Titelbild Pflanzenkrankheiten - Schädlinge

Pflanzenkrankheiten und Schädlinge

Salatwurzellaus (Pemphigus bursarius)

Salatwurzellaus

Puceron des racines de la laitue (franz.); lettuce root aphid (engl.)

wissenschaftlicher Name: Pemphigus bursarius L.

Taxonomie: Animalia, Arthropoda, Hexapoda, Insecta, Hemiptera, Pemphigidae (Blasenläuse)

Die Salatwurzellaus (Pemphigus bursarius) ist eine wirtswechselnde Wurzellaus. Innerhalb eines Jahres fliegt sie vom Winterwirt (Schwarz-Pappel) zum Sommerwirt (zum Beispiel Kopfsalat, Endivie oder Chicorée) und wieder zurück. Auf dem Sommerwirt saugt sie an den Wurzeln und verursacht so den Hauptschaden. Befallene Pflanzen zeigen Wachstumsstörungen, welken und vergilben, vor allem bei gleichzeitiger Trockenheit. Salatwurzelläuse lassen sich leicht von anderen Blattläusen auf Salat unterscheiden. Sie besitzen keine entwickelten Hinterleibsröhren (Siphonen), haben kurze Antennen und Büschel aus weissen Wachsfäden auf dem Hinterleib. In Befallsgebieten wird der Anbau resistenter Sorten empfohlen. Ausserdem können Salatsätze während des Zuflugs der Wurzelläuse (ab Juni) mit Kulturschutznetzen geschützt werden. Eine regelmässige Bewässerung fördert das Wachstum der Pflanzen und mindert die Schäden.

Salatwurzellaus (Pemphigus bursarius)Abb. 1. Kopfsalat mit Salatwurzelläusen (Pemphigus bursarius): links gesund, rechts befallen; © Nigel Cattlin, Alamy Stock Photos 

Salatwurzellaus (Pemphigus bursarius)Abb. 2. Salatwurzellaus (Pemphigus bursarius); © Nigel Cattlin, Alamy Stock Photos

Salatwurzellaus (Pemphigus bursarius)Abb. 3. Im Wurzelbereich befinden sich neben Läusen auch bläulich-weisse, wollige Wachsausscheidungen. © Nigel Cattlin, Alamy Stock Photos 

Schadbild

Die Salatwurzelläuse verursachen im Frühling birnenförmige Gallen an den Blattstielen von Pappeln (Populus nigra) (Kahrer und Gross 2002). Die Gallen haben einen Durchmesser von 6-18 mm und können bis zu 100 Läuse oder mehr enthalten (Capinera 2001). Den Hauptschaden richten die Salatwurzelläuse jedoch ab Juni an Salat und Endivie an (Bedlan und Kahrer 2002). Trockene und warme Witterung fördert ihre Entwicklung (Crüger et al. 2002). Befallene Pflanzen zeigen Wachstumsstörungen (Abb. 1), welken und vergilben, vor allem bei gleichzeitiger Trockenheit (Schwarz et al. 1990). Bei Kopfsalat ist die Kopfbildung oft schlecht. An den Wurzeln befinden sich wachsbestäubte flügellose Wurzelläuse (Abb. 2). Im Wurzelbereich können neben Läusen auch bläulich-weisse, wollige Wachsausscheidungen beobachtet werden (Abb. 3).
Bedeutung: Salatsätze, die zur Zeit des Hauptfluges der Salatwurzelläuse (ab Juni) gesetzt werden, sind besonders gefährdet (Schwarz et al 1990).

Beschreibung des Krankheitserregers (nach Capinera 2001)

Die länglich-ovalen Eier (0.48 x 0.23 mm) sind zunächst grünlich-weiss, später orangefarben und von wachsartigen Fäden umgeben.
Die Nymphen, die sich in den Gallen der Pappelblätter (Winterwirt) entwickeln, sind grün. Sie durchlaufen fünf Larvenstadien und benötigen im Frühjahr etwa 50 bis 60 Tage, um ihre Entwicklung abzuschliessen.
Nymphen, die an den Wurzeln der Sommerwirte vorkommen, haben eine viel kürzere Entwicklungszeit, sind hellgrau und mit bläulichem Wachs bedeckt. Sie bewegen sich im Boden oder an der Bodenoberfläche und können so von Pflanze zu Pflanze wandern.
Die erwachsenen Wurzelläuse verfügen über keine Hinterleibsröhren (Siphonen) und haben kurze Fühler (Antennen) sowie kurze Beine. Die aus den überwinternden Eiern schlüpfenden erwachsenen Weibchen sind von einem bläulichen-weissen Wachs umhüllt. Sie sind grünlich, haben dunkle Anhängsel und sind 2.0 - 2.2 mm gross. Die flügellosen erwachsenen Weibchen (Apterae), die an den Wurzeln der Sommerwirte entstehen, sind eher länglich-oval, gelblich-weiss gefärbt und 1.6 - 2.5 mm lang (Blackmann und Eastop 2000). Ihre kurzen Fühler sind grau bis dunkel gefärbt. Auf dem Rücken befinden sich Wachsdrüsen, die Büschel aus weissen Wachsfäden produzieren. Die gesamte Blattlaus ist ausserdem mit einem feinen weissen Pulver bestäubt.
Die geflügelten Weibchen (Alatae) sind grau, grün oder bräunlich, mit einem dunklen Kopf, Fühler und Brust (Thorax). Auf dem Hinterleib haben sie dunkle Flecken. Die Alatae produzieren ebenfalls ein wachsartiges Sekret und sind 1.7 – 2.2 mm lang (Blackmann und Eastop 2000).
Die spät in der Saison auf Pappeln entstehenden Fortpflanzungsformen, sind orangefarben und haben keine funktionsfähigen Mundwerkzeuge. Die geschlechtlichen Formen sind recht klein: Die Männchen sind 0.65 mm und die Weibchen 0.75 mm lang. Die Bauchhöhle der Weibchen ist mit einem einzigen Ei gefüllt.
Die Salatwurzellaus kann das Lettuce Mosaic Potyvirus übertragen (Blackman und Eastop 2000).

Lebenszyklus

Die Salatwurzellaus (Pemphigus bursarius) macht während ihres Lebenszyklus einen Wirtswechsel (Heterözie) durch. Die Eier überwintern in Rissen und Spalten der Rinde von Schwarz-Pappeln (Winterwirt). Im Frühjahr schlüpfen die Weibchen aus den Eiern und stechen zur Nahrungsaufnahme die Blattstiele junger Pappelblätter an (Bedlan und Kahrer 2002). Durch den Stich werden die Blattstiele zur Bildung der sogenannten Birnengallen angeregt. Im Inneren dieser Gallen vermehren sich die Weibchen parthenogenetisch (ohne Befruchtung der Eizellen) und bilden zwei neue Generationen von Wurzelläusen. Sobald die darin lebenden Tiere erwachsen sind - ab ca. Juni - öffnet sich die Galle und die geflügelten Läuse entweichen, um ihre Sommerwirte (Salat, Endivie oder Chicorée) aufzusuchen. Die Wurzelläuse saugen an den Wurzeln und beginnen sofort mit der Fortpflanzung. Sie bilden mehrere Generationen flügelloser Wurzelläuse (Apterae) aus, die sich jeweils parthenogenetisch vermehren.
Im Herbst entstehen erneut geflügelte Blattläuse, die zu den Pappeln (Winterwirte) zurückfliegen. Dort kommt es zur Paarung zwischen männlichen und weiblichen eierproduzierenden Blattläusen. Die befruchteten Eier werden anschliessend in Risse und Spalten der Rinde abgelegt, wo sie überwintern.
Einige Blattläuse verbleiben jedoch den ganzen Winter über auf Wirtspflanzen, beispielsweise Endivien und besiedeln im Frühjahr nahegelegene Pflanzen (Lampel und Meier 2003).

Wirtsspektrum

Der Winterwirt (Hauptwirt) der Salatwurzellaus ist die Pappel (Populus spp.), am häufigsten P. nigra (Gewöhnliche Schwarz-Pappel oder Pyramiden-Pappel) (Blackman und Eastop 2000).
Die Sommerwirte (Nebenwirte) sind hauptsächlich Pflanzen aus der Familie der Korbblütler (Asteraceae), beispielsweise Lactuca-Arten (Salate), Cichorium - Arten (Endivien und Chicorée) sowie Arten der Gattungen Lapsana, Sonchus, Taraxacum oder Tussilago (Blackman und Eastop 2000).

Vorbeugende Massnahmen und Bekämpfung

  • Der Anbau anfälliger Kulturen (Salate und Endivie) sollte möglichst weit entfernt von den Winterwirten, insbesondere jedoch von Pyramiden-Pappeln, stattfinden (Kahrer und Gross 2002). Neupflanzungen von Pyramiden-Pappeln sollten möglichst vermieden werden (Capinera 2001).
  • Fruchtfolge: Nach einer mit Salatwurzelläusen befallenen Vorkultur sollten weder Salat noch Endivien angebaut werden.
  • Im Sommer resistente Sorten anbauen (Pflanzenschutzempfehlungen für den Biogemüsebau)
  • Salatsätze, die während des Zufluges der Wurzelläuse (ab Juni) gepflanzt werden, sollten mit Vlies oder Kulturschutznetzen abgedeckt werden (Bedlan und Kahrer 2002).
  • Eine regelmässige Bewässerung fördert das Wachstum der Pflanzen und mindert die Schäden. Feuchte Böden sind kompakter, wodurch der Zugang zu den Wurzeln für die Wurzelläuse eingeschränkt ist (Capinera 2001).
  • Zugelassene Pflanzenschutzmittel zum Schutz von Salaten und Endivien gegen Salatwurzelläuse (Pemphigus bursarius) finden Sie für die Schweiz im Pflanzenschutzmittelverzeichnis des BLV.

Literatur

Bedlan G, Kahrer A, 2002. Wichtige Krankheiten und Schädlinge im Gemüsebau. Verlag Jugend & Volk GmbH, Wien: 248 S.

Blackman RL, Eastop VF, 2000. Aphids on the World’s Crops: An Identification and Information Guide. John Wiley & Sons, LTD (2nd Edition): 476 S.

Capinera JL, 2001. Handbook of Vegetable Pests. Academic Press New York: 729 S.

Crüger G, Backhaus GF, Hommes M, Smolka S, 2002. Pflanzenschutz im Gemüsebau. 4. Auflage, Verlag Eugen Ulmer Stuttgart: 318 S.

Kahrer A, Gross M, 2002. Gemüseschädlinge. Österreichischer Agrarverlag, Leopoldsdorf: 205 S.

Lampel G, Meier W, 2003. Hemiptera: Sternorrhyncha – Aphidina, Teil 1: Non-Aphididae. Fauna Helvetica 8, Schweizerische Entomologische Gesellschaft: 312 S.

Schwarz A, Etter J, Künzler R, Potter C, Rauchstein HR, 1990. Pflanzenschutz im integrierten Gemüsebau. Verlag Landwirtschaftliche Lehrmittelzentrale, 3052 Zollikofen, 321 S.