers (Lobesia botrana) haben eine Flügelspannweite von 11-13 mm und sind 6 mm lang (Linder et al., 2016). Bei beiden Geschlechtern sind die Vorderflügel mit abwechselnd hellen, bläulich-grauen, rostgelben und braunen Flecken in einem sehr unregelmässigen Muster gefärbt (Abbildung siehe lepiforum.de). Die Hinterflügel sind grau, zur Basis hin heller und mit gräulichen Schuppen gesäumt. Die linsenförmigen, gelben bis orangegelben Eier sind 0.6 - 0.9 mm gross. Die Raupe ist grünlich-gelb bis hellbraun. Während des ersten Larvenstadiums ist der Kopf schwarz, in den folgenden Stadien gelbbraun. Beim Schlüpfen aus dem Ei misst die Raupe weniger als 1 mm, am Ende seiner Entwicklung erreicht sie 9 bis 10 mm. Zu diesem Zeitpunkt kann die Raupe leicht von derjenigen des Einbindigen Traubenwicklers durch ihre geringere Grösse, den gelb-braunen Kopf und den hellen Körper (bei dem oft Darminhalt sichtbar ist) unterschieden werden. Darüber hinaus ist die Raupe sehr beweglich und wendig. Die dunkelbraune, schlanke Puppe ist 5-7 mm lang.

Lebenszyklus

Die Traubenwickler überwintern als Puppe in einem Kokon unter der Rinde der Weinreben. Die nachtaktiven Falter schlüpfen im Frühjahr zum Zeitpunkt der Blattentwicklung. Der Hauptflug dauert in der Regel 2 bis 3 Wochen (Einbindiger Traubenwickler) beziehungsweise 3 bis 5 Wochen (Bekreuzter Traubenwickler) (Linder et al., 2016). Nach der Paarung legen die Weibchen 40-60 Eier auf die Blütenkäppchen oder Blütenstiele der Gescheine (Kehrli et al., 2014 a und b). Die Raupen (Heuwurm) schlüpfen nach etwa 10 bis 15 Tagen, fressen an einzelne Blütenknospen und spinnen diese mit einem feinen Gespinst zusammen. Dort durchlaufen sie fünf Larvenstadien, bevor sie sich am Ende der Blütezeit in den Trauben, an den Trieben oder unter der Rinde der Rebstöcke verpuppen. Die Verpuppung dauert 10 bis 14 Tage. Anschliessend beginnt der Flug der zweiten Generation, der 3 bis 6 Wochen dauert. Die Eier werden an den Beeren oder Stielen abgelegt. Nach 7 bis 10 Tagen schlüpfen die jungen Raupen (Sauerwurm) und dringen nacheinander in mehrere Beeren ein um zu fressen. Ähnlich wie der Heuwurm bildet auch der Sauerwurm ein Gespinst zwischen den angefressenen Beeren, das ihnen in den Trauben Schutz gibt. Am Ende ihrer Entwicklung suchen die Raupen einen geschützten Ort für die Verpuppung und Überwinterung. Ausnahmsweise, in besonders warmen Jahren, können beide Arten des Traubenwicklers eine dritte Generation vollständig abschliessen (Linder et al., 2016).
Je nach Jahr, beziehungsweise Witterung, können beide Traubenwicklerarten zusammen vorkommen oder eine der beiden Arten dominiert.
Der Hauptschaden wird durch die Graufäule (Botrytis cinerea) verursacht, welche durch einen Traubenwicklerbefall begünstigt wird.

Epidemiologie

Der Einbindige Traubenwickler bevorzugt feuchte Standorte und wird in südlichen Weinbergen eher durch Trockenheit als durch Hitze ausgeschlossen (Linder et al., 2016). Sehr heisse Sommer in Verbindung mit niedriger Luftfeuchtigkeit führen zu einer hohen Sterblichkeit der Falter und auch der Eier.
Der Bekreuzte Traubenwickler kann sich hingegen eher unter trockener und warmer Witterung entwickeln.

Wirtsspektrum

Die Raupen des Einbindigen Traubenwicklers können sich von etwa dreissig Wildpflanzen ernähren. In der Schweiz kommt er aber hauptsächlich an Weinreben vor und kann sich mehr oder weniger auf allen Rebsorten entwickeln (Linder et al., 2016).
Der Bekreuzte Traubenwickler kann sich ebenfalls auf einer grossen Anzahl von Pflanzen entwickeln, vorwiegend südliche Arten. In der Schweiz ist die Weinrebe (Vitis vinifera) der Hauptwirt (Linder et al., 2016).

Pheromonfallen und Verwirrtechnik

Pheromone sind Duftstoffe mit denen Individuen einer bestimmten Art miteinander kommunizieren. Zum Beispiel senden viele Schmetterlinge Pheromone aus, um auf grosse Entfernungen einen Sexualpartner zu finden. Insbesondere bei den Wicklern lockt das Weibchen die Männchen mit einem Sexualpheromon an, das in ihren Hinterleibsdrüsen produziert wird. Dieser Lockstoff, der sich aus verschiedenen Molekülen zusammensetzt, wird von den Männchen mit Hilfe von Geruchsrezeptoren an den Fühlern eingefangen. Die Zusammensetzung ist je nach Art unterschiedlich. Pheromone können im Labor synthetisch hergestellt werden.
Pheromone werden im Pflanzenschutz mit zwei unterschiedlichen Methoden genutzt:
In Pheromonfallen: Bei der Überwachung des Auftretens eines Schädlings (Monitoring) wird das Pheromon auf eine klebrige Masse aufgebracht und lockt so die Männchen des Schädlings an. Diese bleiben dann auf der Falle haften und können gezählt werden. Die Pheromonfallen eignen sich aber nicht für das massenhafte Einfangen der Schädlinge, da nur die Männchen durch die Fallen erfasst werden.
Verwirrungstechnik: Mit Dispensern werden grosse Mengen an Pheromonen freigesetzt, so dass die Männchen die Weibchen nicht mehr finden und sich nicht paaren können. Diese Bekämpfungsmethode wirkt sich nur auf die Zielarten aus und schont somit die Nützlinge.

Vorbeugende Massnahmen und Bekämpfung

  • Förderung von natürlichen Feinden des Traubenwicklers, zum Beispiel durch eine artenreiche Begrünung der Fahrgassen und Böschungen, die Pflanzung von Hecken oder das Aufstellen von Nistkästen für Vögel (Häseli et al., 1999). Natürliche Feinde sind z.B. Ohrwurm, Marienkäfer, Florfliegenlarven, Spinnen, Raubwanzen, Vögel, Schlupfwespen, Erzwespen oder Raupenfliegen.
  • Überwachung und Prognose: Ein umweltfreundlicher und die Nützlinge schonender Einsatz von Pflanzenschutzmitteln erfordert eine genaue Kenntnis des Vorkommens und des Entwicklungsstandes der Schädlinge. Kontrollen sind deshalb unerlässlich. Das Auftreten des Traubenwicklers kann visuell oder mit Pheromonfallen (siehe Andermatt Biocontrol) überprüft werden
  • Die Verwirrtechnik (siehe oben) wird heute bei der Bekämpfung am häufigsten eingesetzt. Beide Traubenwicklerarten können mittels Pheromonen, getrennt oder in Kombination eingesetzt, mit gutem Erfolg kontrolliert werden (z.B. Andermatt Biocontrol). Die Dispenser müssen vor Beginn des ersten Fluges aufgehängt werden. Diese Methode eignet sich insbesondere für grössere Anlagen (5 – 10 ha) oder für isolierte Rebflächen.
  • Kann die Verwirrungstechnik nicht angewendet werden, bietet sich eine Bekämpfung der Traubenwickler auf der Basis von Bacillus thuringiensis (BT) an. BT ist ein Bakterium, das während der Sporenbildung ein Protoxin produziert, das im Verdauungssystem bestimmter Insekten, insbesondere Schmetterlingen, Käfer und Zweiflüglern, in ein Insektizid umgewandelt wird. Im Allgemeinen sind BT-Produkte wirksamer gegen den Bekreuzten Traubenwickler als gegen den Einbindigen Traubenwickler. Die Behandlung erfolgt zu Beginn des Larvenschlupfs der zweiten Generation und muss eventuell wiederholt werden (Kühne et al., 2006).
  • Zugelassene Pflanzenschutzmittel zum Schutz gegen den Traubenwickler finden sie für die Schweiz unter Agroscope und BLW Pflanzenschutzmittelverzeichnis; für Deutschland in der online Datenbank des BVL (Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit) und für Österreich im Verzeichnis der zugelassenen Pflanzenschutzmittel

Literatur

Häseli A, Tamm L, Wyss E, 1999. Krankheits- und Schädlingsregulierung im biologischen Rebbau. FiBL (Hrsg.) Merkblatt, Bestellnummer 1217.

Kehrli P, Pasquier D, Kuske S, 2014 a. Einbindiger Traubenwickler (Eupoecilia ambiguella Hb). AMTRA

Kehrli P, Pasquier D, Kuske S, 2014 b. Bekreuzter Traubenwickler (Lobesia botrana Den. & Schiff.). AMTRA

Kühne S, Burth U, Marx P, 2006. Biologischer Pflanzenschutz im Freiland. Eugen Ulmer KG, 288 S.

Linder C, Kehrli P, Viret O, 2016. La Vigne, vol. 2. Ravageurs et auxiliaires. AMTRA, route de Duillier 50, 1260 Nyon: 393 S.

 

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