Birnblattsauger

psylles du poirier (franz.); pear psylla (engl.)

wissenschaftliche und Deutsche Namen:

Cacopsylla pyri L. (Synonym: Psylla pyri L.), Gemeiner Birnblattsauger
Cacopsylla pyricola Foerst. (Synonym: Psylla pyricola Foerst.), Kleiner Birnblattsauger
Cacopsylla pyrisuga Foerst. (Synonym: Psylla pyrisuga Foerst.), Grosser Birnblattsauger
Cacopsylla melanoneura Först. (Synonym: Psylla melanoneura Foerst.)

Taxonomie: Animalia, Arthropoda, Insecta, Pterygota, Hemiptera, Homoptera, Psyllidae

In Schweizer Birnenanlagen kommen vier verschiedene Birnblattsauger vor (siehe oben). Der Gemeine Birnblattsauger findet man in der Schweiz am häufigsten, er ist auch der schädlichste (Bovey et al. 1979). In Nordamerika hingegen ist der Kleine Birnblattsauger der wichtigste Schädling der Birnen (Sutton et al. 2014).
Die Birnblattsauger sind phloemsaugende Insekten und als solche auch starke Honigtauproduzenten. Blätter und Früchte werden verschmutzt und verlieren an Wert. Der Gemeine und der Kleine Birnblattsauger bilden je nach Witterung drei bis fünf Generationen. Sie können sich rasch vermehren, was zu einem Massenauftreten der Schädlinge führen kann. Der grosse Birnblattsauger erzeugt nur eine Generation auf den Birnen und überwintert ausserhalb der Birnenanlagen.

Birnblattsauger an Birne (Cacopsylla pyri)Abb. 1 Gemeiner Birnblattsauger an Birne (Cacopsylla pyri)

Abb. 2. Eier und Jungtiere (Nymphen) des Birnblattsaugers an Birne

Symptome

Die Birnblattsauger sind saugende Insekten und nahe mit den Blattläusen und Zikaden verwandt. Sie bilden grosse Kolonien auf frischen Trieben, Blüten, Blättern und gelegentlich auch auf Früchten. Durch das Saugen am Phloem verursachen die Larven deformierte, stark eingerollte, gekräuselte Blätter, die eintrocknen und frühzeitig abfallen. Das Wachstum der Triebe wird gehemmt. Ausserdem produzieren die Larven reichlich Honigtau auf dem Russtaupilze wachsen. Blätter und Früchte werden verschmutzt und verlieren an Wert. Der kleine Birnblattsauger überträgt zudem den Erreger des Birnenverfalls, eine gefährliche Krankheit der Birne, die durch Phytoplasmen verursacht wird.

Der Schädling

Die adulten Birnblattsauger (Imago) sind etwa 2.2 bis 2.8 mm lang (C. pyri) und sehen kleinen Zikaden sehr ähnlich (Bovey et al. 1979). Der Körper ist dunkel. Die Flügel sind durchsichtig und werden in Ruhestellung dachartig auf dem Rücken getragen. Die Imagines werden wegen ihres guten Sprungvermögens auch als Blattflöhe bezeichnet.
Die spitzovalen Eier sind zuerst weisslich, später werden sie gelb-orange. Sie besitzen ein Stielchen, das der Verankerung im Pflanzengewebe dient.
Die Jungtiere (Nymphen) entwickeln sich über 5 Stadien zu adulten Tieren. Sie sind anfänglich sehr klein und gelbbraun gefärbt. Ältere Nymphen sind grösser, breiter, flachgedrückt und deutlich dunkler als die kleinen Nymphen (etwa 2-2.5 mm lang). Die dunklen Bereiche sind mit blaugrünen bis braunen Flecken durchsetzt. Die Flügel sind beim letzten Stadium bereits deutlich als Stummel zu sehen.

Lebenszyklus

Der gemeine Birnblattsauger verbringt den Winter als erwachsenes Insekt (Imago) unter Rindenschuppen oder in der Streuschicht auf dem Boden. Während warmer, sonniger Frühlingstage, bevor die Birnbäume austreiben, werden sie aktiv. Bereits ab Februar/März beginnt die Eiablage, diese kann bis Ende April andauern. Die Eier werden zuerst an Triebe, schwellende Knospen, später auch an Blüten und Blätter abgelegt. Ein Weibchen kann 300 bis 600 Eier legen (Bovey et al. 1979).
Die Jungtiere (Nymphen) der ersten Generation befallen hauptsächlich die Blüten und die jungen Triebspitzen. Sie entwickeln sich bis etwa anfangs Mai zu ausgewachsenen geschlechtsreifen Tieren. Die Eier der zweiten Generation werden vorwiegend auf neue, zarte Blätter der Wasserschosser abgelegt. Diese Generation verursacht die grössten wirtschaftlichen Schäden. Je nach Dauer der Vegetationsperiode bildet der Gemeine Birnblattsauger drei bis fünf Generationen pro Jahr. Die Jungtiere sind wenig beweglich. Sie vermehren sich rasch und es kann zu einer Massenvermehrung kommen. Die Nymphen saugen Pflanzensaft aus dem Phloem und scheiden grosse Mengen Honigtau aus.
Die überwinternde Form erscheint ab September bis Oktober.
Das Aussehen und der Lebenszyklus des kleinen Birnblattsaugers sind dem gemeinen Birnblattsauger sehr ähnlich. Der grosse Birnblattsauger unterscheidet sich von den beiden anderen dadurch, dass er nur eine Generation am Birnbaum entwickelt und nach der Blüte abwandert.

Wirtsspektrum

Die Birne (Pyrus comunis) ist die bevorzugte Wirtspflanze der Birnblattsauger.

Bekämpfung

  • Birnblattsauger bevorzugen Birnbäume, die ein gutes Triebwachstum zeigen. Ein angepasster Schnitt und eine bedarfsgerechte Düngung verhindern ein übermässiges Trieb- und Blattwachstum (FiBL 2005).
  • Nützlinge in der Obstanlage fördern und schonen: Verschiedene räuberische Wanzen, Florfliegen, Marienkäfer, Ohrwürmer sind wichtige Gegenspieler der Birnblattsauger.
  • Eine Befallskontrolle der Eier und Jungtiere (Nymphen) von Beginn Austrieb bis zu Ernte hilft zu entscheiden, ob eine Pflanzenschutzmassnahme nötig ist oder nicht (Naef et al. 2020a, sopra.info). Werden im Spätwinter mit Klopfproben mehr als 150-250 überwinternde Adulte auf 100 Ästen gefunden, ist die Schadenschwelle erreicht und eine „Winterbehandlung“ ist sinnvoll. Die Schadenschwelle ist ebenfalls überschritten, falls bei visuellen Kontrollen nach der Blüte 30-50 % von 100 Blütenbüscheln oder 30-60% von 100 Langtrieben einen Befall aufweisen. Der Anteil an verschmutzten Früchten zum Zeitpunkt der Ernte soll ebenfalls erfasst werden, um die Grösse der vorhandenen Population an Birnblattsauger zu kennen.
  • Stark befallene Triebe abschneiden und vernichten
  • Beregnung der Birnbäume wäscht den Honigtau weg, die Nymphen vertrocknen und sterben ab.
  • Pflanzenschutzmittel auf Basis von Kaliseife, die gegen Blattläuse angewendet werden, können auch einen Effekt gegen die Larven des Birnenblattsaugers haben (Kühne et al. 2006).
  • Eine Behandlung der Birnbäume mit Kaolin (Surround ®) vor der Blüte kann die Population an Birnblattsauger unter der wirtschaftlichen Schadschwelle halten (Daniel et al. 2005). Kaolin hat eine abstossende Wirkung (Repellens) auf gewisse Insekten und verhindert weitgehend eine Eiablage.
  • Zugelassene Pflanzenschutzmittel zum Schutz gegen den Birnblattsauger finden sie für die Schweiz unter Agroscope und BLW Pflanzenschutzmittelverzeichnis; für Deutschland in der online Datenbank des BVL (Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit) und für Österreich im Verzeichnis der zugelassenen Pflanzenschutzmittel in Österreich

Literatur

Bovey R, Baggiolini M, Bolay A, Bovay E, Corbaz R, Mathys G, Meylan A, Murbach R, Pelet F, Savary A, Trivelli G, 1979. La défense des plantes cultivées. Éditions Payot Lausanne: 864 p.

Daniel C, Pfammatter W, Kehrli P, Wyss E, 2005. Processed kaolin as an alternative insecticide against the European pear sucker, Cacopsylla pyri (L.). Journal of applied entomology, Vol. 129 (7): 363-367.

FiBL, 2005. Merkblatt. Pflanzenschutz im Biokernobstanbau. 32 Seiten (pdf)

Kühne S, Burth U, Marx P, 2006. Biologischer Pflanzenschutz im Freiland. Eugen Ulmer KG, 288 S.

Egger B, Holliger E, Kuster T, Perren S, Zwahlen D, Stäheli N, Stutz CJ, Bünter M, Linder C, Kehrli P, Dubuis PH, Christen D, Naef A, 2020a. Pflanzenschutzempfehlungen für den Erwerbsobstbau 2020/2021. Agroscope Transfer, Nr. 309 2020 1-68 S.

Perren S, Zwahlen D, Egger B, Kuster T, Holliger E, Linder C, Dubuis PH, Gfeller A, Christen D, Naef A, 2020b. Empfohlene Pflanzenschutzmittel für den Erwerbsobstbau 2020. Agroscope Transfer, Nr. 310 2020 1-24 S.

Sutton TB, Aldwinckle HS, Agnello AM and Walgenbach JF, 2014. Compendium of Apple and Pear Diseases and Pests. Second edition, St. Paul, Minn. The American Phytopathological Society, 218 p.