Titelbild Pflanzenkrankheiten - Schädlinge

Pflanzenkrankheiten und Schädlinge

Marssonina coronaria (Blattfallkrankheit des Apfels)

Marssonina-Blattfall

Chute des feuilles précoce (franz.); Marssonina Blotch (engl.)

wissenschaftlicher Name der Nebenfruchtform: Marssonina coronaria (Ellis & Davis) Davis
und der Hauptfruchtform: Diplocarpon mali Y. Harada & Sawamura
Synonym: Marssonina mali (Henn.) S. Ito

Taxonomie: Fungi, Ascomycota, Pezizomycotina, Leotiomycetes, Leotiomycetidae, Helotiales, Dermateaceae

Die Apfelkrankheit Marssonina-Blattfall (Marssonina coronaria) wurde im Jahr 2010 erstmals in der Schweiz nachgewiesen (Naef et al. 2013). Der Pilz verursacht charakteristische Blattflecken und führt zu einem frühzeitigen Blattfall bei Äpfeln. Dadurch wird das Wachstum der Früchte gehemmt und die Entwicklung neuer Knospen beeinträchtigt. Auch die Blütenbildung und der Fruchtansatz im Folgejahr sind gefährdet. Besonders betroffen sind Bioapfelanlagen, Hochstammbäume, Apfelbäume in Hausgärten sowie Obstbaubetriebe, die Fungizide nur eingeschränkt einsetzen. Das Entfernen oder das Mulchen des Falllaubs vor dem Austrieb der Apfelbäume im Frühling ist eine wirksame indirekte Bekämpfungsmassnahme. Tonerdepräparate (Myco-Sin oder Myco-San) haben sich als die wirksamsten Biopflanzenschutzmittel gegen Marssonina erwiesen. In der Praxis wird die Marssonina-Blattfallkrankheit meist bei der Schorfbekämpfung miterfasst.

Blattfallkrankheit des Apfels (Marssonina coronaria)Abb. 1. Der vorzeitige Blattfall wurde durch Marssonina coronaria verursacht (Bild: Jürg Strauss)

Abb. 2. Schadbild an Apfelblättern verusacht durch die Marssonina-Blattfallkrankheit (Marssonina coronaria)

Krankheitsbild

Durch M. coronaria verursachte Blattflecken können bereits im Juni nach längeren Regenperioden auf der Blattoberseite auftreten. Die Flecken sind grauschwarz und oft von einem rot-violetten Rand umgeben (Abb. 2). Später können sie zusammenwachsen oder sich in schwarze Linien verästeln. Die Blattfläche zwischen den Flecken verfärbt sich gelb und es kommt zu einem vorzeitigen Blattfall (Abb. 1). Die Blattflecken sind auf der Blattoberseite dunkler als auf der Blattunterseite (Abb. 2, letztes Bild ).
Im Bereich der Blattflecken sind oft kleine schwarze Fruchtkörper (sogenannte Acervuli) sichtbar (Abb. 3).
Die Früchte werden nur selten infiziert (Sutton et al. 2014) und bleiben meist am Baum hängen.

Blattfallkrankheit des Apfels (Marssonina coronaria)Abb. 3. Acervuli der Marssonina coronaria an Apfelblättern

Blattfallkrankheit des Apfels (Marssonina coronaria) KonidienAbb. 4. Konidien der Marssonina coronaria

Krankheitserreger

Die Acervuli (asexuelle Fruchtkörper) werden in der Epidermisschicht gebildet und öffnen sich durch Aufreissen der Cuticula (Abb. 3). In den Acervuli (Durchmesser 100-200 µm) werden an kurzen Sporenträgern zweizellige Konidien gebildet (Abb. 4). Diese sind 6.5 - 8.5 x 20 - 24 µm gross, durchscheinend und leicht gekrümmt.  Die beiden Zellen der Konidien sind meist ungleich gross und die äussere Zellwand ist im Bereich zwischen den Zellen eingeschnürt. Im Herbst befinden sich in den Acervuli neben den Konidien meist auch einzellige, stäbchenförmige Strukturen. Harada et al. (1974) vermuten, dass es sich hier um Spermatien handelt, deren Funktion im Lebenszyklus aber noch unbekannt ist.
Die becherförmigen, hellbraunen Apothecien haben einen Durchmesser von 120 - 220 µm und sind 100 - 150 µm lang. Auf den Apothecien befinden sich zahlreiche keulenförmige Asci (14 - 18 x 55 - 78 µm) mit je 8 länglich-elliptischen Ascosporen (5 - 6 x 23 - 33 µm). Die Ascosporen sind meist zweizellig, mit einer leichten Einschnürung beim Septum. Zwischen den Asci stehen dünne Paraphysen mit zwei bis drei Septen. Sie sind ähnlich lang wie die Asci und 2 - 3 µm breit. Alle Grössenangaben stammen aus Harada et al. (1974).

Lebenszyklus

Marssonina coronaria überwintert im Falllaub. Im Herbst werden in den Acervuli neben den Konidien auch einzellige Spermatien (Mikrokonidien) gebildet, deren Funktion jedoch noch weitgehend unbekannt ist. Nach Harada et al. (1974) beginnt die Entwicklung der Hauptfruchtform (Apothecien) bereits im Herbst und dauert bis ins Frühjahr. Zum Zeitpunkt der Apfelblüte sind die Ascosporen reif und werden aus den Asci geschleudert. Hierzu ist Regen nötig. Dieser Prozess erstreckt sich über drei bis vier Wochen. Die ersten Symptome erscheinen im Juni meistens an voll entwickelten Blättern.
Die jetzt entstehenden Konidien können wiederum neue Apfelblätter infizieren. Eine lange Blattnässedauer und Temperaturen von 20 bis 25 °C sind für eine Infektion optimal (Sutton et al. 2014). Frühestens nach acht Tagen erscheinen die ersten Symptome. Stark befallene Blätter fallen frühzeitig zu Boden, wo Marssonina überwintert.

Wirtsspektrum

Der Apfelbaum (Malus domestica) ist die wichtigste bisher bekannte Wirtspflanze.

Vorbeugende Massnahmen und Bekämpfung

  • Das mit Marssonina infizierte Falllaub sollte vor dem Austrieb der Apfelbäume aus der Obstanlage entfernt werden. Dadurch wird der Lebenszyklus des Krankheitserregers unterbrochen. Der gleiche Effekt kann durch die Förderung der Verrottung der Blätter (zum Beispiel durch Mulchen) erzielt werden.
  • Zudem sollte mit dem Baumschnitt für eine gute Durchlüftung des Baumes gesorgt werden.
  • Weniger anfällige Sorten anbauen.
  • Biologischer Pflanzenschutz: Saure Tonerdepräparate (Myco-Sin oder Myco-San) zeigten die beste Wirkung gegen Marssonina Blattfall. Kupfer und Schwefelkalk sind ebenfalls wirksam.
  • In der Regel wird durch den Einsatz von Schorffungiziden gleichzeitig auch M. coronaria bekämpft (Pflanzenschutzempfehlungen für den Erwerbsobstbau). Die empfohlenen und zugelassenen Pflanzenschutzmittel gegen die Marssonina-Blattfallkrankheit finden sie für die Schweiz unter Agroscope und im Pflanzenschutzmittelverzeichnis des BLV (Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen), für Deutschland in der online Datenbank des BVL (Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit) und für Österreich im Pflanzenschutzmittelregister des BAES (Bundesamt für Ernährungssicherheit).

Literatur

Harada Y, Sawamura K, Konno K, 1974. Diplocarpon mali, sp. nov., the Perfect State of Apple Blotch Fungus Marssonina coronaria. Ann. Phytopath. Soc. Japan 40: 412-418.

Naef A, Häseli A, Schärer HJ, 2013. Marssonina-Blattfall, eine neue Apfelkrankheit. Schweizer Zeitschrift für Obst- und Weinbau 149, (16): 8-11.

Sutton TB, Aldwinckle HS, Agnello AM and Walgenbach JF, 2014. Compendium of Apple and Pear Diseases and Pests. Second edition, St. Paul, Minn. The American Phytopathological Society, 218 p.

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