Titelbild Pflanzenkrankheiten - Schädlinge

Pflanzenkrankheiten und Schädlinge

Grüne Salatblattlaus (Nasonovia ribisnigri)

Grüne Salatblattlaus

puceron de la laitue, (franz.); currant-lettuce aphid (engl.)

Wissenschaftlicher Name: Nasonovia ribisnigri Mosley

Taxonomie: Animalia, Arthropoda, Insecta, Pterygota, Hemiptera, Aphididae

Die Grüne Salatblattlaus (Nasonovia ribisnigri) ist eine wirtswechselnde Blattlausart mit vollständigem Entwicklungszyklus. Sie überwintert im Eistadium auf Johannisbeer- oder Stachelbeersträuchern (Ribes spp.). Ab Mai entstehen auf dem Winterwirt geflügelte Blattläuse, die auf Salat und andere Korbblütler (Asteraceae) fliegen und dort neue Blattlauskolonien bilden. An Freilandsalat kann die Grüne Salatblattlaus wirtschaftliche Schäden verursachen. Sie verunreinigt die Salatköpfe mit Larvenhäuten sowie lebenden oder toten Läusen, wodurch der Salat unverkäuflich wird. Da diese Blattlausart auch die inneren Blätter der Salatköpfe besiedelt, ist sie schwierig zu bekämpfen. Zumal sie auch vor natürlichen Feinden geschützt ist.

 Grosse Johannisbeerblattlaus (Nasonovia ribisnigri) auf SalatAbb. 1. Grüne Salatblattlaus (Nasonovia ribisnigri) auf Salat

Grosse Johannisbeerblattlaus (Nasonovia ribisnigri) auf SalatAbb. 2. Grüne Salatblattlaus (N. ribisnigri), © Nigel Cattlin, Alamy Stock Photos

Schadbild

Die Grüne Salatblattlaus (Nasonovia ribisnigri) ist die am häufigsten an Salaten auftretende Blattlausart. Da sie auch die inneren Blätter der Salatköpfe befällt, sind diese vor natürlichen Feinden und Pflanzenschutzmitteln geschützt (Subbarao et al. 2017). Eine frühzeitige Erkennung und rechtzeitig durchgeführte Massnahmen sind deshalb wichtig.
Die Grüne Salatblattlaus befällt Salat sowohl im Freiland als auch im Gewächshaus. Sie verunreinigt die Salatköpfe mit Larvenhäuten sowie mit lebenden oder toten Läusen.
Die im Frühjahr auf Ribes-Arten auftretenden Blattlauskolonien verursachen Blattrollungen und verzögern das Triebwachstum. Die Läuse können auch Viren auf Ribes spp.übertragen (beispielsweise das Stachelbeernervenbandmosaik-Virus) (Lampel und Meier 2007).

Verbreitung

Nasonovia ribisnigri stammt ursprünglich aus Europa. Heute kommt sie auch in Nord- und Südamerika, in Süd-Zentralasien und dem Nahen Osten vor (Blackman und Eastop 2000).

Grüne Salatblattlaus (Nasonovia ribisnigri) geflügeltAbb. 3. Geflügelte Salatblattlaus (N. ribisnigri) auf einem Sommerwirt

Beschreibung des Schädlings

Auf den Primärwirten (Winterwirt) (Ribes spp.): Die flügellosen Grünen Salatblattläuse sind mittelgross, spindelförmig, glänzend hell- bis apfelgrün und haben keine Flecken auf dem Hinterleib (Blackman und Eastop 2000). Die Hinterleibsröhren sind mindestens so lang wie die Cauda oder länger. Sie sind blass und haben dunkle Spitzen (vgl. influentialpoints.com). Die Cauda ist fingerförmig und blass.
Auf den Sekundärwirten (Sommerwirten): Die erwachsenen, flügellosen Blattläuse sind glänzend hellgelb bis grün, manchmal rötlich, mit dunkelbraunen Flecken auf dem Rücken des Hinterleibs (Abb. 1 und 2) (Blackman und Eastop 2000). Die Hinterleibsröhren sind relativ lang und meist an der Spitze dunkelgrün bis schwarz. Die Fühler (Antennen) erreichen etwa die Körperlänge.
Die geflügelten Blattläuse sind an Kopf, Brust und Beingelenken schwarz (Abb. 3). Der Hinterleib zeigt auf dem Rücken ein auffälliges Muster mit schwarzen Flecken oder Streifen.
Die Körperlänge der flügellosen Blattläuse (Apterae) beträgt 1.3 – 2.7 mm, diejenige der geflügelten (Alatae) 1.5 – 2.5 mm (Blackman und Eastop 2000).

Lebenszyklus

Die Grüne Salatblattlaus (Nasonovia ribisnigri) ist eine wirtswechselnde Blattlausart mit vollständigem Entwicklungszyklus. Sie überwintert im Eistadium auf Johannisbeer- oder Stachelbeersträuchern (Ribes spp.) (Blackman und Eastop 2000). Im Frühjahr schlüpfen die Larven (Nymphen) aus den Eiern und bilden kleine Kolonien an den Spitzen junger Triebe. Durch ihre Frassstätigkeit verursachen sie eine leichte Rollung der Blätter und eine Wachstumsverzögerung. Anschliessend verteilen sich die erwachsenen Blattläuse über die gesamte Pflanze. Sie vermehren sich parthenogenetisch (die Nachkommen entstehen aus unbefruchteten Eizellen) und bringen lebende Nymphen auf die Welt (lebendgebärend). Auf unbesetzten jungen Trieben gründen sie neue Kolonien.
Sobald die Kolonien im Mai oder Juni dichter werden, entstehen geflügelte Blattläuse (Alatae), die auf Salat und andere Asteraceae (Compositae) fliegen. Auf diesen Sommerwirten werden bis September oder Oktober aufeinanderfolgende Generationen von Blattläusen parthenogenetisch produziert. Die Blattläuse leben in der Regel verstreut unter Blättern oder auf Blütenstielen. Ab Oktober entstehen auf den Sommerwirten geflügelte Weibchen (Gynoparae), die zum Primärwirt zurückfliegen und dort flügellose eierlegende Geschlechtstiere (Oviparae) absetzen (Dubnik 1991). Diese werden später von den ebenfalls vom Sommerwirt zufliegenden Männchen begattet. Anschliessend legt das Weibchen die befruchteten Eier auf Knospen und Zweige der Primärwirte.
Unter milden Winterbedingungen können einige Blattläuse während der Wintermonate auf Salatpflanzen überwintern (Capinera 2001).

Wirtsspektrum

Die Grüne Salatblattlaus wechselt zwischen Winterwirten (Primärwirten) und Sommerwirten (Sekundärwirten) (Blackman und Eastop 2000). Zu den Winterwirten zählen Ribes-Arten, hauptsächlich schwarze und rote Johannisbeeren sowie Stachelbeeren. Zu den Sommerwirten gehört eine Vielzahl von Pflanzen aus der Familie der Korbblütler (Asteraceae), darunter auch Lactuca-Arten (Kopfsalat usw.) und Cichorium-Arten (Chicorée, Endivien, Zuckerhut und Radicchio). Im Freiland ist N. ribisnigri die wichtigste Blattlausart an Salat (Crüger et al. 2002).

Vorbeugende Massnahmen und Bekämpfung

  • Gezielte Förderung von Nützlingen durch das Anlegen von Blühstreifen mit Nektar spendenden Blütenpflanzen. Schwebfliegen, Schlupfwespen oder Marienkäferlarven usw. können dabei helfen, die Blattläuse unter der Schadschwelle zu halten (siehe auch Vieweger et al. 2023).
  • Eine vorbeugende Massnahme besteht im Anbau von Salat möglichst weit entfernt von Winterwirten (Kahrer und Gross 2002).
  • Resistente Sorten pflanzen. Das Resistenzgen Nr. 0 in Lactuca-Salat ist nur noch teilweise gegen die Grüne Salatblattlaus (N. ribisnigri) wirksam. Die Resistenz wurde vom Biotyp Nr. 1 durchbrochen. Diese neue Blattlausrasse wurde in der Schweiz an mehreren Standorten nachgewiesen (Sauer et al. 2011).
  • Blattlausfreie Jungpflanzen anbauen und mit Vlies oder mit engmaschigen Kulturschutznetzen abdecken (Kühne et al. 2006).
  • Die Salatkulturen müssen regelmässig auf Befall durch Blattläuse kontrolliert werden, um diese rechtzeitig zu bekämpfen.
  • Bekämpfungsmassnahmen bei Befall sind bis zur Kopfbildung möglich (siehe Pflanzenschutzempfehlungen für den Biogemüsebau)
  • Zugelassene Pflanzenschutzmittel zum Schutz von Salaten gegen Blattläuse finden Sie für die Schweiz in der Betriebsmittelliste für den biologischen Landbau und im Pflanzenschutzmittelverzeichnis des BLV, für Deutschland in der Online-Datenbank des BVL und für Österreich im Pflanzenschutzmittelregister des BAES.

Literatur

Blackman RL, Eastop VF, 2000. Aphids on the World’s Crops: An Identification and Information Guide. John Wiley & Sons, LTD (2nd Edition): 476 S.

Capinera JL, 2001. Handbook of Vegetable Pests. Academic Press New York: 729 S.

Crüger G, Backhaus GF, Hommes M, Smolka S, 2002. Pflanzenschutz im Gemüsebau. 4. Auflage, Verlag Eugen Ulmer Stuttgart: 318 S.

Dubnik H, 1991. Blattläuse: Artenbestimmung – Biologie – Bekämpfung. Verlag Th. Mann, D-4650 Gelsenkirchen-Buer: 120 S.

Kahrer A, Gross M, 2002. Gemüseschädlinge. Österreichischer Agrarverlag, Leopoldsdorf: 205 S.

Kühne S, Burth U, Marx P, 2006. Biologischer Pflanzenschutz im Freiland. Eugen Ulmer KG, Stuttgart: 288 S.

Lampel G, Meier W, 2007. Hemiptera: Sternorrhyncha – Aphidina, Teil 2: Aphididae. Fauna Helvetica 16, Schweizerische Entomologische Gesellschaft: 523 S.

Sauer-Kesper C, Lucia N, Buser HP, Vogler U, 20011. Bedeutung und Verbreitung des neuen Biotyps-Nr:1 der Grünen Salatlaus in der Deutschschweiz. Agrarforschung Schweiz 2 (10): 462-469.

Subbarao KV, Davis RM, Gilbertson RL, Raid RN, 2017. Compendium of lettuce diseases and pests. The disease compendium series of the American Phytopathological Society, second edition, APS Press St. Paul Minnesota: 165 p.

Vieweger A, Hauenstein S, Koller M, 2023. Pflanzenschutz im Biogemüsebau: Krankheits- und Schädlingsregulierung im Freilandanbau. Merkblatt Nr. 1145, Forschungsinstitut für biologischen Landbau FiBL, CH-5070 Frick: 28 S.