Apfelmehltau
l'oïdium du pommier (franz.), powdery mildew of apple (engl.)
wissenschaftlicher Name: Podosphaera leucotricha (Ellis & Everh.) E.S. Salmon
Taxonomie: Fungi, Ascomycota, Pezizomycotina, Leotiomycetes, Leotiomycetidae, Erysiphales, Erysiphaceae
Neben Apfelschorf (Venturia inaequalis) ist der Apfelmehltau (Podosphaera leucotricha) die wichtigste Pilzkrankheit des Apfels. Erkrankte Blätter und Triebspitzen sind mit einem mehlig-weissen Pilzbelag überzogen. Durch das konsequente Wegschneiden aller befallener Triebspitzen beim Winterschnitt und während des Austriebs im Frühjahr kann ein Befall wirksam eingedämmt werden.
Abb. 1. Apfelmehltau (Podosphaera leucotricha): mehlig-weisser Pilzbelag auf den jungen Blättern und Triebspitzen
Krankheitsbild
Junge Blätter, Triebspitzen und Blüten sind mit einem mehlig-weissen Pilzbelag bedeckt (Abb. 1 und 2). Dieser besteht aus Pilzmyzel und Konidien. Die infizierten Blätter rollen sich oft ein, werden runzlig und spröde, vertrocknen und fallen frühzeitig ab. Entlaubte Triebspitzen sind deutlich erkennbar.
Befallene Triebe sind im Wachstum gehemmt und haben verkürzte Internodien. Im Spätsommer entstehen an diesen Stellen die Cleistothecien.
Infizierte Knospen haben abstehende und gespreizte Knospenschuppen. Sie sind anfälliger für Winterschäden und treiben im Frühling fünf bis acht Tage später aus als gesunde.
Früh befallene Äpfel zeigen bei der Ernte eine netzartige Berostung.
Abb. 3. Konidien des Apfelmehltaus (Podosphaera leucotricha)
Krankheitserreger
Der Mehltaubelag besteht aus ineinander verfilzten, septierten Hyphen und Konidienträgern. An letzteren werden ovale Konidien gebildet (Abb. 3), die zunächst in langen Ketten zusammenhängen. Die Konidien sind nach Sutton et al. (2014) 12 x 20-38 µm gross.
Podosphaera leucotricha ist ein heterothallischer Pilz, das heisst, die Hyphen gehören zwei unterschiedlichen Paarungstypen an. Vor der Entstehung der Hauptfruchtform umschlingen sich zwei Hyphen von je einem Paarungstyp, verzweigen sich und bilden einen dichten Knäuel. Daraus entstehen die schwarzen Cleistothecien, die Hauptfruchtform des Mehltaupilzes. Es handelt sich um kugelige Gebilde mit einem Durchmesser von 75 - 96 µm. Die Cleistothecien besitzen myzelartige Anhängsel, wobei einige sehr lang sind und sich am Ende dichotom verzweigen. Im Inneren der Fruchtkörper befinden sich die länglichen bis kugeligen Asci (44-50 x 55-70 µm) mit je acht Ascosporen (12-15 x 22-36 µm).
Lebenszyklus
Der Apfelmehltau ist ein obligater Parasit, der hauptsächlich als Myzelgeflecht im Inneren von Knospen überwintert, die im vergangenen Sommer gebildet und dann infiziert wurden. Im Frühjahr bildet der Pilz Sporen (Konidien) auf den Blättern, die aus den infizierten Knospen austreiben. Diese werden vom Wind verfrachtet und gelangen so auf junge Blätter, Triebe, Blütenbüschel und Früchte. Da sich von Mehltau befallene Knospen gewöhnlich später öffnen, ist zur Zeit der Konidienbildung genügend anfälliges Pflanzengewebe vorhanden. Die Konidien keimen bei hoher Luftfeuchtigkeit und innerhalb eines Temperaturbereichs von 19-25 °C. Freies Wasser auf der Blattoberfläche hemmt die Keimung. Anschliessend werden Haftorgane (Appressorien) auf der Kutikula der Blätter gebildet. Unmittelbar darunter dringt mithilfe von Enzymen eine Infektionshyphe durch die Kutikula und die Epidermiszellwand ins Innere der Epidermiszelle ein. Hier bildet der Pilz Haustorien, die ihm zur Nahrungsaufnahme dienen. Der Pilz wächst als eng verzweigtes Myzel auf der Blattoberfläche weiter und bildet weitere Appressorien, Infektionshyphen sowie Haustorien.
Apfelmehltau kann nur junge Blätter infizieren. Die Gefahr einer Infektion ist deshalb während der Monate Mai bis Juni am höchsten. Sobald der Apfelbaum neue Knospen bildet, werden diese vom Mehltau besiedelt. Eine Infektion der jungen Knospen ist jedoch nur im ersten Monat möglich. Nach der Infektion bleibt das Myzel bis zum folgenden Frühjahr in einer Ruhephase.
Im Spätsommer und Herbst bilden sich auf den befallenen Trieben die Hauptfruchtkörper (Cleistothecien), die für die Überwinterung des Pilzes jedoch nur von untergeordneter Bedeutung sind.
Wirtsspektrum
Der Pilz Podosphaera leucotricha befällt Äpfel und Birnen.
Vorbeugende Massnahmen und Bekämpfung
- Wenig anfällige Sorten wählen, vor allem in gefährdeten Lagen. Bei der Sortenwahl sollte die Schorfanfälligkeit jedoch stärker gewichtet werden. Jonagold, Pinova, Boskoop, Gala, Milwa und Gravensteiner sind mittel bis stark anfällig (Pflanzenschutzempfehlung für den Erwerbsobstbau), siehe auch Sortenliste Biokernobst (FiBL) und Sortenblätter Obstbau von Agroscope.
- Triebe mit befallenen Knospen beim Winterschnitt entfernen. Dies reduziert die Sporenmenge während der folgenden Vegetationsperiode.
- Während der Monate Mai bis Juni sollten befallene Triebe abgeschnitten werden. So wird die Ausbreitung des Mehltaus in der Apfelanlage reduziert.
- Biologischer Pflanzenschutz: Eine Behandlung mit Netzschwefel oder mit Kaliumbicarbonat (Armicarb) kann die Ausbreitung des Mehltaus begrenzen. Siehe auch Andermatt biocontrol oder Betriebsmittelliste FiBL.
- In der Praxis wird der Mehltau meist bei der Schorfbekämpfung miterfasst. Anfällige Sorten müssen ab der Blüte behandelt werden. Fungizide aus verschiedenen Wirkstoffgruppen sollten abwechselnd eingesetzt werden (Pflanzenschutzempfehlung für den Erwerbsobstbau).
- Empfohlene und zugelassene Pflanzenschutzmittel zum Schutz gegen den Apfelmehltau (Podosphaera leucotricha) finden Sie für die Schweiz unter Agroscope und Pflanzenschutzmittelverzeichnis des BLV; für Deutschland in der online Datenbank Pflanzenschutzmittel des BVL (Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit) und für Österreich im Pflanzenschutzmittelregister des BAES (Bundesamt für Ernährungssicherheit).
Literatur
Kühne S, Burth U, Marx P, 2006. Biologischer Pflanzenschutz im Freiland. Eugen Ulmer KG, 288 S.
Sutton TB, Aldwinckle HS, Agnello AM and Walgenbach JF, 2014. Compendium of Apple and Pear Diseases and Pests. Second edition, St. Paul, Minn. TheAmerican Phytopathological Society, 218 p.


